Waiblingen

Abschied vom Hotel Koch in Waiblingen

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Manfred Koch, umrahmt von seiner Frau Margarete (links) und seiner Schwester Rosemarie, vor dem Stolz der Familie. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Aus der Waiblinger Kreiszeitung: OB Ulrich Gauss gratuliert Manfred Koch, Rosemarie Reutter und Margarete Koch sowie Emil Koch und Gattin zur Neueröffnung. © ALEXANDRA PALMIZI

Waiblingen. Ende eines familiär geführten Waiblinger Traditionsbetriebs: Das altehrwürdige Hotel Koch am Bahnhof ist Geschichte. Die Küche bleibt ab sofort kalt, derzeit werden die 52 Hotelzimmer ausgeräumt. Nach all den Jahren ein „komisches Gefühl“, sagen die Betreiber von der Familie Koch-Reutter – aber letztlich sei ihnen nichts anderes übriggeblieben.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet Manfred Koch die Fotogalerie an der Wand. Auf dem Hof haben Manfred Koch und sein Bruder, der sich für den Arztberuf entschied, Fahrradfahren gelernt. Seine Schwester Rosemarie Reutter half schon als junges Mädchen am Buffet mit: „Wir sind hier aufgewachsen.“ Jetzt türmen sich überall die Kisten. Die Federbetten werden der Björn-Steiger-Stiftung vermacht.

Vater Emil galt als der „Maultaschenkönig“

Für Liebhaber gutbürgerlicher Küche wird es zunehmend schwer in Waiblingen. Anderthalb Jahre nach dem Staufer-Kastell hat mit dem Hotel Koch nun ein weiteres Restaurant geschlossen, das für handgeschabte Spätzle und hausgemachte Maultaschen stand. Diese bereitete Manfred Koch seit 1978 stets nach dem bewährten Rezept seines Vaters Emil zu, der die Gaststätte am Bahnhof 1959 übernahm und zum „Maultaschenkönig“ aufstieg. Sie standen sogar so symbolhaft für das Lokal, dass dem schwäbischen Nationalgericht der schönste und modernste Raum gewidmet wurde. Zu den Hits gehörten außerdem Cordon bleu mit Schwarzwälder Schinken, das Schwabentöpfle mit Geschnetzeltem und der Klassiker bei Konfirmationen und anderen Familienfesten: gemischter Braten.

In den Achtzigern eins der führenden Hotels in der Umgebung

Auf die gutbürgerliche Tradition sind die Geschwister Rosemarie Reutter (59) und Manfred Koch (64) sowie Margarete Koch (64) stolz. Sie hatten immer ihre Stammgäste und Fans. Das „Koch“ war als Hotel wie als Restaurant eine Waiblinger Institution und galt in den Achtzigern nach großer Sanierung und Ausbau auf mehr als 50 Betten als eins der führenden Häuser in der Umgebung. Im Restaurant mit insgesamt 130 Sitzplätzen saßen Chöre und Musiker nach den Proben noch beisammen, Jahrgänge trafen sich zum gemütlichen Beisammensein am Mittagstisch oder zum Kaffee, Wohnungseigentümer zur jährlichen Versammlung. Clubs und Stammtische wetteiferten an den Kegelbahnen. Alles das ist mit den Jahren weniger geworden. Die Leute eilen nach den Proben schneller nach Hause als früher, und die Jungen gehen gerne zum Griechen oder Italiener. Dennoch: Das „Koch“ lief bis zuletzt gut - und es hatte Persönlichkeit.

Abriss und Neubau eines neuen Hotels

Es handelt sich um eine „freie Entscheidung“, sagt Manfred Koch, und sie hat vor allem mit seiner Gesundheit zu tun: Sein Rücken macht nicht mehr mit. Dazu sind Gebäude und Einrichtung in die Jahre gekommen. Die Zimmer sind sauber, aber das Design entspricht nicht mehr dem aktuellen Geschmack und Anspruch, der zum Beispiel ebenerdige Duschen verlangt. Nach mehr als 30 Jahren wäre eigentlich die nächste Sanierung fällig, altershalber jedoch entschied sich die Familie dagegen. „Wären wir zehn oder 15 Jahre jünger, hätten wir noch einmal Geld in die Hand genommen“, meint Manfred Koch. Doch innerhalb der Familie fand sich keine Nachfolge. Die insgesamt fünf Kinder von Margarete und Manfred Koch sowie von Rosemarie Reutter haben entweder andere Berufe ergriffen oder in andere Betriebe eingeheiratet.

Schweren Herzens entschied sich die Familie also für den Verkauf. Die Waiblinger Alpenland-Grundstücksgesellschaft von Harald Panzer und Andreas Bayer wird die Gebäude abreißen lassen und plant einen Neubau mit mindestens 70 Betten. Der Neubau des Hotels bei der Volksbank habe den Entschluss durchaus erleichtert, räumen die Noch-Besitzer angesichts der erhöhten Konkurrenz ein.

Alle Angestellte haben neue Jobs

Von Montag bis Donnerstag waren die Zimmer zwar meist gut belegt. Geschäftsreisende aus China und Japan blieben oft sogar für mehrere Wochen, um sich bei ihren deutschen Partnern fortzubilden. Internationale Führungskräfte von Stihl, die für einige Tage zum Stammsitz kamen, stiegen über Jahre immer wieder im Koch ab. „Einige dieser Stammgäste wurden sozusagen gleichzeitig mit uns verrentet“, erzählen die Geschwister und die Schwägerin schmunzelnd. Zufrieden können sie berichten, dass alle Angestellten neue Jobs gefunden haben. Langjährige Arbeitsverhältnisse sprechen für ein gutes Klima. Das Koch war immer Ausbildungsbetrieb, Dutzende junge Menschen haben hier Koch oder Hotelfachkraft gelernt. Und viele Gäste haben hier unvergessliche Momente erlebt. „Ihnen möchten wir herzlich danken“, sagt die Familie.


Waiblingen. Ende eines familiär geführten Waiblinger Traditionsbetriebs: Das altehrwürdige Hotel Koch am Bahnhof ist Geschichte. Die Küche bleibt ab sofort kalt, derzeit werden die 52 Hotelzimmer ausgeräumt. Nach all den Jahren ein „komisches Gefühl“, sagen die Betreiber von der Familie Koch-Reutter – aber letztlich sei ihnen nichts anderes übriggeblieben.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet Manfred Koch die Fotogalerie an der Wand. Auf dem Hof

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