Waiblingen

Altes Rathaus soll Restaurant bleiben

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Neben dem „Bachofer“ (links) mit gehobener Küche soll im Alten Rathaus wieder ein gutbürgerliches Lokal eröffnen. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Nach 17 Jahren haben die elsässischen Pächter des Restaurants im Alten Rathaus, Bertrand und Marie-Laure Lentz, das Remstal verlassen. Und nun? Gutbürgerliche Gastronomie wünschen sich viele Waiblinger mehr denn je. Bevor aber ein Nachfolger den Kochlöffel schwingen kann, wird das denkmalgeschützte Haus saniert.

Die Trennung zum 1. November verlief einvernehmlich und ist vollständig abgeschlossen, ließ Stadtkämmerer Rainer Hähnle im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Soziales des Gemeinderats knapp wissen. Ein offenes Geheimnis, dass die Zusammenarbeit oft nicht einfach war.

Kulinarisch stand das Geschwisterpaar vor allem für die heimische elsässische Küche, bot aber auch Schwäbisches. Beliebt waren die Miesmuschel-Abende, eher eine Seltenheit hierzulande waren – und sind es jetzt erst recht – jenseits des Rheins verbreitete Spezialitäten wie Baeckeoffe oder Schneckenrahmsuppe.

2018 wird im Alten Rathaus gar nichts serviert

2018 werden im Alten Rathaus gewiss weder Flammkuchen noch Rostbraten serviert. Denn bevor ein möglicher Nachfolger das Restaurant im Herzen der Stadt übernehmen kann, steht eine aufwendige Sanierung an, die nicht zuletzt wegen der gebotenen Rücksicht auf den Denkmalstatus des Gebäudes knifflig und kostspielig werden könnte. Im städtischen Haushalt für das Jahr 2018 ist zunächst eine Planungsrate in Höhe von 40 000 Euro eingestellt.

Eine grundlegende Sanierung steht an

So mancher Gast wird die elsässische Küche vermissen – für die Stadt bietet der Weggang der Betreiber die Chance eines Neuanfangs im einzigartigen Gebäude. „Die Familie hatte erschwerte Bedingungen“, räumt Oberbürgermeister Andreas Hesky mit Blick auf das Thema Barrierefreiheit ein.

Der Saal des Restaurants, der mit antiker Stuckdecke und gemütlichem Kachelofen besticht, befindet sich im ersten Stock und ist über eine Treppe zugänglich. Die Küche verteilt sich auf zwei Etagen. Unübertroffen dafür die Lage am Marktplatz und die Architektur, die das Prädikat „Schmuckkästchen“ verdient. Vor drei Jahren wurden die Fenster erneuert.

Nun aber steht eine grundlegende Sanierung an, die sich bisher schwer hätte umsetzen lassen. „Lange Sanierungen bedeuten immer auch lange Schließzeiten – und Verdienstausfälle für die Pächter.“

"Lockere Gespräche" mit einem Interessenten laufen

Trotz der genannten Bedingungen habe sich – sicher auch eine Leistung der Betreiber – der Gastronomie-Standort Altes Rathaus bewährt und soll erhalten bleiben. Ein gutbürgerliches Restaurant, so lautet der vielfach geäußerte Bürgerwunsch. Besonders seit sich die „Eintracht“ in ein Asia-Lokal verwandelte, wurde dies als schmerzhafte Lücke empfunden.

Die Stadt will dem Wunsch nach Möglichkeit nachkommen. Nicht ohne darauf zu verweisen, dass Waiblingen mit Remsstuben und Staufer-Kastell besser aufgestellt sei als manche andere vergleichbare Stadt. „Lockere Gespräche“ mit einem Interessenten laufen bereits. Konkretisiert sich die Nachfolge, soll der potenzielle neue Pächter in die Planung der Sanierung eingebunden werden.


Dem Abriss entgangen

Auskunft über die Vergangenheit des Gebäudes gibt das Geschichtsportal des Heimatvereins: Das Alte Rathaus wurde um 1730 auf den Säulen des beim Stadtbrand 1634 zerstörten Vorgängerbaus wiederaufgebaut. Dieser wurde erstmals 1476 erwähnt. Bis 1875 diente das Gebäude als Rathaus, beim Saal des Restaurants handelt es sich um den Ratssaal. Später waren im Haus die Knabenschule (1877 bis 1902) und die Gewerbeschule (1909 bis 1956) untergebracht.

1929 war das Alte Rathaus das erste Gebäude in Waiblingen, an dem das Fachwerk freigelegt wurde. Bei einer gründlichen Renovierung in den Siebzigern sind die späteren Einbauten im Erdgeschoß entfernt und die ehemalige Schranne (Markthalle) sowie der alte Aufgang wieder hergestellt worden. Seitdem dient das Gebäude als Gaststätte.

Die Arkaden unter dem Rathaus sind heute ein beliebter und überdachter Standort bei Märkten und beim Altstadtfest sowie Heimstätte des Kasperletheaters beim Weihnachtsmarkt.

Als das Haus 1870 nicht mehr den Ansprüchen genügte, gab es Pläne, es abzureißen und einen Neubau zu errichten. Weil dies das Erscheinungsbild des Marktplatzes wohl grundlegend verändert hätte, nahm man davon Abstand.