Waiblingen

Altstadtfest: Messer am Hals

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen. Ein 19-Jähriger aus Weinstadt hat auf dem Altstadtfest einen 23-jährigen Winnender mit einem Messer bedroht. „Ich bin hier, um dich zu töten“, soll der junge Mann gesagt haben. Er will sich vor dem Amtsgericht zwar nicht daran erinnern, wird aber für die Tat bestraft – wenn auch verhältnismäßig milde.

Altstadtfest Waiblingen, kleine Erleninsel. Es ist der 30. Juni 2017, gegen 22 Uhr. Ein 23-jähriger Winnender genießt den Abend, unterhält sich mit Freunden. Plötzlich nähert sich ein Mann, den er nur flüchtig kennt, legt den Arm um seine Schulter und hält ihm ein Messer an den Hals. „Ich bin hier, um dich zu töten“, sagt der junge Mann und fragt, ob der Winnender „jetzt oder nachher sterben“ wolle. Der 23-Jährige spürt, wie sich die Spitze eines Messers leicht in seinen Hals bohrt. Er droht dem Angreifer mit der Polizei. Der lässt von seinem Opfer ab, steckt das Messer weg und verschwindet. Völlig überrumpelt von der unerwarteten Bedrohung sucht der Winnender auf dem Altstadtfest die Polizei auf und zeigt den Vorfall an.

Wegen Diebstahls vorbestraft

Am Amtsgericht Waiblingen kommt es ein halbes Jahr später zur Verhandlung. Auf der Anklagebank sitzt der 19-jährige Angeklagte, ein Azubi aus Weinstadt. Eigentlich lief es für ihn in letzter Zeit viel besser als die Jahre zuvor, als er eine Ausbildung abbrach, zwischenzeitlich ohne Arbeit war, wegen Diebstahls verurteilt wurde. Seit kurzem ist er Auszubildender, hat eine eigene Wohnung bezogen – es geht bergauf. Und nun das: eine Anzeige wegen Bedrohung mit einem Messer. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich eine Auseinandersetzung hatte“, sagt der junge Mann. Und über den Winnender behauptet er: „Ich kenne ihn überhaupt nicht.“

Er sei mit Freunden auf das Altstadtfest gekommen, um sich zu amüsieren. Ob getrunken wurde, wird der 19-Jährige gefragt. „Bier, Wodka, Jack Daniels, ein paar Mischen“, lautet die Antwort. Er selbst habe aber nur wenig Alkohol getrunken – „von allem nur ein bisschen, weil ich weiß, ich werde schnell betrunken“.

... oder war es gar kein Messer, sondern ein Trinkhorn?

Der Richter verfolgt anfangs die Theorie, bei dem vermeintlichen Messer könne es sich auch um ein spitz zulaufendes schwarzes Trinkhorn gehandelt haben. Das hatte der Angeklagte nämlich auf der Erleninsel dabei, was er auch gar nicht abstreitet. Er will allerdings nur daraus getrunken und es niemandem an den Hals gehalten haben. Und der bedrohte Winnender ist sich sowieso sicher, dass er nicht mit einem skurrilen Gefäß, sondern mit einem echten Messer bedroht wurde. Außerdem gibt der 23-Jährige im Zeugenstand an, er habe einige Tage nach dem Vorfall zufälligerweise ein Messer im Garten eines gemeinsamen Kumpels gefunden – und dieser habe angegeben, der Angeklagte habe es dort versteckt. Der streitet das vor Gericht wiederum ab: „Den Garten kenn' ich, aber ich war da nicht, ich hab das Altstadtfest nicht verlassen.“

„Hundertprozentig, safe“ der Täter

Nach gut einer Stunde Verhandlung wird er dennoch verurteilt. Staatsanwaltschaft und Richter sehen keinen Grund, warum der Winnender sich die Geschichte von der Bedrohung ausgedacht haben soll. Er schildert den Vorfall ruhig und detailliert. Und er erkennt den Angeklagten eindeutig als Täter wieder: „Hundertprozentig, safe.“

Der 19-Jährige soll wegen seiner „Reifeverzögerung“ nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, beantragt die Staatsanwältin, die über die Tat sagt: „Das geht gar nicht“.

Entschuldigung vor dem Urteil

Als sich der Richter vor der Urteilsverkündung zurückgezogen hat, berichtet der Erziehungsbeistand des Angeklagten, vor der Verhandlung habe sich sein Schützling beim 23-jährigen Winnender entschuldigt. Da eilt die Jugendgerichtshelferin rasch hinter die Kulissen, um den Richter davon in Kenntnis zu setzen. Für was sich der Weinstädter entschuldigt hat – er kann sich ja schließlich an nichts erinnern –, bleibt offen. Die Info scheint trotzdem zu fruchten: Wunschgemäß wird der 19-Jährige nicht zu Arbeitsstunden, sondern zu einer milden Geldzahlung verurteilt: Dreimal 50 Euro muss er an die Bewährungshilfe zahlen.


Bedrohung

Das Strafgesetzbuch sieht für den Tatbestand der Bedrohung (§ 241) eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vor. Deren Höhe ist von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Angeklagten abhängig.