Waiblingen

100 Tage OB in Waiblingen: Sebastian Wolf über Energiekrise und Windmessungen

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Oberbürgermeister Sebastian Wolf - 100 Tage im Amt - Foto Gaby Schneider © Gaby Schneider

Schon vom 3. Dezember 2021 an, als Sebastian Wolf seine Bewerbung für das Amt des Waiblinger Oberbürgermeisters bekanntgab, war klar: Das ist ein Kandidat, den niemand leicht schlagen kann. Tatsächlich sollte es ein Durchmarsch werden, ohne Gegenkandidat, ohne Fehl und Tadel, aber immer mit einem Lächeln. Jetzt ist der neue Rathauschef 100 Tage im Amt - hat ihn der Alltag inzwischen eingeholt?

Er lächelt immer noch, trotz der erdrückenden Hitze. „Die Motivation,das in der Heimatstadt machen zu dürfen, ist schon etwas Besonderes.“ Ortskundig war er also schon vor der Kandidatur, was Personen in Gemeinderat. Vereinen, Institutionen und Unternehmen anbelangt, stand gleichwohl in den letzten Wochen das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund. Bei den 80 Wochenstunden seines Vorgängers ist er zwar bisher noch nicht angelangt, aber: „Es ist eine sehr intensive Zeit.“ Zugleich versucht er, wo es möglich ist, sich Zeit für seine junge Familie freizuschaufeln.

Eine Immobilie für die ganze Familie wird derzeit noch gesucht

Seine Frau und die beiden Kinder wohnen derzeit noch in Ehingen, wo Sebastian Wolf zehn Jahre lang Erster Bürgermeister war. Er selbst hat sich in der Innenstadt eine kleine Wohnung genommen. Eine Übergangslösung, bis die Familie eine Immobilie in Waiblingen gefunden hat, die für Erwachsene und Kinder gleichermaßen passt. Für die Suche wollen sich die Wolfs die nötige Zeit nehmen.

"Kommunikativ ist da noch Potenzial"

Dabei sind Probleme über die Stadt hereingebrochen, die nicht hier ihre Ursache haben, deren Auswirkungen aber auch in Waiblingen spürbar sind und wohl noch viel deutlicher spürbar werden. Das sind Putins Krieg und die Energiekrise, die mit ihm eng zusammenhängt. Die Gasnotlage wird nach Wolfs Überzeugung die öffentliche Hand und Privathaushalte noch stark beschäftigen. „Natürlich werden wir im Hinblick auf Energie über Standards diskutieren müssen.“ Die bisherigen Maßnahmen wie die erfolgte Temperatursenkung in den Bädern sind – je nach weiterer Entwicklung der Lage – wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denkbar sei zum Beispiel, nachts Ampeln auszuschalten. Über den Sommer berät der verwaltungsinterne Krisenstab zusätzliche Maßnahmen. Dass Einsparungen Auswirkungen auf die Nutzer haben, machten die Reaktionen auf die - fast heimlich erfolgte – Absenkung der Wassertemperaturen deutlich. Anders als im Frühjahr müsse die Bevölkerung über solche Maßnahmen klar informiert werden: „Kommunikativ ist da noch deutlich Potenzial.“ Informationen bräuchten die Leute auch, um selbst über Einsparungen nachdenken zu können.

Klausurtagung des Gemeinderats für den "Step"

Was die Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine anbelangt, hat sich der Gemeinderat dafür entschieden, die Menschen nicht in Containern unterzubringen, sondern neben Holzmodulbauten Mobilheime anzuschaffen, die eigentlich für Campingplätze erdacht wurden. Die Ambitionen von Stadt und Stadtwerken, Waiblingen mit Tankstelle und Elektrolyseur zu einem Innovationsstandort in Sachen Wasserstoff zu machen, wurden vertraglich besiegelt.

An einem Klausurwochenende haben die Spitzen der Verwaltung und die Stadträte über die grundsätzliche Entwicklung der Stadt in der näheren Zukunft diskutiert. Wohnraum-Entwicklung und Klimaschutz, das zeigte sich, werden als drängende Zukunftsfragen inhaltliche Schwerpunkte bei der Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans „Step“ sein müssen, die mit einer ersten Bürgerbefragung unter 10.000 zufällig ausgewählten Einwohnern begonnen hat. Der neue Klima-Ratsausschuss soll noch im Jahr 2022 erstmals tagen, die Arbeitskreise für den Klimaaktionsplan nehmen im September ihre Arbeit auf.

Windmessung auf der Buocher Höhe mit Lasertechnik

Beim Wohnraum einigten sich Rat und Rathaus auf das Ziel eines „moderaten Wachstums“. Dieses braucht die Stadt nach Einschätzung des Oberbürgermeisters im Hinblick auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel, der sich in der Verwaltung wie in der Wirtschaft zeigt. „Wir brauchen Fachkräfte – und die Fachkräfte brauchen Wohnraum.“ Im Innenbereich nachverdichten, an den Randbereichen neu bauen - beides soll nur „moderat“ geschehen. Der Wille, weitere Flächenversiegelung zu vermeiden, setzt beidem Grenzen.

Verwaltung muss kompetent und flexibel sein

Hier herrscht, der OB betont es, weitgehend Konsens. Was aber erachtet er selbst für besonders wichtig, was ist „sein Projekt“, das ganz oben steht auf der Agenda des Sebastian Wolf? Die jüngsten Krisen bestätigten ihn, dass die Stadtverwaltung agil und flexibel sein muss, um sich den Herausforderungen zu stellen. „Gute Köpfe sind das Kapital der Kommunen, denn wir haben erlebt, wie schnell sich Situationen und Aufgaben verändern können.“ Die Stadt müsse sich also bemühen, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Hohe Professionalität sehe er an vielen Stellen, aber die müsse in Zukunft - auch wenn die Generation der Babyboomer jetzt abtritt - gewahrt bleiben.

Wie seine Amtsvorgänger seit Dr. Ulrich Gauss setzt Sebastian Wolf auf Gabriele Simmendinger als rechte Hand und persönliche Referentin – oder ganz korrekt ausgedrückt als Fachbereichsleiterin Büro Oberbürgermeister. „Viel mehr Wissen über die Verwaltung kann man ja gar nicht aufsaugen“, sagt der OB.

Im Herbst wollen Stadt und Stadtwerke einen neuen Anlauf für ein Windkraftwerk auf der Buocher Höhe unternehmen und eine valide Windmessung in die Wege leiten, für die dank Lasertechnik kein Mast errichtet werden muss. Sebastian Wolf hofft die Debatte, die in der Vergangenheit mit zu viel Emotion geführt worden sei, mit Fakten und offenem Austausch mit den Nachbargemeinden versachlichen zu können. Klar ist: Egal ob in Waiblingen oder anderswo, beim Thema Wind oder bei anderen: Man wird nicht jeden überzeugen können.

Kann dieser freundliche OB auch unangenehm werden?

Die Menschen erleben den Oberbürgermeister als freundlich und verbindlich, nicht als Hauptdarsteller einer One-Man-Show. Bei aller Höflichkeit brauche Kommunalpolitik aber auch einen klaren Rahmen, sagt Sebastian Wolf. Er sei ein Freund von Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement, „aber irgendwann muss ein gewähltes Gremium eine Entscheidung treffen“. Zu gutem Stil gehöre, an einem bestimmten Zeitpunkt auch klar zu sagen: „Nein, das werden wir nicht tun.“

Nach 100 Tagen im Amt geht’s jetzt erst einmal zum Familienurlaub in die Berge. Nur einmal in den 100 Tagen, gesteht der Neu-OB, sei er nervös geworden. Nämlich als Novize bei der Feier des 90. Geburtstags von Alt-OB Gauss unter den, soweit sie noch leben, versammelten ehemaligen Stadtspitzen und Dezernenten von Hans Wössner bis Andreas Hesky. Es sollte aber doch ein heiterer und angenehmer Tag in netter Runde werden.

Schon vom 3. Dezember 2021 an, als Sebastian Wolf seine Bewerbung für das Amt des Waiblinger Oberbürgermeisters bekanntgab, war klar: Das ist ein Kandidat, den niemand leicht schlagen kann. Tatsächlich sollte es ein Durchmarsch werden, ohne Gegenkandidat, ohne Fehl und Tadel, aber immer mit einem Lächeln. Jetzt ist der neue Rathauschef 100 Tage im Amt - hat ihn der Alltag inzwischen eingeholt?

Er lächelt immer noch, trotz der erdrückenden Hitze. „Die Motivation,das in der Heimatstadt

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