Waiblingen

Alba-Großbrand: Deshalb löste die Feuerwehr Waiblingen Nina-Alarm aus

Feuerwehreinsatz
Florian Götz, Nick Bley und Tobias Fuchs (von links) im Einsatzleitwagen, ein fahrendes Büro vollgepackt mit Technik, von wo aus Einsätze geleitet und Behörden kontaktiert werden. Die Hauptamtlichen testen sich täglich auf eine mögliche Corona-Infektion. © Alexandra Palmizi

Welche Gefahr geht bei einem Brand wie bei Papierentsorger Alba für die Bevölkerung aus? Wer arbeitet bei solch einem Einsatz mit der Feuerwehr zusammen – darüber gibt Feuerwehrsprecher Nick Bley im Gespräch mit der Lokalredaktion Waiblingen Einblicke in die Arbeit. „Das ist eine riesige Maschinerie“, betont er.

Zum Brand am Mittwoch (30. März) mit einem Millionenschaden wurde zunächst die Abteilung Waiblingen alarmiert. „Man ging von einem Gebäudebrand aus“, erinnert sich Nick Bley. Rund 50 Feuerwehrleute rückten aus. Bald schon war klar, dass aufgrund der brennenden Papiermassen Unmengen an Löschwasser benötigt werden, weshalb Kommandant und Einsatzleiter Jochen Wolf die Abteilung Neustadt rief, die über einen Wechsellader (Lkw mit Kran) mit Abrollbehälter für die 1,5 Kilometer lange Schlauchleitung verfügt, mit Hilfe welcher Löschwasser aus der Rems gezogen wurde. Jede Abteilung habe neben der Brandbekämpfung eine Spezialaufgabe, so Bley. Die Abteilung kenne sich aus, was die Berechnung der Steigung zwischen Rems und Alba betrifft und weiß, wie viele Pumpen dazwischen geschaltet werden müssen. Damit keine Fische oder Dreck in den Schlauch gelangen, sind dort entsprechende Siebe und Gitter vorhanden. Gleichzeitig musste die Waiblinger Kläranlage informiert werden, da große Mengen an Löschwasser mit dem Abwasser in den Waldmühleweg geleitet wurden, so Bley. Dies wurde vorab auf eine mögliche Kontaminierung geprüft, wobei auch das Landratsamt als Untere Wasserbehörde eingeschaltet war.

Letztendlich habe man von der Erfahrung des vergangenen Alba-Großbrands 2018 profitiert, etwa dass es eine Sperrung der Schorndorfer Straße braucht, weil Schläuche nicht überfahren werden dürfen.

Die Abteilung Hegnach dokumentierte den Einsatz und verfügt über Pläne von Hydranten. Die Abteilung Bittenfeld habe einen Atemschutzsammelplatz organisiert. Zusätzliche Ausrüstungen lieferte die Fellbacher Wehr. Ein Einsatz, der generell nicht ungefährlich ist. Immer wieder hielt die Feuerwehr Rücksprache mit einem Statiker, der sie über den Zustand der Halle informierte und darüber, wann welche Teile betreten werden dürfen. Lange Zeit konnte die Feuerwehr deshalb nur von außen löschen. Für Atemschutzkräfte, die an vorderster Front die Flammen löschten, stand ein Rettungsdienst sowie ein Notarzt bereit, falls es zu einem Zwischenfall kommt.

DRK-Sanitäter versorgen Einsatzkräfte 

23 Stunden waren bis zu 140 Feuerwehrleute, darunter alle Waiblinger Abteilungen, bei Alba im Einsatz. „Sie alle müssen versorgt werden“, betont Nick Bley. Dafür war der Sanitätsdienst aus Waiblingen, Plüderhausen, Urbach und Fellbach vor Ort. Sie haben für Getränke gesorgt sowie für eine Mahlzeit. Dafür konnten die Helfer die Kantine von Alba nutzen mit allem, was dazugehört: Herd, Spülmaschine oder Strom.

Sobald der Brand einigermaßen eingedämmt war, rückte der Rettungsdienst ab und der Sanitätsdienst übernahm die medizinische Versorgung. „Wichtig ist, dass Einsatzkräfte nicht unnötig lange gebunden werden und womöglich an anderer Stelle fehlen“, betont Nick Bley.

Das gelte im Übrigen auch für die Feuerwehr und die drei eingesetzten Drehleitern - neben Waiblingen aus Fellbach und Weinstadt. Da alle Abteilungen im Eisental gebunden waren, war der Grundschutz für die Stadt nicht mehr sichergestellt, weshalb 18 Feuerwehrleute aus Korb und Hohenacker am Feuerwehrhaus in der Winnender Straße positioniert waren, damit die Hilfsfrist von zehn Minuten eingehalten werden konnte. Die Korber Wehr wurde sodann zu einer Brandnachschau gerufen.

Feuerwehr Backnang auf der Suche nach Schadstoffen

Während des gesamten Einsatzes war die Feuerwehr Backnang vor Ort, die das Gelände von Alba sowie die komplette Umgebung nach möglichen Schadstoffen untersucht habe. Hierzu arbeiteten sie mit einem Fachberater für Chemie und Laboruntersuchung zusammen. Obwohl die Werte durchweg unbedenklich gewesen seien, gab die Feuerwehr vorsorglich eine Warnung aufgrund der Rauchentwicklung über die Nina-App heraus. Hierbei gebe es eine deutliche Verbesserung zum Einsatz von 2018, als der gesamte Rems-Murr-Kreis sowie Stuttgart gewarnt werden mussten. Nun könne man bei Nina den Ort gezielt eingrenzen und die Leute damit gezielt warnen, so Bley. Übrigens müsse hierfür der Oberbürgermeister grünes Licht geben, in diesem Fall Erster Bürgermeister Ian Schölzel als Vertreter und Stadtoberhaupt.

„So ein Einsatz läuft nur dann so gut ab, wenn alle Bereiche miteinander harmonieren und kurze Dienstwege möglich sind. Das war beim zweiten Alba-Großbrand wieder echt super“, resümiert Nick Bley.

Abgehakt ist für die Feuerwehr der Einsatz noch nicht. Einsatzkleidung muss gewaschen, Schläuche und Masken müssen gereinigt und geprüft werden. Damit ist die Wehr noch die kommenden Tage beschäftigt.

Welche Gefahr geht bei einem Brand wie bei Papierentsorger Alba für die Bevölkerung aus? Wer arbeitet bei solch einem Einsatz mit der Feuerwehr zusammen – darüber gibt Feuerwehrsprecher Nick Bley im Gespräch mit der Lokalredaktion Waiblingen Einblicke in die Arbeit. „Das ist eine riesige Maschinerie“, betont er.

Zum Brand am Mittwoch (30. März) mit einem Millionenschaden wurde zunächst die Abteilung Waiblingen alarmiert. „Man ging von einem Gebäudebrand aus“, erinnert sich Nick Bley.

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