Waiblingen

Altpeter steht als SPD-Chefin bereit

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Katrin Altpeter bleibt in der Politik, wird ihr Geld aber wieder als Lehrerin für Pflegeberufe verdienen. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Noch am 14. März hatte sie ein paar Freunde weniger. Die SPD hatte eine bittere Wahlniederlage einstecken müssen, und Sozialministerin Katrin Altpeter war soeben aus dem Landtag gewählt worden. Drei Monate später ist das Ministerbüro geräumt, der Schock hat sich gelegt. Klar ist für Altpeter nach dem Debakel: Die SPD muss sich neu ausrichten. „Für die Wahl des Landesvorsitzenden stehe ich bereit“, sagt sie.

Ortstermin im gemütlichen Haus der Ex-Ministerin in Neustadt. Bunte Bilder aus der Karibik, üppige Zimmerpflanzen, ein großer Garten hinterm Haus: Hier wird nicht nur gewohnt, hier wird gelebt. Gleich darüber wohnt die Schwester mit ihrer Familie: Familie und Freundinnen, die sie seit Jahrzehnten kennt, sind nah. Und das war gut so in den Wochen nach der niederschmetternden Wahlniederlage am 14. März. Diesen Tag wird Katrin Altpeter nie vergessen. Dass es für die SPD eng werden würde, war klar. Dass es die Sozialdemokraten wohl nicht mehr in die Regierung schaffen würden, auch. „Dass ich aber mein Mandat verliere, hatte ich nie gedacht“, sagt sie heute. Drei Monate nach der Wahl kann sie das Ergebnis noch immer nicht ganz verstehen. Von der AfD überholt worden zu sein, das tut immer noch weh.

In der Zwischenzeit hat Katrin Altpeter ihr Ministerbüro in Stuttgart geräumt und ihrem Nachfolger Manfred Lucha übergeben. „Das war schon bitter für mich, als der neue Minister in meinem Büro war“, sagt sie ehrlich. „Das Büro ist jetzt seins.“ Am 12. Mai war Lucha vereidigt worden, am Tag drauf hatte ihm Altpeter zum Einzug ins Amt Brot und Salz geschenkt und sich bei ihren Mitarbeitern offiziell verabschiedet. Dann fuhr sie nach Hause.

Im Januar zurück in den Job als Lehrerin für Pflegeberufe

„Manchmal hat das Leben Überraschungen übrig, das glaubt man nicht“, sagt sie mit leisem Humor. Denn wie es der Zufall will, war sie selbst auf den Tag genau fünf Jahre zuvor ins Amt eingezogen. „Damals habe ich eine kleine Rede gehalten, bin dann in mein neues Büro und wusste nicht, was ich machen soll“, erzählt sie. Die Aufgaben kamen schnell, die Erfolge auch. Und so fällt die Bilanz ihrer Arbeit im Sozialministerium „ganz schön gut“ aus. Man habe einiges hinbekommen und alles umgesetzt, was im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei. 15 Jahre lang war Katrin Altpeter Berufspolitikerin aus Leidenschaft. Keine Frau für Sonntagsreden, sondern eine Sozialpolitikerin, die eine ehrliche Botschaft hatte und für die Menschen was verändern wollte. Diese Überzeugung, dieses „Streben nach Gerechtigkeit“, wie sie es nennt, hat sie sich erhalten. Jetzt aber muss sie sich einen neuen Job suchen, und das, sagt sie, wird eine ziemliche Umstellung werden. „Bis Dezember habe ich noch eine Übergangszeit. Dann läuft es darauf raus, dass ich im Januar in meinen Beruf als Lehrerin für Pflegeberufe zurückgehe.“ Keine Lust, irgendwo als Oberbürgermeisterin zu kandidieren? Oh je, sagt sie, das sei absolut kein Job für sie: „Ich bin Sozialpolitikerin und das bleibe ich.“ Ein OB dagegen sei ein Generalist. Die Politik will sie allerdings nicht an den Nagel hängen: Der SPD bleibt sie treu, und sie kann sich vorstellen, Nils Schmid als Landesvorsitzenden zu beerben: „Ich stehe für die Wahl bereit. Die SPD muss sich in Richtung Soziales neu ausrichten. Aber reißen Sie mal einen Zwölf-Prozent-Laden wieder hoch“, sagt sie und lacht.

Katrin Altpeter ist ein optimistischer Mensch. Sie ist zupackend und sie hat Humor. Irgendwann wird sie deshalb wohl sehr gelassen auf das Jahr 2016, ihr persönliches Annus horribilis - Schreckensjahr - zurückblicken. Ein Jahr der kompletten Veränderung, sagt sie, ist es auf jeden Fall. Noch im Dezember trennte sie sich von ihrem langjährigen Lebensgefährten, dann verlor sie ihr Ministeramt, ihr Mandat und damit ihren Beruf. Vor kurzem ist ihre Tochter wegen des Studiums ausgezogen, was natürlich okay sei, aber dann fehlten einem die Kinder ja doch ... „Ich lass mich nicht unterkriegen, aber das war schon ein bisschen hart“, sagt Katrin Altpeter mit einem kleinen schiefen Lächeln. „So krass hätte es nicht gleich kommen müssen.“

Zugute kommt es ihr jetzt, dass sie all die Jahre bodenständig geblieben ist, im alten gemütlichen Haus in Neustadt gewohnt und bei ihrem Rewe eingekauft hat. Wer nicht abhebt, kann nicht abstürzen. Und vielleicht das Wichtigste: Sie ist mit sich im Reinen. „Ich würde es genau so wieder machen“, sagt die 52-Jährige. „Das Einzige: Ich würde mir mehr Zeit für meine Tochter nehmen. Die ist immer etwas nebenhergelaufen.“

Vor kurzem hat sich Katrin Altpeter einen Traum erfüllt und an der Kurischen Nehrung Urlaub gemacht. In den kommenden Wochen wird sie ihr Büro in Waiblingen auflösen. Ihren großen Garten will sie auf Vordermann bringen. Und dann will sie schreiben. Das, sagt sie, habe sie sich schon lange vorgenommen. Erinnerungen festhalten – den ersten Teil ihrer Memoiren sozusagen. Der zweite Teil der Geschichte wird später geschrieben. Da kommt noch was. Jede Wette.

Seit 1989 in der SPD

Katrin Altpeter, Jahrgang 1963, trat 1989 in die SPD ein. Sie war Ortschaftsrätin in Neustadt, saß im Gemeinderat in Waiblingen und im Kreisrat. Als Ministerin hat sie sich fünf Jahre lang medial wenig beachtet verkämpft für Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende, schwierige Jugendliche und Alte.

Sie sagt: „Es war ja wohl klar, dass ich am 14. März einige Freunde verliere. Das gehört zum Job. Die Leute mögen einen nicht als Person, sondern weil sie sich was erhoffen.“