Waiblingen

Altes Rathaus Waiblingen: Sanierung ohne Wiederbelebung des Restaurants?

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Wegen Corona hat sich die geplante Sanierung des Alten Rathauses von Waiblingen verschoben. Nun packt die Stadt das Thema wieder an – und das Architekturbüro Fasshauer aus Ebersbach erstellt einen Entwurf. © ZVW/Gaby Schneider

Eigentlich wollte die Stadt schon Ende 2020 den Bauantrag zur Sanierung des Alten Rathauses von Waiblingen einreichen. Dann hätte im zweiten Quartal 2022 alles fertig sein können, inklusive erweitertem Gastronomiebereich und frisch eingebautem Aufzug. Die Stadt hätte vielleicht schon einen neuen Pächter gefunden, nachdem das Restaurant seit dem Spätherbst 2017 leersteht. Doch dann kam 2020 Corona – und wegen der dadurch unklaren Finanzlage fürs Jahr 2021 wurde das Sanierungsprojekt erst mal geschoben.

Baubürgermeister Dieter Schienmann: Die Substanz des Alten Rathauses muss gesichert werden

Zwar ging es der Stadt dieses Jahr letztlich weniger schlecht als gedacht, aber das war im Jahr davor natürlich nicht absehbar. So kam nun das Thema in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Planung, Technik und Umwelt (PTU) mit eineinhalb Jahren Verzögerung erneut auf die Agenda. Nun gibt es indes Stimmen unter den Stadträten, die es nicht mehr als zwingend nötig ansehen, dass ins Alte Rathaus wieder eine Gastronomie kommt. Baubürgermeister Dieter Schienmann machte klar, dass grundsätzlich eine Substanzsicherung nötig ist, damit das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude keinen Schaden nimmt. Auch soll in den Brandschutz investiert werden.

Einen Entwurf mit Kostenberechnung sollen nun das Architekturbüro Fasshauer und die nötigen Fachingenieure im Jahr 2022 vorlegen. Im PTU-Ausschuss votierten die anwesenden Mitglieder geschlossen dafür.

Umbau und die Sanierung sollen grob geschätzt 3,1 Millionen Euro kosten

Das Alte Rathaus wurde einst um 1730 wiederaufgebaut, nachdem es beim Stadtbrand von 1634 den Flammen zum Opfer fiel. Die groben Kosten für die Sanierung und den Umbau des jahrhundertealten Gebäudes werden Stand heute mit 3,1 Millionen Euro beziffert. Dazu kommen noch Arbeiten an Dach und Fassade mit einem Volumen von mindestens 400.000 Euro. Was beim Brandschutz auf die Stadt zukommt, ist bislang noch offen. Die Honorarkosten für die Architekten und Fachingenieure liegen bei rund 200.000 Euro. Ein Puffer für Unvorhergesehenes ist in der bisherigen Schätzung nicht enthalten.

Altes Rathaus soll einen Aufzug und eine moderne Gebäudetechnik erhalten

Vorgesehen ist nach wie vor, dass die Stadt wieder einen Pächter für das leerstehende Lokal im ersten Stock sucht. 2017 zogen die elsässischen Pächter Bertrand und Marie-Laure Lentz weg, nachdem sie rund 17 Jahre das Restaurant betrieben hatten – und dort elsässische wie schwäbische Küche anboten. Um es einem neuen Restaurant-Betreiber leichter zu machen, soll der Gastronomiebereich erweitert werden. Die Gebäudetechnik für Heizung, Lüftung, Sanitär- und Elektroanlagen soll erneuert werden, ebenso die Küche. Auch der Eingang mit dem Treppenaufgang soll moderner werden. Über einen Aufzug soll das Restaurant endlich auch barrierefrei zugänglich werden. Und das zweite Dachgeschoss soll über eine zusätzliche Innentreppe erschlossen werden. Ein Neuanstrich der Fassade ist ebenfalls geplant.

Gaststätte im Alten Rathaus befand sich im ersten Stock - ohne Chance auf Außenbewirtschaftung

Bei der Bauzeit rechnet die Stadt mit mindestens eineinhalb Jahren. Sobald ein Betreiberkonzept mit potenziellen Pächtern vorliegt, könnte der Bauantrag nach sechs bis neun Monaten eingereicht werden. Dass eine Sanierung unumgänglich ist, stellte im Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt niemand infrage. „Dass wir im Rathaus was tun müssen, ist unzweifelhaft“, betonte Peter Abele, der Vorsitzende der CDU/FW-Fraktion. Allerdings frage er sich, ob das Ziel, dort eine Gastronomie unterzubringen, nicht ein Ziel sei, das die Stadt überfordere. So sei bei der Gaststätte im ersten Stock kein Außenbereich vorhanden – anders als bei anderen Lokalen in der Innenstadt.

Stadtrat Alfonso Fazio (Alternative Liste) zeigte sich daraufhin erfreut darüber, dass andere Fraktionen mit der Zeit fähig seien, ihre Meinung zu ändern. Er habe schon früher die Idee gehabt, im Alten Rathaus die Musikschule unterzubringen. Gastronomen habe man dagegen bereits viele.

Stadtrat Hans-Ingo von Pollern: Altes Rathaus darf nicht verlottern

Urs Abelein (SPD) kann sich im Alten Rathaus immer noch gut ein Restaurant vorstellen. „Zu was anderem fehlt mir noch die Fantasie.“ Der SPD-Stadtrat will sich einer alternativen Nutzung allerdings nicht verschließen. „Es muss nicht zwingend Gastronomie sein“, findet Iris Förster (Grünt/Tierschutzpartei). Auch CDU/FW-Stadtrat Hans-Ingo von Pollern fragte sich, ob eine Zentralisierung aller Restaurants in der Altstadt überhaupt gut ist. Vorstellen könnte er sich, dass als Ergänzung zum Angebot der Galerie Stihl im Alten Rathaus nach der Sanierung lokale Künstler ausstellen können. Schließlich habe die Galerie Stihl mit ihrer Ausrichtung nichts mit lokalen Künstlern zu tun. Priorität hat für Hans-Ingo von Pollern indes die rasche Sanierung des historisch bedeutsamen Gebäudes. „Das darf nicht verlottern.“

Baubürgermeister Dieter Schienmann zeigte sich bezüglich alternativer Nutzungen zur Gastronomie offen. So sicherte er zu, dass in dem Entwurf der Architekten generell geprüft werden kann, was im Alten Rathaus möglich wäre. Am wichtigsten ist auch ihm, dass sich Fachleute endlich einen Überblick über die Gebäudesubstanz verschaffen – von der Decke über der Markthalle bis zum Dachstuhl. 

Eigentlich wollte die Stadt schon Ende 2020 den Bauantrag zur Sanierung des Alten Rathauses von Waiblingen einreichen. Dann hätte im zweiten Quartal 2022 alles fertig sein können, inklusive erweitertem Gastronomiebereich und frisch eingebautem Aufzug. Die Stadt hätte vielleicht schon einen neuen Pächter gefunden, nachdem das Restaurant seit dem Spätherbst 2017 leersteht. Doch dann kam 2020 Corona – und wegen der dadurch unklaren Finanzlage fürs Jahr 2021 wurde das Sanierungsprojekt erst mal

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