Waiblingen

40 Jahre Weltladen: Faire Mode, feine Geschenke

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Von links Ulrike Kirr-Dominik, Marta Hartusch, Evemarie Fessmann, Ingrid Seibold. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Geschenke und Geschirr. © ALEXANDRA PALMIZI
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Ketten. © ALEXANDRA PALMIZI

Waiblingen. Der Weltladen ähnelt einer kleinen, feinen Geschenkboutique mit Schmuck und Mode, Seifen und Gewürzen. Das war nicht immer so: Jutetaschen und ziemlich bitter schmeckender Kaffee bestimmten früher sein Image. 40 Jahre nach der Gründung des Waiblinger Weltladens ist das Sortiment deutlich größer, die Qualität besser geworden, der Stil hat sich verändert. Doch seine Botschaft ist geblieben.

Mitten in der Fußgängerzone in der Langen Straße ist der Weltladen ein kleiner Hingucker. Vor dem Geschäft stehen ein Tischchen und Korbsessel, das Schaufenster ist liebevoll dekoriert. Modische Teile, weiche Socken, Stulpen, ein Rucksack, alles Ton in Ton, sorgen dafür, dass manche Passantin stehen bleibt und spontan den Laden betritt. „Wir haben viele Stammkunden“, sagt Ladenleiterin Evemarie Fessmann. „Doch seit dem Umzug im März vom Hochwachtturm kommen viele Leute rein, die vom Schaufenster angezogen werden.“

Und das ist gut so. Denn trotz Plakaten, Newsletter und Kinowerbung dümpelte das Geschäft abseits von der Fußgängerzone am Hochwachtturm vor sich hin. „Der Verkauf ist nicht gelaufen“, sagt Marta Hartusch, Geschäftsführerin der Weltladen Backnang GmbH, zu der die Läden in Backnang, Murrhardt und Waiblingen gehören. Als Teil des Einzelhandels sei der Weltladen nicht nur auf attraktive Waren, sondern auch eine auf eine gute Lage angewiesen. „Unsere Lage hier ist 1 a“, freut sich die Geschäftsführerin.

Lage in den Entwicklungsländern ist kaum besser geworden

Die Qualität von Kleidern und Schmuck, Kaffee und Tee, Gewürzen und Geschenkartikeln hat sich mit den Jahren verbessert. Geblieben ist die Idee, mit den Produkten aus fairem Handel das Leben der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern. „Eigentlich sollten wir unser 40-jähriges Bestehen gar nicht feiern“, meint Marta Hartusch. „Wir sollten längst überflüssig sein.“ Weil die Realität anders aussieht und sich die Lage in den Entwicklungsländern nicht wirklich geändert hat, unterstützen die Weltläden weiterhin kleine Kooperativen in den Ländern und investieren in Bildung, Integration und Inklusion vor Ort. Ob etwa in Bangladesch, Nepal oder Indien: „Wir wissen, wo die Sachen hergestellt werden“, versichert Marta Hartusch.

In Waiblingen sorgen neben zwei hauptamtlichen Teilzeit-Frauen 22 Ehrenamtliche dafür, dass der Laden läuft. Sie räumen die Waren ein, beraten die Kunden, verkaufen und verpacken die Einkäufe, dekorieren Laden und Schaufenster. Bei täglichen durchgehenden Öffnungszeiten ist weitere ehrenamtliche Hilfe höchst willkommen: „Wir müssen uns zur Decke strecken“, sagt Evemarie Fessmann, die seit April 2016 den Laden leitet.

Gesucht werden Leute, die Freude an den Sachen im Weltladen haben, vor allem aber auch mit Spaß an Beratung und Verkauf. Wer sich vorstellen kann, mitzuarbeiten, kann erst mal zum Schnuppern vorbeikommen. „Es ist schön hier“, sagt Evemarie Fessmann überzeugt. „Wir haben eine gute Atmosphäre.“

Angefangen hat der Waiblinger Weltladen vor 40 Jahren. Damals noch „Dritte-Welt-Laden“ genannt, wurde er nach Angaben Hartuschs am 15. Juni 1979 von acht Waiblingern gegründet: „Darunter waren Marliese Schardt, das Ehepaar Kruse (der damalige Krankenhauspfarrer) und das Ehepaar Teich-Gräber (Vikar und Pfarrerin). Etwas später kam Waltraud Künzel dazu und ist für immer geblieben: „Mit sehr großem Engagement“, wie die Geschäftsführerin anmerkt.

Marta Hartusch selbst kam mit ihrer Familie 2002 von Argentinien nach Waiblingen. In Argentinien hatte sie einen eigenen Laden für Dekostoffe. Um Deutsch zu lernen, engagierte sie sich im Weltladen. Heute ist die Geschäftsführerin die einzige Hauptamtliche mit einer 100-Prozent-Stelle im Weltladen.