Waiblingen

20 positive Corona-Testergebnisse im Alexander-Stift in Hegnach: Wie konnte das passieren?

Alexanderstift
Das Seniorenzentrum Alexander-Stift in Hegnach steht momentan unter Quarantäne. © Benjamin Büttner

Im Alexander-Stift in Hegnach haben sich nach aktuellem Stand (Freitagnachmittag) 20 der 37 Bewohner mit Corona infiziert. Am Donnerstag hat die Diakonie Stetten darüber in einer Pressemitteilung informiert. Am Freitag ist laut Pressesprecher Steffen Wilhelm noch nicht klar, wer sich wo angesteckt hat und ob Mitarbeiter und Besucher ebenfalls betroffen sind. Entdeckt wurden die 20 Infektionen nämlich nur durch Zufall.

Zur Routineuntersuchung ins Krankenhaus - dann plötzlich positiv auf Corona

„Eine Seniorin musste wegen einer Routineuntersuchung ins Krankenhaus“, sagt Pressesprecher Wilhelm. Dort wurde standardmäßig ein Corona-Test durchgeführt – und dieser kam positiv zurück. Die Betroffene habe zu diesem Zeitpunkt keinerlei Symptome gehabt, die auf eine Erkrankung mit dem Virus hingedeutet hätten. „Die Untersuchung im Krankenhaus hatte rein gar nichts mit Corona zu tun“, stellt Wilhelm klar.

Auf dieses Testergebnis hin wurden sämtliche Bewohner des Alexander-Stifts ebenfalls auf Corona getestet – bei 19 anderen Senioren ist dabei ebenfalls eine Infektion festgestellt worden. Weder die Seniorin, die vor einigen Tagen im Krankenhaus getestet wurde, noch ihre Mitbewohner zeigten bis jetzt Symptome, so Wilhelm.

Wer hat wen angesteckt?

Das Alexander-Stift Hegnach und seine Bewohner stehen jetzt fürs Erste unter Quarantäne. „Die Senioren werden auf ihren Zimmern versorgt.“ Wo die Infektionskette begonnen hat, sei bis jetzt noch völlig unklar. Inzwischen hat sich auch das Personal des Altenheims auf Corona testen lassen, die Ergebnisse lassen aber nach momentanem Stand (Freitag, 13. November, 13 Uhr) noch auf sich warten. Die Diakonie schließt nicht aus, dass eventuell auch Mitarbeiter zum Infektionsgeschehen beigetragen haben könnten.

Immerhin gelten für Pflegeheime und andere vergleichbare Einrichtungen nach der aktuellen Corona-Verordnung intern keine so strengen Sicherheitsvorkehrungen wie nach außen: Die Maßnahmen sollen vor allem den Besucherverkehr eindämmen: Jeder Bewohner darf täglich maximal von zwei Personen Besuch bekommen. Die Besucher sind dazu verpflichtet, sich am Eingang der Einrichtung die Hände zu desinfizieren und während des ganzen Aufenthalts eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

„Statt in den Gemeinschaftsräumen finden die Besuche nur bei den Klienten auf dem Zimmer statt“, erklärt Steffen Wilhelm. So soll der Kontakt der Externen zu den Bewohnern so gering wie möglich gehalten werden. Von den Besuchern wird natürlich sowieso eine Selbstauskunft verlangt, auf einer Besucherliste wird festgehalten, wer wie lang im Haus war und mit wem Kontakt hatte. „Wir bitten außerdem zur Zeit dringend darum, die Besuche auf das Nötigste zu beschränken“, sagt der Pressesprecher. Manche Angehörige kämen dieser Bitte bereitwillig nach, andere weniger – das komme schließlich auch sehr darauf an, wie stark die Bindung zwischen Bewohner und Angehörigem sei.

FFP2-Masken sind nicht der Standard 

Die Mitarbeiter in den Einrichtungen der Diakonie tragen laut Pressesprecher nur dann besondere Schutzkleidung und FFP2-Masken, wenn im Haus bereits eine Infektion vorliegt. Bis dahin ist das Personal mit ganz gewöhnlichen medizinischen Einmal-Masken ausgestattet. Sollte ein Besucher oder ein Mitarbeiter also tatsächlich das Virus ins Heim einschleppen und trotz Mund-Nasen-Bedeckung einen der Bewohner anstecken, gibt es keine Regelungen, die vor Ansteckungsketten innerhalb des Hauses schützen: Die Bewohner können sich dort frei und uneingeschränkt bewegen und haben auch weiterhin Kontakt zu ihren Mitbewohnern. Dass sich nun mehr als die Hälfte der Bewohner offenbar mit Corona angesteckt hat, sei deshalb nichts einrichtungsspezifisches, ist Steffen Wilhelm überzeugt: „Das kann in jedem Haus passieren.“

Schnelltests vor Ort sollen in Zukunft vorbeugen

Dazu, ob die Diakonie als Reaktion auf die jüngsten Infektionen – nicht nur im Alexander-Stift in Hegnach, sondern auch in Stetten – generell strengere Hausregeln erlassen wird, ist ihm nichts bekannt. Er hält es allerdings auch nicht für sehr wahrscheinlich: „Das würde ja eine noch größere Einschränkung für die Bewohner bedeuten.“

Allerdings will die Diakonie Stetten in ihren verschiedenen Wohneinrichtungen in naher Zukunft Schnelltests durchführen, so dass Besucher in Zukunft das Corona-Virus hoffentlich nicht mehr einschleppen können.

Frau mit Behinderung stirbt nach Corona-Infektion

Diese Schnelltests wären wichtig, immerhin sind kürzlich an einigen anderen Standorten Bewohner und Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden). Auch einen Todesfall hat die Diakonie zu beklagen: Eine 40-jährige Frau mit mehrfacher Behinderung, die Ende Oktober positiv getestet worden war, ist am Montag gestorben. „Sie hatte mehrere Vorerkrankungen und gehörte somit zur Risiko-Gruppe“, sagt der Pressesprecher.

 

Auch in den Wohngruppen der Menschen mit Behinderung gelten dieselben Regelungen wie in den Altenheimen. Gerade in Pflegeeinrichtungen, in denen junge Klienten oder sogar Jugendliche wohnen, falle es vielen Angehörigen schwer, die Besuche auszusetzen.

Auch für die Klienten selbst sei es natürlich hart, dass sie zur Zeit wegen Corona nicht mehr wie gewohnt wohngruppenübergreifende Kontakte pflegen dürfen, so Wilhelm.

Betroffen ist auch der Werkstattalltag: Um zu verhindern, dass bei der Arbeit die einzelnen Gruppen zu sehr durchmischt werden, seien viele Abläufe verändert worden. „Das kann dazu führen, dass sich die Beschäftigten plötzlich in einem ganz anderen Arbeitsumfeld mit anderen Aufgaben wiederfinden.“

Trotzdem seien alle froh, dass die Werkstätten geöffnet sind.

Im Alexander-Stift in Hegnach haben sich nach aktuellem Stand (Freitagnachmittag) 20 der 37 Bewohner mit Corona infiziert. Am Donnerstag hat die Diakonie Stetten darüber in einer Pressemitteilung informiert. Am Freitag ist laut Pressesprecher Steffen Wilhelm noch nicht klar, wer sich wo angesteckt hat und ob Mitarbeiter und Besucher ebenfalls betroffen sind. Entdeckt wurden die 20 Infektionen nämlich nur durch Zufall.

Zur Routineuntersuchung ins Krankenhaus - dann plötzlich

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