Waiblingen

Am ersten Tag der neuen Corona-Regeln auf dem Wochenmarkt in Waiblingen: Verunsicherung und Umsatzeinbußen

Der Waiblinger Wochenmarkt am 11.12.2020.
Der Waiblinger Wochenmarkt am 11.12.2020: Weniger Menschen, gedämpfte Stimmung. © Benjamin Büttner

Waiblingen.

Es ist ein trüber Wintermorgen auf dem Waiblinger Marktplatz. Seit heutigen Samstag (12.12.) gilt: Wer das Haus verlassen will, darf das nur noch mit triftigem Grund. Ein harter Lockdown - verbunden womöglich mit Schul-, Kita- und Laden-Schließungen - steht im Raum. Überall hängen Schilder, die auf den Sicherheitsabstand und die Maskenpflicht hinweisen. Vereinzelt laufen Menschen von einem Stand zum nächsten. Etwa 300 Meter entfernt zeichnet sich ein ähnliches Bild: Auch auf dem Postplatz sind kaum Menschen unterwegs. 

Wo sonst um diese Zeit der Weihnachtsmarkt aufgebaut ist, erinnert nur noch die Dekoration der angrenzenden Häuser an das bevorstehende Fest. Die Passanten halten Abstand zueinander, gelegentlich treffen sich Bekannte, die kurz miteinander plaudern.   

„Es ist ein komisches Gefühl“, sagt Hanne Heit. „Man hat Bedenken, ob man wieder gesund nach Hause kommt.“ Eingeschränkt fühle sich die Hohenackerin durch die neue Verordnung jedoch nicht. Weihnachtsstimmung komme bei ihr aber auch nicht auf. Pläne für Weihnachten hat sie keine. „Wir machen das ganz spontan. Ob die Enkelkinder vorbeikommen, wissen wir noch nicht“, sagt die Frau.

„Ich gehe nur raus, wenn es unbedingt notwendig ist“, sagt eine Passantin im Vorbeigehen. An Weihnachten bliebe sie lieber allein.

Die meisten scheinen die Regelungen zu akzeptieren. „Wir müssen mit dem Virus leben“, sagt eine Frau aus Waiblingen, die ihren Namen nicht in diesem Bericht lesen will. Sie lebe allein und arbeite im Home-Office. Für die Maßnahmen der Landesregierung habe sie Verständnis: „Ich möchte momentan nicht in der Position der Politiker sein, solche Dinge entscheiden zu müssen.“ Weihnachten verbringe sie mit ihren Kindern. Um den lokalen Einzelhandel zu unterstützen, kaufe sie alle Geschenke in Geschäften vor Ort oder in deren Onlineshops.

„Die Stimmung ist gedämpft. Die Leute sind verunsichert“, sagt Obst- und Weinbauer Reiner Medinger. Seine Kunden klagten viel über die Beschränkungen. Einfluss auf seinen Umsatz hat Medinger nicht bemerkt: „Es ist genauso viel los  wie in den vergangenen Wochen auch“, so der Stettener. Von Einschränkungen durch die neue Corona-Verordnung sei bisher jedoch nicht viel zu bemerken. Den Wochenmarkt beträfen die Regelungen nur bedingt, da alles unter freiem Himmel stattfindet, so der Mann weiter.

Doch längst nicht bei allen Händlern läuft es gut. „Viele Menschen haben Angst, auf den Markt zu kommen“, sagt Ferhat Bozkurt. Der Blumenhändler verzeichnet nach eigenen Angaben einen Kundenrückgang von 40 Prozent. An seinem Stand in Backnang sei die Situation ähnlich. „Viele Menschen haben Vorerkrankungen und kommen deshalb nicht. Was natürlich auch verständlich ist“, so der Geislinger weiter. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich: „Es werden auch wieder andere Zeiten kommen.“

Auch Uroosa Imran vom Käsemarkt Widmann kämpft mit der gesunkenen Nachfrage. „In den ersten drei Stunden heute hatte ich nur drei Kunden“, sagt die Verkäuferin. Besonders der Bedarf an Raclette-Käse sei zurückgegangen. „Die Kunden scheinen kein großes Weihnachtsfest zu planen“, erklärt sie.

„Corona bringt auch Positives“

Die ersten Passanten gehen bereits mit vollen Einkaufstaschen nach Hause. Dennoch kommen immer mehr Passanten auf den Marktplatz vor dem alten Rathaus. Vor einzelnen Ständen bilden sich Schlangen, die Stimmung wirkt gelöster.

„Das Leben ist ein anderes“, sagt Ernst Bachmann. Seit der ehemalige Richter im Ruhestand ist, habe er fünfmal die Woche Volleyball-Training gegeben. Durch die Pandemie sei das nicht mehr möglich. Dennoch kann der Waiblinger der Situation Positives abgewinnen: „Der Zusammenhalt wird wieder größer.“ In seiner Nachbarschaft sei die Anonymität verschwunden, so Bachmann. Er werde öfter gefragt, wie es ihm gehe und ob man ihm helfen könne. Und auch auf Weihnachten freue er sich: „Meine Kinder werden mich besuchen kommen, jedoch nicht gemeinsam. Dann muss ich eben zweimal kochen.“

 „Schwierigkeiten sind dazu da, um daraus zu lernen“, sagt eine Waiblingerin. Sie lebe zwar mit Einschränkungen und fast zu 100 Prozent isoliert, dennoch ginge es ihr gut. „Ich habe neue Werte für mich entdeckt“, so die Frau weiter. Für das Weihnachtsfest habe sie zwar noch keine konkreten Pläne, aber sie wäre auch mit einem Videotelefonat zufrieden. „Wenn ich weiß, dass ich dafür noch viele weitere Weihnachten mit meiner Familie feiern kann, schränke ich mich dieses Jahr gerne ein“, sagt sie.

Gegen Mittag füllt sich der Marktplatz. Der Postplatz bleibt weitestgehend leer, die Geschäfte sind nur mäßig gefüllt. Der in der Vorweihnachtszeit übliche Ansturm bleibt aus. 

Waiblingen.

Es ist ein trüber Wintermorgen auf dem Waiblinger Marktplatz. Seit heutigen Samstag (12.12.) gilt: Wer das Haus verlassen will, darf das nur noch mit triftigem Grund. Ein harter Lockdown - verbunden womöglich mit Schul-, Kita- und Laden-Schließungen - steht im Raum. Überall hängen Schilder, die auf den Sicherheitsabstand und die Maskenpflicht hinweisen. Vereinzelt laufen Menschen von einem Stand zum nächsten. Etwa 300 Meter entfernt zeichnet sich ein

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