Waiblingen

9-Euro-Ticket: Geschätzt mehr Busfahrgäste in Waiblingen, Kritik an "Strohfeuer"

9-Euro-Ticket
Busse am Bahnhof in Waiblingen. © Gabriel Habermann

Hat das 9-Euro-Ticket in den ersten zwei Wochen mehr Fahrgäste in Waiblinger Busse gebracht? Daten dazu gibt es nicht, doch „gefühlt“ seien seit Anfang Juni etwas mehr Menschen im Bus unterwegs, sagt Horst Windeisen, Geschäftsführer des Waiblinger Busunternehmens Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR). „Laut Stimmen unserer Busfahrerinnen und Busfahrer waren insbesondere am Wochenende mehr Fahrgäste in den Bussen als an früheren Wochenenden“, so Windeisen in der Woche nach Pfingsten. „Auch haben eine nennenswerte Anzahl von Fahrgästen das 9-Euro-Ticket vorgezeigt.“

Wie viele Fahrten damit schon unternommen wurden, kann laut dem Busunternehmer nicht abgeschätzt werden, da das Ticket beim Einsteigen in den Bus nur vorgezeigt werden muss. Gescannt werden könne es nicht, da es keine Erfassungsmerkmale, beispielsweise einen Barcode, habe.

Was die Zahl der Fahrgäste in den Bussen angeht, verweist Windeisen auch auf die Pfingstferien, in denen es weniger Passagiere gibt als an Schultagen.

Keine Beschwerden im Zusammenhang mit 9-Euro-Ticket

Beschwerden wegen etwaiger Probleme im Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket gab es laut OVR bisher nicht. Auch dem Landratsamt sind keine bekannt. Für die Busfahrer scheint es auch eine Art Entlastung zu sein, so Windeisen: „Unsere Fahrerinnen und Fahrer propagieren den Verkauf von 9-Euro-Tickets schon allein, um sich mehrere Verkaufsvorgänge von Einzeltickets für Hin- und Rückfahrt zu ersparen.“

Dem für den Busverkehr in Waiblingen zuständige Landratsamt liegen keine genaueren Daten zur Nutzung des 9-Euro-Tickets vor. Es verweist auf die Einschätzungen des OVR. „Insgesamt wurde im regionalen Busverkehr im VVS jedoch kein wesentlicher Anstieg an Fahrgästen festgestellt. Spürbare Fahrgaststeigerungen dürften eher auf der Schiene zu verzeichnen sein“, so die Rems-Murr-Verwaltung. Auch hier werden allerdings die zweiwöchigen Pfingstferien genannt, die dazu beitragen, dass gerade weniger Menschen Bus fahren.

VVS: Über eine halbe Million verkaufte 9-Euro-Tickets

Wie viele 9-Euro-Tickets in Verkaufsstellen in Waiblingen erstanden wurden, kann auch der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) nicht beantworten. Insgesamt waren vergangene Woche im gesamtem VVS bereits über eine halbe Million der Tickets verkauft worden. Hinzu kamen laut dem Verbund noch die 350.000 bisherigen Abonnenten, die zum 1. Juni automatisch auf das 9-Euro-Ticket umgestellt wurden.

Waiblingen: Buslinien 201, 207 und 209 "besonders nachfragestark"

Was den Vergleich für den Busverkehr in Waiblingen zusätzlich erschwert: Informationen dazu, wie viele Fahrgäste im Schnitt an einem Werktag den ÖPNV in der Stadt nutzen, hat das Landratsamt nicht. Auch zur Auslastung der einzelnen Linien seien keine Aussagen möglich. „Besonders nachfragestark“ seien jedenfalls die Buslinien 201, 207 und 209.

OVR-Chef begrüßt Maßnahmen für ÖPNV, kritisiert aber "Strohfeuer"

Insgesamt findet OVR-Chef Horst Windeisen alle Maßnahmen, die Fahrgäste in Bus und Bahn bringen, begrüßenswert. Doch das 9-Euro-Ticket hält er für „ein verdammt teures Projekt, das einer ‘schwäbischen Hausfrau’ nicht einfallen würde“. Spätestens nach Ablauf der Aktion nach drei Monaten müssen seiner Ansicht nach Diskussionen über Tariferhöhungen geführt werden, „aufgrund der Inflation, den exorbitant gestiegenen Energiekosten und erfolgter/anstehender Lohn- und Manteltarifabschlüsse“, so Windeisen in seiner schriftlichen Antwort an die Redaktion. „Auch und insbesondere weil Bund und Land die Bus-Verkehrsunternehmen bei der Energiekostenexplosion alleine lassen.“

Ein „Drei-Monats-Strohfeuer“ sei „kein nachhaltiger Invest“ in den öffentlichen Nahverkehr auf Straßen und Schienen, kritisiert der OVR-Geschäftsführer, der auch Mitglied im Aufsichtsrat des VVS ist.

Hohe Diesel-Preise: Protest-Korso mit Bussen in Stuttgart

Wegen der hohen Diesel-Preise hat der Landkreistag erst vor wenigen Tagen die Regierung in Stuttgart zur konkreten Unterstützung von Verkehrsunternehmen aufgefordert. Über eine etwaige Finanzspritze in Millionen-Höhe wird noch verhandelt. Aus Protest findet am Dienstag, 21. Juni, eine Aktion mit Buskorso in der Stuttgarter Innenstadt statt, organisiert vom Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen.

Landratsamt will Klarheit bei Diesel-Hilfe und Busse nicht "dem freien Markt überlassen"

„Rasch Klarheit über den Diesel-Stützungspakt“, wünscht sich auch der Rems-Murr-Kreis, so die Pressestelle. Unabhängig davon sei man aber bereits aktiv: „Seit März ziehen wir Zahlungen an die Busunternehmen vor, um deren Liquidität kurzfristig zu sichern. Parallel dazu haben wir und auch die anderen Verbundlandkreise Vertragsanpassungen vorbereitet, mit denen wir den Unternehmen die gestiegenen Dieselpreise ausgleichen können.“ Der Kreistag muss dem noch zustimmen.

Rechtlich zwingend sind diese Hilfen nach Ansicht der Landkreisverwaltung nicht – man könne die Busunternehmen theoretisch auch „dem freien Markt“ überlassen, heißt es in der Beschlussvorlage für das Kreis-Parlament. Das jedoch könne den ÖPNV im Landkreis „gefährden“.

Hat das 9-Euro-Ticket in den ersten zwei Wochen mehr Fahrgäste in Waiblinger Busse gebracht? Daten dazu gibt es nicht, doch „gefühlt“ seien seit Anfang Juni etwas mehr Menschen im Bus unterwegs, sagt Horst Windeisen, Geschäftsführer des Waiblinger Busunternehmens Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR). „Laut Stimmen unserer Busfahrerinnen und Busfahrer waren insbesondere am Wochenende mehr Fahrgäste in den Bussen als an früheren Wochenenden“, so Windeisen in der Woche nach Pfingsten. „Auch haben eine

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