Waiblingen

Akute Sorgen bei Waiblinger Landwirten: "Katastrophe" bei der Mais-Ernte wegen Dürre erwartet

escher
Landwirt Volker Escher in Waiblingen-Hegnach: Beim Mais erwartet er eine Missernte.

Auch wenn es am Freitag mal ein paar Tropfen geregnet hat: Die Trockenheit in diesem Jahr zeigt sich an vielen Stellen. Etwa bei Landwirten, die kürzlich Getreide und Raps geerntet haben. Von „teils erheblichen Ertragseinbußen“ berichtete am Donnerstag der Bauernverband, vor allem für den Norden Baden-Württembergs. Zwei Waiblinger Landwirte - einer davon mit Bio-Hof - sind trotzdem ganz zufrieden. Sie wissen: Es könnte noch wesentlich schlimmer kommen. Beim Mais erwarte einer trotzdem eine „Katastrophe“.

„Entscheidend für das Ernteergebnis waren in diesem Jahr Zeitpunkt und Umfang der Niederschläge sowie die Bodenqualität“, so Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes, am Donnerstag vor der jährlichen Ernte-Pressekonferenz in einer Mitteilung. Zwar seien die Getreide- und Rapserträge im Vergleich zum langjährigen Mittel leicht überdurchschnittlich ausgefallen. Zwischen den Regionen zeigten sich demnach aber große Unterschiede: gute Ernten südlich von Stuttgart, in Nordwürttemberg und Nordbaden hingegen deutlich weniger.

Volker Escher: "Nicht so schlimm, wie man befürchten konnte"

Und in Waiblingen? Von einer durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Ernte beim Getreide berichtet Volker Escher. Im Juli hat der Bauer aus Hegnach, der auch im Gemeinderat sitzt (Freie Wähler), geerntet. Der Ertrag sei „nicht so schlimm, wie man es befürchten konnte“, sagt er. Er hat von Berufskollegen gehört, die es in diesem Sommer hart getroffen hat. Etwa nördlich von Heilbronn sei die Bilanz deutlich schlechter.

In der Region um Waiblingen hätten alle Pflanzenkulturen, die schon früh im Jahr „Ertrag ansetzen“, etwa Winterraps und Wintergerste, gut oder überdurchschnittlich geliefert, sagt Volker Escher. Denn für sie gab es noch ausreichend Wasser.

„Große Missernte“ beim Mais

Alle Kulturen, die später ansetzen, vor allem der Körnermais, seien hingegen problematisch, weil ihnen Wasser fehlte. „Da ist es eine sehr große Missernte“, so Escher. Auch bei Zuckerrüben oder Sonnenblumen, die ebenfalls später im Jahr geerntet werden, sei das zu erwarten. Escher selbst hat in Hegnach die Mais- und Sonnenblumenernte auch noch vor sich.

In den Feldern sehe er große Unterschiede zwischen Pflanzen, die gut gewachsen sind, und anderen - wenigen Metern weiter -, die sich nicht gut entwickelt haben. Das tue natürlich weh, denn: „Wir haben extrem hohe Betriebskosten“, so der Landwirt. Für Dünger habe er das Fünffache im Vergleich zum Vorjahr zahlen müssen. Auch Diesel und anderes, was die Bauern brauchen, ist teurer. „Man merkt’s“, sagt Escher.

Er kann das aber wegstecken, da er zehn verschiedene Kulturen anbaut. „Ich stehe auf zehn Füßen. Wenn es zwei Füße weghaut, wo es eine Katastrophe ist wie beim Körnermais dieses Jahr, bleibe ich trotzdem stehen. Man muss sich breit aufstellen.“

Hat er schon überlegt, manche Kulturen wegzulassen oder weniger anzubauen, etwa den Mais? Nein, sagt der Hegnacher. „Der Mais ist eigentlich die Pflanze, die mit der Hitze am ehesten klarkommt.“ Aber natürlich brauche auch Mais in der Phase der Ertragsbildung viel Wasser. Wenn es dann nicht regnet, sei das für jede Pflanze schlecht.

Insgesamt findet Volker Escher: „Ich darf dieses Jahr trotzdem zufrieden sein, in anderen Regionen Deutschlands sieht es viel schlechter aus.“

Bio-Bauer Andreas Lechner: Durchschnittliche Ernte

So ähnlich ist es auch bei Andreas Lechner, Öko-Landwirt aus Beinstein. „Wir haben geerntet und wir sind zufrieden - insofern, dass wir sehen, dass es noch viel schlechter sein kann bei anderen.“ Geerntet hat Lechner Weizen, Roggen, Dinkel und Hafer. „Von der Ernte her sind wir durchschnittlich“, sagt das Bioland-Mitglied. Die Körner seien teils kleiner als sonst, „aber im Großen und Ganzen“ sei er zufrieden. Im Februar und März hatte er noch Sorgen, da es in diesen üblicherweise feuchten Monaten sehr trocken geblieben war. „Im April kam dann reichlich Regen, das tat sehr gut.“ Damit das Getreide im Frühjahr „richtig in Gang kommt“, brauche es milde Temperaturen und eben Feuchtigkeit.

Öko-Landwirt setzt auf widerstandsfähige Sorten

Eine Prognose für die nächsten Jahre wagt Andreas Lechner aber nicht. Was die Trockenheit angeht, seien die Aussichten schlecht. Der Klimawandel beschert immer häufigere Wetterextreme. „Man muss von Jahr zu Jahr gucken“, meint der Beinsteiner.

Bedenken hat er aktuell wegen der Winteraussaat, für die er momentan die Äcker vorbereitet. Weizen, Roggen und Dinkel will er aussäen, um sie im nächsten Sommer zusammen mit den im Frühjahr ausgebrachten Saaten ernten zu können. Aber: Das Ausfallgetreide, also die beim Dreschen verloren gegangenen Körner, kommt nicht. Das müsste eigentlich passieren, bevor er die Felder neu bestellt. Dann würde er diese Restpflanzen mechanisch beseitigen - mit künstlichen Herbiziden gespritzt wird auf dem Bio-Hof nicht. Weil sie aber noch nicht da sind, steigt das Risiko, dass er sie im kommenden Sommer in seiner Ernte wiederfindet, dass er also zum Beispiel auf einem Roggen- oder Dinkelfeld auch unerwünschten Weizen erntet.

Dass er als Öko-Landwirt generell weniger einfährt als seine konventionellen Kollegen, ist Lechner gewöhnt. Vielleicht etwas mehr als die Hälfte sei es in der Regel. Dafür kann er sein Getreide zu einem höheren Preis verkaufen.

Der geringere Ertrag liege unter anderem an mehr Unkraut - das aber wichtig für Insekten und andere Tiere ist - oder auch daran, dass die Bio-Bauern Sorten verwenden, „die nicht so auf die Leistung getrimmt sind“. Diese kämen dafür mit der Trockenheit besser klar, sagt Lechner.

Zudem setzt der Beinsteiner neben seinem christlichen Glauben, den er ausdrücklich betont, auch auf die Mischung von Sorten auf einem Acker: zum Beispiel beim Weizen fifty-fifty. Eine Sorte käme dann besser mit wenig Wasser aus, die andere bringe bessere Qualität beziehungsweise mehr Ertrag. So könne er ganz gut ausgleichen.

Auch wenn es am Freitag mal ein paar Tropfen geregnet hat: Die Trockenheit in diesem Jahr zeigt sich an vielen Stellen. Etwa bei Landwirten, die kürzlich Getreide und Raps geerntet haben. Von „teils erheblichen Ertragseinbußen“ berichtete am Donnerstag der Bauernverband, vor allem für den Norden Baden-Württembergs. Zwei Waiblinger Landwirte - einer davon mit Bio-Hof - sind trotzdem ganz zufrieden. Sie wissen: Es könnte noch wesentlich schlimmer kommen. Beim Mais erwarte einer trotzdem eine

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