Waiblingen

Airbnb: Ein Geschäftsmodell ohne Regeln

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Über 100 Angebote gibt es mittlerweile bei Airbnb aus dem Rems-Murr-Kreis. © Ramona Adolf

Waiblingen. Airbnb stellt mit seinen Angeboten für den Mietmarkt und die Hotellerie eine immer ernster zu nehmende Konkurrenz dar. Auch im Rems-Murr-Kreis gibt es mittlerweile über 100 Anbieter. Wohnungen werden zum Teil gewerbsmäßig angeboten – und das ohne Kontrolle. Die Politik habe noch nicht reagiert, obwohl professionelle Angebote den Markt überschwemmen würden, bemängeln Gastronomen in Baden-Württemberg.

Was der Verband für Hotellerie und Gastronomie (Dehoga) wolle, sei Gleichberechtigung für Hotels und professionelle Airbnb-Angebote, fordert eine Dehoga-Sprecherin. Wer sich durch das Angebot der Plattformen klickt, versteht, was Petra Thollembeek anspricht. Zwischen liebevoll eingerichteten Gästezimmern, bei denen wie bei einer Waiblinger Unterkunft vor Kinderspielzeug auf dem Boden der Wohnung gewarnt wird, tummeln sich massenhaft Angebote, die auf den ersten Blick wirken wie Hotelzimmer. Kein leerstehendes Zimmer in einer Privatwohnung, sondern Appartements, die nur zum Zwecke der Weitervermietung genutzt werden. – Mit der Professionalisierung der Angebote tritt der Gedanke des Teilens in den Hintergrund. Michael, der Mann mit dem Spielzeug auf dem Boden, hat eine zweigeteilte Motivation. Das Gästezimmer der Wohnung, die er mit seiner Frau und der zweijährigen Tochter bewohnt, habe er vor Airbnb auch schon über Couchsurfing angeboten - ein Ansatz, kostenlos zu teilen. „Darauf hat sich aber keiner gemeldet. Erst als ich bei Airbnb inseriert habe, hatte ich die ersten Übernachtungsgäste.“ Das zusätzliche Geld nimmt er gerne als Zuschuss. Den Preis hält er niedrig, er wolle so fair und günstig wie möglich bleiben.

Blick auf die Daten enthüllt knallharte Geschäftsmethoden

Um den Überblick über Buchungen und Einkünfte zu halten, nutzt er die Airbnb-App auf seinem Smartphone. Ein Blick auf die Daten enthüllt knallharte Geschäftsmethoden. Statistiken zeigen, wie hoch die Einnahmen sind und wie viele Vermietungen es pro Monat gab. Auch die Buchungen pro Klick werden angezeigt. Das macht es für private Nutzer einfach, das Portal zu nutzen, hilft aber auch anderen, mit hotelähnlichen Angeboten hohe Profite aus dem Vermiet-Modell zu schlagen.

Solche gewerbsmäßigen Angebote machen der Hotellerie zu schaffen: „Die Beherbergungsbetriebe müssen viele Auflagen erfüllen. Wenn über diese Internetseiten ähnliche Leistungen angeboten werden, dann sollten diese auch den gleichen Bedingungen unterliegen.“ Man wolle den Touristen natürlich nicht vorschreiben, wie sie zu reisen hätten, und habe auch nichts gegen Privatpersonen, die ab und zu ihr freies Zimmerchen unter dem Dach vermieten. Für solche Fälle sollte es nach der Ansicht von Dehoga eine Bagatellgrenze geben.

Derzeit keine Kontrolle für die Angebote auf Airbnb

Der Dehoga Baden-Württemberg vertritt die Ansicht, dass es sozialromantisch sei, daran zu glauben, dass es den meisten Anbietern nicht um den reinen Profit geht. „Man kann ja über die Profile sehen, wie viele Wohnungen Personen anbieten. Wenn das mehrere gesamte Wohnungen sind, kann man sich den Rest denken.“

Derzeit gibt es keine Kontrolle für Angebote auf Airbnb, nicht nur im Bezug auf Sicherheitsaspekte, sondern was Steuern und gewerbliche Nutzung angehe. „Die Politik muss reagieren und die Plattformen mit in die Gesetzgebung aufnehmen“, fordert Dehoga deswegen.

In Berlin wird bereits gegen die Zweckentfremdung vorgegangen

Weil die Zweckentfremdung von Wohnungen in einigen Städten überhandnimmt, geht man in Berlin und Barcelona bereits dagegen vor. In der spanischen Stadt sind Steuerfahnder auf gewerbliche Anbieter angesetzt. In unserer Hauptstadt gibt es seit 2013 ein Verbot für die gewerbliche Nutzung von privatem Wohnraum. Auch Bayern hat ein entsprechendes Gesetz erlassen. Im Freistaat drohen bei Zuwiderhandlung Strafen von bis zu 500 000 Euro. Und nicht nur der Gesetzgeber hat etwas einzuwenden: Auch Vermieter verbieten häufig, dass Wohnungen mittels Sharing-Portalen angeboten werden. Mietern kann fristlos gekündigt werden, wenn diese ihre Wohnung gegen den Willen des Vermieters an Touristen vermieten. Der Bundesgerichtshof legte in einem Urteil fest, dass das Vermieten der Wohnung über diese Plattformen rechtlich keine Untervermietung sei. In jedem Fall sollte ein solches Vorhaben unbedingt mit dem Vermieter abgesprochen werden. Wenn die Erlaubnis erteilt ist, kann man problemlos Gastgeber werden.

"Es ist wirklich schade, wenn es zum Geschäft wird"

Die Verbote haben einen wichtigen Hintergrund: Viele Städte stecken durch Plattformen wie Airbnb und Wimdu in einem Dilemma: Touristen verdrängen die Einwohner, die Mietpreise steigen, das führt zu mehr Vermietungen an Touristen. Michael aus Waiblingen ist sich mit den anderen privaten Airbnb-Gastgebern einig: „Es ist wirklich schade, wenn es zum Geschäft wird.“ Wer sich auch mehr für den Geist des Teilens und eine echte Alternative zu unpersönlichen Hotels begeistern kann, muss genau hinschauen. Oft zeigt sich schon bei der Beschreibung, woran man bei den Unterkünften auf Airbnb und Co. ist.