Waiblingen

Ärger um Müllmarken-Verkauf in Waiblingen - und warum Villinger-Zeller aufhörte

Müllmarken
Tanja Kleudgen vom Nahkauf auf der Korber Höhe spürte zwischen den Jahren eine verstärkte Nachfrage nach Müllmarken – denn in jener Zeit wurden diese in der Waiblinger Kernstadt nur dort verkauft. Mittlerweile hat sich das wieder geändert. © ZVW/Gabriel Habermann

Nachdem in der Altstadt das Fachgeschäft Villinger-Zeller keine Müllmarken mehr verkauft, gab es diese in Waiblingen zwischenzeitlich nur noch im Nahkauf auf der Korber Höhe – und das ärgerte manchen Bürger. Schließlich ist gerade die Zeit über Weihnachten traditionell jene, in der Kunden Müllmarken fürs nächste Jahr erwerben. Natürlich können diese auch online gekauft werden – doch viele Kunden schätzen es, die Marken direkt zu erwerben.

Der Vorwurf, dass die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) versäumt hat, für Ersatz zu sorgen, stimmt indes nicht: Am 5. Januar startete die Spielwaren Wiedmann GmbH in der Langen Straße 30 mit dem Verkauf von Gebührenmarken und sonstigen Produkten der AWRM. Das Geschäft hat von Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr geöffnet – und samstags von 9 bis 13 Uhr.

Michael Kleudgen betreibt mit seiner Frau seit 1999 den Laden auf der Korber Höhe

In der Zeit zwischen den Jahren, in der viele Müllmarken fürs nächste Jahr in einem Laden kaufen wollen, ging dies in Waiblingen nur im Nahkauf auf der Korber Höhe. Natürlich gab es die Möglichkeit auch in den Waiblinger Ortschaften, aber das hätte für manchen einen noch längeren Fahrtweg bedeutet. Michael Kleudgen betreibt mit seiner Frau Tanja Kleudgen seit 1999 den Lebensmittelmarkt im Schwalbenweg 5 auf der Korber Höhe – zuerst als Rewe-Filiale, mittlerweile aber seit langem als Nahkauf.

Manche Leute, die wegen einer Müllmarke in den Laden kamen, wussten zudem nicht, dass die Müllmarken nicht während der gesamten Öffnungszeiten des Nahkaufs angeboten werden – sondern nur zu folgenden Zeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr. Das sind die Zeitfenster, in denen auch die Toto-Lotto-Stelle besetzt ist. Hier werden auch Restmüllsäcke, Biomüllsäcke oder Sperrmüllkarten verkauft. Wegen des Geldes macht es Michael Kleudgen nicht. „Für uns ist es reiner Kundenservice.“

Rund 70 Verkaufsstellen für Müllmarken gibt es derzeit im Rems-Murr-Kreis

Stefanie Baudy, die bei der Abfallwirtschaft Rems-Murr die Öffentlichkeitsarbeit macht, verweist darauf, dass etwa 70 Verkaufsstellen für Müllmarken im Rems-Murr-Kreis existieren – und somit mit einem entsprechenden Online-Angebot eine flächendeckende Versorgung gewährleistet werde. „Eine Erhöhung der Anzahl an Verkaufsstellen ist nicht angedacht. Das liegt in der Hauptsache daran, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger das Angebot der Online-Bestellung nutzen, was aktuell sicher auch an der pandemiebedingten Situation liegt.“ Für jede Verkaufsstelle, die wegfällt, suche die AWRM stets schnellstmöglich Ersatz. „Dies ist auch in Waiblingen gelungen.“

Dass die Gebührenmarken, die für 2022 seit dem 22. Dezember 2021 erworben werden können, vor allem zwischen den Jahren gekauft werden, bestätigt die Sprecherin der AWRM. Sie verweist allerdings darauf, dass auch die ersten drei Wochen im Januar, nach Start des Verkaufs, sehr intensiv genutzt werden. „Auch die Bestellungen im Online-Portal bestätigen dies.“

AWRM: Mit dem Müllmarken-Verkauf kann teilweise der Umsatz der eigenen Waren gesteigert werden 

Wenn Läden den Verkauf von Müll-Gebührenmarken abschaffen, liegt dies laut Stefanie Baudy in der Regel an einer Betriebsaufgabe. Wenn im Gegenzug ein Geschäft Müllmarken neu anbietet, soll laut der Pressesprecherin so die sogenannte Laufkundschaft in den Laden kommen. „So kann teilweise der Umsatz der eigenen Ware gesteigert werden.“ Bei Betriebsaufgabe oder Übernahme eines Betriebs würden oft die Nachfolger den Verkauf fortführen, da sie diese Vorteile nutzen wollten. „Teilweise wird der Wunsch zur Einrichtung einer Verkaufsstelle auch von der Kundschaft direkt an den Inhaber herangetragen.“ Wie viel Geld pro verkaufter Müllmarke eigentlich bei den Verkaufsstellen vor Ort hängenbleibt, will die AWRM indes nicht öffentlich mitteilen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir über Abrechnungsmodalitäten keine Auskunft geben.“

Max Pfund von Villinger-Zeller fiel es nicht leicht, die Müllmarken aufzugeben

Für Max Pfund, Inhaber des Fachgeschäfts Villinger-Zeller, hat sich der Verkauf der Müllmarken indes nicht mehr gelohnt. Rund 20 Jahre hat er es gemacht. Als er einst begann, gab es noch mehr Verkaufsstellen für Müllmarken in Waiblingen, unter anderem in der Rinnenäckersiedlung. Aufgehört hat er mit einem „weinenden Auge“, wie er versichert – schließlich findet er es wichtig, einen Beitrag zur Nahversorgung der Bürger zu leisten. „Es fällt uns nicht leicht.“ Doch Aufwand und Ertrag standen letztlich für ihn in keinem Verhältnis mehr.

Seit in seinem Fachgeschäft für Haus, Küche und Garten 2G gilt, muss er jeden Kunden kontrollieren. Würden nun auch noch jene Leute dazukommen, die wegen einer Müllmarke seinen Laden aufsuchen, hätte er eine große Warteschlange. Das würde sich lohnen, wenn die Müllmarken-Kunden noch andere Produkte kaufen würden – dies ist aber selten der Fall.

Villinger-Zeller: Verdienst durch Müllmarken zu knapp bemessen

Max Pfund hat im Januar 2019, also noch vor Corona, eine Erhebung im eigenen Geschäft gemacht. Bei der gängigsten Müllmarke gab es damals nach seiner Aussage 3100 Verkaufsvorgänge – aber nur bei 127 Verkaufsvorgängen wurde noch mindestens ein anderes Produkt im Geschäft gekauft. Dazu komme, dass der Verdienst für ihn als Händler bei den Müllmarken knapp bemessen sei – und von der AWRM in den vergangenen zehn Jahren nicht erhöht worden sei.

Noch vor einem Jahr war Max Pfund guter Dinge, nachdem die Abfallwirtschaft Rems-Murr nach seiner Kritik die Müllmarken mit Barcodes versehen hatte. „Das hat den Ablauf sehr vereinfacht.“ Wegen der Einführung der 2G-Regel für sein Geschäft in den letzten Wochen des Jahres 2021 hätte Max Pfund letztlich mehr Personal einstellen müssen, um den Ansturm durch den Müllmarken-Verkauf ab dem 22. Dezember bewältigen zu können. Das aber hätte sich für den Geschäftsinhaber nicht rentiert. Seine Kunden hätten in Gesprächen seine Entscheidung stets nachvollziehen können, warum er keine Müllmarken mehr verkauft. „Bis jetzt hat es jeder verstanden, dass wir aufgehört haben.“

Immer noch kaufen die meisten Bürger Müllmarken im Laden – und nicht online

Im Jahr 2021 wurden in Waiblingen nach Angaben der Abfallwirtschaft Rems-Murr insgesamt 15 105 Müllmarken vor Ort verkauft, was in etwa sechs Prozent der insgesamt verkauften Gebührenmarken entspricht. 2021 wurden immerhin 79 Prozent der Gebührenmarken im Rems-Murr-Kreis noch vor Ort erworben – allerdings waren es 2019 noch 93 Prozent und im Corona-Jahr 2020 immerhin noch 92 Prozent.

So gesehen ist der Online-Verkauf deutlich gewachsen. „Eine Auswertung der Zahlen für einzelne Städte und Gemeinden ist leider nicht möglich“, betont Stefanie Baudy. Bei Bestellungen über den Online-Shop würden die Daten nicht weiter ausgewertet, da das für den Markenversand nicht erheblich sei. „Wir gehen aber davon aus, dass die prozentuale Verteilung in Waiblingen in etwa der des Rems-Murr-Kreises entspricht.“

Wer keine Müllmarke kauft, dessen Tonne wird irgendwann nicht mehr geleert

Wenn es jemand vergisst, die Gebührenmarke zu kaufen, gibt es laut der AWRM-Sprecherin eine sehr großzügige Regelung: „Auch wenn die Gebührenmarken bis spätestens 24. Januar 2022 auf den Tonnen kleben müssen, gibt es noch eine zweiwöchige Übergangszeit.“ Während dieser zwei Wochen bekomme jeder, der noch keine Gebührenmarke auf der Tonne hat, eine „Gelbe Karte“ in Form eines Mülltonnenanhängers mit der Aufforderung sich eine Marke zu besorgen. Erst nach diesen zwei Wochen würden „Rote Karten“ verteilt. „Wer diese an seiner Tonne findet, bleibt auf seinem Müll sitzen, geleert werden diese Tonnen nämlich nicht.“

Nachdem in der Altstadt das Fachgeschäft Villinger-Zeller keine Müllmarken mehr verkauft, gab es diese in Waiblingen zwischenzeitlich nur noch im Nahkauf auf der Korber Höhe – und das ärgerte manchen Bürger. Schließlich ist gerade die Zeit über Weihnachten traditionell jene, in der Kunden Müllmarken fürs nächste Jahr erwerben. Natürlich können diese auch online gekauft werden – doch viele Kunden schätzen es, die Marken direkt zu erwerben.

Der Vorwurf, dass die Abfallwirtschaft

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper