Waiblingen

80 Jahre alte Trauerweide am Marktplatz gefällt

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Die Trauerweide am Beutelsbacher Marktplatz ist am Montag gefällt worden. Am Dienstag wird nun auch noch der Wurzelstock herausgefräst – damit es keine Stolperfalle gibt. © ZVW/Gaby Schneider

Weinstadt-Beutelsbach.
Sie war 14 Meter hoch und hat das Bild der Beutelsbacher Ortsmitte maßgeblich geprägt: Die 80 Jahre alte Trauerweide am Marktplatz ist am Montag im Auftrag der Stadt Weinstadt gefällt worden. Das Tiefbauamt begründete die Maßnahme mit der Sicherheit für die Menschen und Fahrzeuge auf dem Marktplatz. Die Mitarbeiter dort haben die Verantwortung für mehr als 10 000 Bäume, die in Weinstadt auf öffentlichen Flächen stehen. Unsere Zeitung hat sich am Beispiel der Trauerweide erläutern lassen, wie die Stadt bei der Untersuchung der Baumgesundheit vorgeht. Und wir haben erfahren, wo demnächst eine weitere Fällung ansteht.

Einmal im Jahr lässt die Stadt von einer Firma alle Bäume auf öffentlichen Flächen überprüfen. Jüngst übernahm diese Aufgabe das Sachverständigenbüro Blattwald aus Schorndorf. Es überprüfte, wie es um die Verkehrssicherheit, die Standsicherheit und die Vitalität bestellt ist. Um Bäume auf Privatgrundstücken kümmert sich die Stadt in der Regel nicht. Heißt: Wenn hier ein Baum einen Ast verliert und jemanden verletzt, ist der jeweilige Grundstückseigentümer dran. Was die Bäume auf öffentlichen Flächen angeht, kann die Stadt natürlich nicht jeden Baum genauer untersuchen, sondern sie konzentriert sich auf jene, bei denen eine hohe Dringlichkeit besteht zu handeln – und solche Bäume liegen in der Regel innerhalb der Orte.

Von Würmern und Maden befallen

Im Fall der Trauerweide vom Beutelsbacher Marktplatz wurde das Büro Blattwald von der Stadt beauftragt, sich den Baum genauer anzusehen. Mit einem sogenannten Diagnosehammer ist laut dem Tiefbauamt die Trauerweide abgeklopft worden. Dabei sei schon zu hören gewesen, dass der Baum wohl innen fault. Mittels eines Resistografen sei dann der Widerstand des Holzes gemessen worden – und da sei dann klar gewesen, wie stark die Fäulnis bereits fortgeschritten gewesen sei. Trotz eines Stammdurchmessers von 87 Zentimetern sind laut Tiefbauamt nur noch wenige Zentimeter des Holzes intakt gewesen. Als am Montag der Baum gefällt wurde, seien die abgetrennten Äste sogar regelrecht zerbröselt. Der Baum, betonte ein Mitarbeiter des Tiefbauamts, sei regelrecht von Würmern und Maden befallen gewesen.

Gefällt werden durfte die Trauerweide am Montag indes nur, weil dort bei der Artenschutzuntersuchung laut Tiefbauamt weder ausgewachsene Tiere noch Brutstätten gefunden wurden. Wären etwa Fledermäuse entdeckt worden, hätte der Baum erst mal nicht gefällt werden dürfen. Auch diese Überprüfung hat das Büro Blattwald aus Schorndorf vorgenommen. Wäre etwa ein Nest in einem Ast entdeckt worden, dann hätte die Stadt nur einige andere Äste absägen dürfen, nicht aber den ganzen Baum. Und das Tiefbauamt hätte Kontakt mit dem Landratsamt aufnehmen müssen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Totholz ist ein wertvoller Lebensraum für Insekten

Bei der Trauerweide vom Beutelsbacher Marktplatz wird am Dienstag nun auch noch der Wurzelstock entfernt, damit gerade mit Blick auf möglichen Schneefall keine Stolperfalle entsteht. Und auch der Pflasterbelag soll dann gleich angeglichen werden. Mitten in der Natur entfernt die Stadt einen bruchgefährdeten Baum übrigens nicht vollständig, sondern lässt etwa fünf Meter übrig. Sogenanntes Totholz ist schließlich Lebensraum für viele Insekten.

Baumfällungen durch die Stadt sind in Weinstadt keine Seltenheit. In der Regel erfolgen sie zwischen dem 1. November und Ende Februar. Nur wenn Gefahr im Verzug ist, kann auch außerhalb dieses Zeitraums gehandelt werden. Erst kürzlich wurden Eschen an der Kreisstraße 1862 zwischen Schnait und Baach entfernt. Grund: das durch einen Pilz verursachte Eschentriebsterben. Beim städtischen Kindergarten Pfarrgasse in Großheppach wurde jüngst ein Baum gefällt, der laut Tiefbauamt für den Außenbereich des Kindergartens und einen angrenzenden Spielplatz eine Gefahr darstellte. Kommende Woche will das Amt einen komplett von Efeu eingewachsenen Baum fällen, der beim Strümpfelbacher Pfarrhaus steht.

„Mein Freund, der Baum, ist tot"

Protest gegen die Maßnahmen des Tiefbauamts sind unserer Zeitung bislang nicht bekannt. Ein Blick in Nachbarkommunen zeigt aber, dass das Thema durchaus Potenzial hat, die Emotionen hochkochen zu lassen. Im Rahmen der Sanierung der Schorndorfer Uhlandstraße war das vor Jahren der Fall. Erinnert sei in dem Zusammenhang auch an die Parkschützer von Stuttgart 21, die sich nicht nur für den Erhalt des Kopfbahnhofs engagierten, sondern auch für den mittleren Schlossgarten.

Selbst Weinstadt erlebte einst eine harte Auseinandersetzung im Herbst 2011, als in Benzach Bäume gefällt wurden. „Mein Freund, der Baum, ist tot, er fiel im frühen Morgenrot“, sang Schlagersängerin Alexandra in ihrem Hit von 1968. Ein Vertreter der Bürgerinitiative schrieb damals in einem Leserbrief: „Unser aller Freund, der Park, ist tot, er starb im frühen Morgenrot! Im Morgengrauen rückte ein Rollkommando mit riesigen Maschinen und Polizeischutz an, kurze Zeit danach, kurz nach Sonnenaufgang, war das Werk der Frevler vollbracht.“