Waiblingen

Alfonso Fazio vs Iris Förster: Schuldzuweisungen bei den Waiblinger Grünen - und Gerüchte um Julia Papadopoulos' OB-Kandidatur

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Alfonso Fazio macht Wahlkampf auf eigene Faust. © Benjamin Büttner

Der Knall kam kurz vor der Landtagswahl: Mit dem Wechsel von Iris Förster und Julia Papadopoulos ist die „Agtif“-Fraktion im Waiblinger Gemeinderat zerbrochen. Seither schieben sich die Konfliktparteien aus dem grün-alternativen Lager gegenseitig die Schuld zu. Doch die Augen richten sich außer auf die Landtagswahl auch auf die Oberbürgermeister-Wahl in Backnang am Sonntag, 14. März, wo Julia Papadopoulos antritt.

Kampf um die Nachfolge von Frank Nopper

Acht Kandidaten bewerben sich in Backnang um die Nachfolge von Frank Nopper, der zum Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt wurde. Unter den Kandidaten: Maximilian Friedrich, Bürgermeister in Berglen, Stefan Neumann, Bürgermeister in Künzelsau – und Julia Papadopoulos, Stadträtin in Waiblingen, eine von zwei Landesvorsitzenden der Tierschutzpartei. Vom Backnanger Stadtrat Volker Dyken von der Piratenpartei wurde sie auf eine mögliche Kandidatur angesprochen. Dyken war 2018 selbst gegen Nopper angetreten. Entgegen anderslautenden Gerüchten versichert die 36-Jährige aus Hohenacker, nicht auch noch bei der OB-Wahl in Waiblingen im Herbst kandidieren zu wollen. „Das werde ich auf gar keinen Fall tun – egal, wie die Wahl in Backnang ausgeht.“ Eine Dauerkandidatin möchte sie nicht werden.

Klimaschutz und Radverkehr

Zwar gebe es starke Konkurrenz durch die Kandidaten mit Verwaltungserfahrung, jedoch rechne sie sich als Außenseiterin durchaus Chancen auf einen Sieg aus, sagt Julia Papadopoulos. Einblick in die Verwaltungsarbeit habe sie im Gemeinderat Waiblingen gewonnen, dem sie seit 2019 angehört. Derzeit ist sie Doktorandin in einem internationalen Wirtschaftsstudiengang an der Universität Danzig. In Backnang will sie Politik für besseren Klimaschutz machen, den öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr stärken.

Von der „Agtif“-Fraktion scheide sie nicht im Streit. Doch das Klima habe sich insbesondere durch den Streit zwischen Alfonso Fazio und Iris Förster spürbar verschlechtert. Mit der „Grünt“-Gruppe (Grüne, Natur- und Tierfreunde) habe sie schon nach der Kommunalwahl Gespräche über eine gemeinsame Arbeit geführt. Tatsache sei jedenfalls, dass ihr für den Wechsel nichts „angeboten“ worden sei.

Stimmen "für die Tonne"?

Zum Bruch der Agtif-Fraktion aus Grünen, Alternativer Liste und Tierschutzpartei führte der Streit um die Landtagskandidatur von Swantje Sperling aus Leutenbach und die Einzelkandidatur von Alfonso Fazio. Das kommunalpolitische Urgestein der Alternativen Liste beklagte in diesem Zusammenhang „Parteienfilz“ und eine „feindliche Übernahme“ des Wahlkreises, worauf er mit seinem Alleingang reagierte. Diesen hält Iris Förster für nicht akzeptabel und tat ihre Meinung in den sozialen Medien kund, Stimmen für Einzelbewerber und kleine Parteien seien „für die Tonne“. Das wiederum sorgt für Empörung bei der Alternativen Liste: „Diese Formulierung entspricht nicht unserem demokratischen Grundverständnis“, schreiben Christina Schwarz, Melissa Nollert und Gernot Koch. Noch dazu sei der Eintrag auf einem Account erfolgt, der ursprünglich der Alternativen Liste gehört habe. Inzwischen sind die betreffenden Einträge gelöscht. Iris Förster räumt auf Anfrage ein, die Formulierung sei „flapsig“ gewesen. Sie habe sich dafür entschuldigt. Allerdings habe sie auch den Eindruck, dass die Wortwahl bewusst skandalisiert werde.

Wie es zu "Grünt" kam

Dies alles war aber nur der Auslöser, der Streit zwischen Iris Förster und Alfonso Fazio hat eine Vorgeschichte, bei der es unter anderem um den Fraktionsvorsitz geht: Nach der Kommunalwahl 2019 hätte Iris Förster ihn gerne übernommen. „Putschversuch“ oder legitime Bewerbung um einen Wechsel? Bei einem Schlichtungsgespräch wurde vereinbart, dass der Wechsel nach zwei Jahren erfolgen sollte – das wäre in diesem Jahr gewesen. Doch Iris Förster nahm, nachdem sie eine Nacht darüber geschlafen hatte, wieder Abstand davon.

Zur Vorgeschichte gehört auch, wie es überhaupt zur „Grünt“-Gruppe“ kam: Vor der Gemeinderatswahl 2014 kam es zum Streit bei den Grünen über die Frage, ob man mit der Alternativen Liste oder eben als Grüne antreten wolle. Vorsitzender des Ortsverbands war damals Werner Winkler, der bundesweit kurzzeitige Prominenz erlangte, weil er durch seine Kandidatur eine Urwahl für den Bundesvorstand erzwang. Durch offenkundig nicht ganz zufällige Neueintritte in den Ortsverein konnten sich die ALi-Befürworter um Alfonso Fazio durchsetzen.

Der Knall kam kurz vor der Landtagswahl: Mit dem Wechsel von Iris Förster und Julia Papadopoulos ist die „Agtif“-Fraktion im Waiblinger Gemeinderat zerbrochen. Seither schieben sich die Konfliktparteien aus dem grün-alternativen Lager gegenseitig die Schuld zu. Doch die Augen richten sich außer auf die Landtagswahl auch auf die Oberbürgermeister-Wahl in Backnang am Sonntag, 14. März, wo Julia Papadopoulos antritt.

Kampf um die Nachfolge von Frank Nopper

Acht Kandidaten

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