Waiblingen

20 Krankmeldungen am Tag: Digitale AU ist für Hausarzt Korber Höhe "Mehraufwand"

Dr. Daur
Dr. Wolfgang Daur unterschreibt eine AU-Bescheinigung. © Gabriel Habermann

In der Hausarztpraxis Korber Höhe werden pro Tag rund 20 AU-Bescheinigungen ausgestellt. „Das hängt von der Praxisgröße und vom aktuellen Infektgeschehen ab“, erklärt Dr. Wolfgang Daur. Der Arzt führt mit zwei weiteren Kollegen eine Gemeinschaftspraxis in Waiblingen. Die Ausstellung des „gelben Scheins“ erfolgte bislang teils in Papierform und in mehrfacher Ausführung – für den Patienten, für die Krankenkasse und den Arbeitgeber.

Das hat sich zum 1. Januar 2023 geändert. Schon seit 2022 sind Arztpraxen dazu verpflichtet, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für gesetzlich Versicherte elektronisch an die Krankenkasse zu übermitteln. Neu ist aber, dass der Arbeitnehmer seine Krankmeldung nicht mehr bei der Arbeit vorlegen muss. Der Arbeitgeber selbst muss die Krankmeldung online bei der Krankenkasse abrufen. Krankmelden müssen sich Beschäftigte trotzdem. Im Vergleich zu der Papierlösung bereite die elektronische AU-Bescheinigung einen „Mehraufwand“, sagt Wolfgang Daur.

Wie wird eine elektronische AU-Bescheinigung ausgestellt?

Beim alten Krankenschein in Papierform funktioniert die Ausstellung folgendermaßen: „Der Arzt gibt bei der Untersuchung die Daten in sein Praxisverwaltungssystem (PVS) ein“, erklärt Kai Sonntag. Er leitet die Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Daraufhin können Formulare ausgedruckt und dem Patienten mitgegeben werden. Dieser kümmere sich dann selbst „um die Weiterleitung der Durchschläge an seine Krankenkasse und an seinen Arbeitgeber“, so Kai Sonntag.

Bei der elektronischen AU-Bescheinigung entfallen auf den ersten Blick ein paar Schritte. Der Arzt müsse die Daten ebenfalls in das System eingeben, dann werden die Daten mit Hilfe des Kommunikationsdienstes „KIM“ elektronisch an die Krankenkasse übermittelt. Aber: Der Arzt muss die eAU elektronisch unterschreiben. „In vielen Fällen muss der Arzt dann aber noch eine separate Bescheinigung an den Patienten ausstellen, weil der Arbeitgeber das verlangt oder der Patient das haben möchte“, so der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung.

Was zunächst plausibel klingt, funktioniert nicht reibungslos. Hausarzt Wolfgang Daur bestätigt, dass es länger dauert, digital zu unterschreiben und die Daten elektronisch zu übermitteln, als den gelben Schein in Papierform auszustellen.

Wo liegen die Probleme bei der Ausstellung der eAU?

Denn hinzu kommt, dass die Praxis neben der digitalen AU auch noch die AU in Papierform ausdrucken muss. „Solange man diese Formulare noch ausdrucken und zusätzlich elektronisch übermitteln muss, ist der Aufwand sicherlich höher als früher“, sagt der Arzt.

Noch mehr Zeit muss investiert werden, wenn unerwartet Probleme auftreten – zum Beispiel kann etwas bei der digitalen Übermittlung an die Krankenkasse schieflaufen. „Wenn die Krankenkasse den Patienten nicht zuordnen kann, der Datenübertragungsdienst nicht funktioniert oder wenn der Patient zwei Arbeitgeber hat, ist der Zeitaufwand deutlich höher.“ Solche Fälle sind in der Praxis von Wolfgang Daur schon vorgekommen. Bei allen Schwierigkeiten sei die Fehlerquote bisher gering. Der Hausarzt hofft, dass sich der Aufwand ausgleicht, wenn keine Dokumente mehr ausgedruckt werden müssen. Schon bevor die elektronische AU-Bescheinigung mit dem Jahr 2023 Pflicht geworden ist, stand sie bei den Ärzten auf der Tagesordnung. „Wir hatten uns glücklicherweise im Voraus in die Dokumentation des neuen Systems eingearbeitet und Seminare unseres IT-Dienstleisters besucht“, sagt Wolfgang Daur. Das sei aber zu Hochzeiten der Corona-Pandemie „ein zusätzlicher und wirklich ärgerlicher Zeitaufwand“ gewesen.

Nichtsdestotrotz ist der Mediziner davon überzeugt, dass sich die Digitalisierung auch in den Praxen durchsetzen wird. Er betont aber, dass man aufgrund der sensiblen Daten „auf ein höchstes Maß an IT-Sicherheit und eine sehr hohe Testqualität“ zu achten habe. Ein weiteres Beispiel für die Digitalisierung eines Vorganges sei die Einführung des elektronischen Rezeptes. Noch stockt die Umsetzung des Konzeptes. Hier hätte man aus den Erfahrungen gelernt „und nach aufgetretenen Problemen in Testregionen die Umsetzung zurückgestellt und Verbesserungen und weitere Tests eingeleitet“, so der Hausarzt. „Das begrüßen wir.“

Fest steht: Bürokratisierung, Ärztemangel und die Kostenfrage halten die Ärzte in ganz Deutschland auf Trab. „Diese Probleme lassen sich auch nicht mit Digitalisierung lösen“, sagt Wolfgang Daur.

Die Krankmeldung in Papierform ist noch nicht ganz abgeschafft

Für Privatversicherte gilt eine andere Regelung. Diese Patienten bekommen nach wie vor eine Krankmeldung in Papierform. Ausgenommen sind ebenfalls Minijobs in Privathaushalten und Zeiten von Rehabilitations- und Vorsorgemaßnahmen.

Wie die KVBW schreibt, werden bereits über 80 Prozent der AU-Bescheinigungen elektronisch an die Kassen übermittelt. Im Falle von technischen Problemen werde der „gelbe Schein“ weiterhin in Papierform ausgestellt.

In der Hausarztpraxis Korber Höhe werden pro Tag rund 20 AU-Bescheinigungen ausgestellt. „Das hängt von der Praxisgröße und vom aktuellen Infektgeschehen ab“, erklärt Dr. Wolfgang Daur. Der Arzt führt mit zwei weiteren Kollegen eine Gemeinschaftspraxis in Waiblingen. Die Ausstellung des „gelben Scheins“ erfolgte bislang teils in Papierform und in mehrfacher Ausführung – für den Patienten, für die Krankenkasse und den Arbeitgeber.

Das hat sich zum 1. Januar 2023 geändert. Schon seit

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