Waiblingen

Apotheker Dominik Öhlschläger aus Waiblingen: Schnelltest-Gebühr verwirrt Kunden

Coronatest Zahlchaos
Die Apotheke Korber Höhe von Apotheker Dominik Öhlschläger (rechts) macht noch Schnelltests – doch wegen der neuen Regeln gibt es bei den Kunden erhöhten Beratungsbedarf. © ZVW/Gabriel Habermann

Wegen der neuen Zuzahlung, die nun bei Schnelltests in einigen Fällen nötig ist, sind auch in Waiblingen immer wieder Bürger verunsichert. Dominik Öhlschläger, Inhaber der Apotheke Korber Höhe und der Apotheke Beinstein, bietet noch Schnelltests an und stellt bei den Kunden einen erhöhten Beratungsbedarf fest. Er betont zugleich, dass seine Möglichkeiten begrenzt seien, wenn es darum geht, den rechtmäßigen Anspruch auf einen kostenfreien Test oder einen Test für nur drei Euro festzustellen. Er verweist hier darauf, dass er sich in vielen Fällen letztlich auf die Selbstauskunft oder die glaubhafte Versicherung der Bürger verlassen müsse. „Wir können das gar nicht prüfen.“

Selbstzahler sind bei Dominik Öhlschläger bislang die große Ausnahme

Selbstzahler, die für einen Schnelltest den vollen Preis begleichen müssen, hat es laut Dominik Öhlschläger in seinen beiden Apotheken bislang genau einmal gegeben (Stand 6. Juli). In Beinstein sei das gewesen, 9,50 Euro habe das Ganze den Kunden gekostet. Der Apotheker wundert sich im Nachhinein allerdings, warum der Mann nicht einfach die für ihn wesentlich preiswerteren Selbsttests gekauft hat. Diese verkaufen sich nämlich in den Apotheken von Dominik Öhlschläger weiter gut. „Da ist eine große Nachfrage da.“

Apotheker: „Vor vier Wochen war es noch ruhiger als jetzt“

Dass der Bund die für alle kostenfreien Schnelltests in einer Zeit wieder steigender Infektionszahlen abgeschafft hat, versteht der Waiblinger Apotheker nicht. Dominik Öhlschläger merkt in seinen Apotheken eine steigende Nachfrage nach Tests – sowohl nach Schnelltests als auch nach PCR-Tests. „Vor vier Wochen war es noch ruhiger als jetzt.“ Er merkt auch, dass zum Beispiel aus der Nachbarkommune Korb mehr Bürger kommen, die als Grund dafür angeben, dass es bei ihnen im Ort nun weniger Schnellteststationen gebe.

Landratsamt: Insgesamt hat die Zahl der Schnelltests abgenommen

Martina Keck, Sprecherin des Landratsamts des Rems-Murr-Kreises, teilt auf Nachfrage mit, dass im Kreis insgesamt die Zahl der Tests in den vergangenen Monaten immer weiter abgenommen hat, von noch 350.000 im Januar 2022 bis auf nur noch 75.000 im Juni 2022. Ob durch die neue Test-Verordnung eine weitere Abnahme erfolgt, kann sie zuverlässig erst Ende Juli 2022 sagen. Seit Einführung der neuen Testverordnung hat der Landkreis laut Martina Keck 14.500 Tests dokumentiert.

Wegen der Schnelltests hat der Rems-Murr-Kreis auch eine Liste verfasst, welche Nachweise asymptomatische Testpersonen angeben müssen, damit sie einen Schnelltest kostenfrei oder zumindest für drei Euro bekommen. Kostenlos bleibt dieser für folgende zehn Gruppen:

  • Kinder bis zum Tag des fünften Geburtstags (Nachweis durch amtlichen Lichtbildausweis, Geburtsurkunde oder Krankenversicherten-Karte)
  • Personen, die aufgrund einer medizinischen Kontraindikation zum Zeitpunkt der Testung oder in den vergangenen drei Monaten vor der Testung nicht gegen das Coronavirus geimpft werden konnten (Nachweis durch ärztliches Zeugnis)
  • Personen im ersten Trimester der Schwangerschaft (gemeint sind die Wochen eins bis zwölf von 40 Wochen, Nachweis durch Mutterpass)
  • Personen, die zum Zeitpunkt des Tests an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Coronavirus teilnehmen oder in den vergangenen drei Monaten vor der Testung an solchen Studien teilgenommen haben (Teilnahme-Nachweis vom Träger der Studie)
  • Personen, die sich zum Zeitpunkt des Tests aufgrund einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus in Absonderung befinden, wenn die Testung zur Beendigung der Absonderung erforderlich ist (Absonderungsanordnung des Gesundheitsamts oder positives PCR-Testergebnis, maximal 21 Tage alt)
  • Personen, die in einer Einrichtung gegenwärtig behandelt, betreut, gepflegt oder untergebracht werden, die einen Corona-Test verlangt (Nachweis durch glaubhafte Versicherung)
  • Personen, die in einer Einrichtung, die einen Corona-Test verlangt, eine dort behandelte, betreute, gepflegte oder untergebrachte Person besuchen wollen (glaubhafte Versicherung)
  • Personen, die in der häuslichen Umgebung gepflegt werden und im Haushalt Beschäftigte (glaubhafte Versicherung)
  • Personen, die nicht erwerbsmäßig eine pflegebedürftige Person in deren häuslicher Umgebung pflegen (glaubhafte Versicherung)
  • Personen, die mit einer mit Corona infizierten Person im selben Haushalt leben oder gelebt haben (glaubhafte Versicherung)

Drei Euro zahlen folgende Gruppen:

  • Personen, die am selben Tag eine Veranstaltung in einem Innenraum besuchen werden (Nachweis durch schriftliche Selbstauskunft)
  • Personen, die am selben Tag zu einer Person ab 60 oder zu einer Person mit einer Vorerkrankung mit einem hohen Risiko, schwer an Corona zu erkranken, Kontakt haben (Selbstauskunft)
  • Warnung mit der Statusanzeige erhöhtes Risiko auf der Corona-Warn-App (Nachweis durch Corona-Warn-App)

Für alle Bürgertests muss laut Landratsamt ein amtlicher Lichtbildausweis vorgelegt werden. „Wir weisen bei der Terminbuchung über unsere Homepage bewusst darauf hin, dass ein Ausweis nötig ist – auch bei einer Meldung in der Corona-Warn-App“, betont Martina Keck. Das sei aber nicht neu, sondern gelte schon länger.

Wer nicht zu den oben genannten Gruppen gehört, zahlt den Schnelltest voll. In der Praxis, sagt Apotheker Dominik Öhlschläger, gebe es aber viele Verständnisprobleme. Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen, haben bei den komplizierten Regelungen sowieso Schwierigkeiten. Aber selbst wer die Sprache beherrscht, muss sich erst mal orientieren.

Wer einen positiven Schnelltest hat, der bekommt den PCR-Test weiter umsonst

Dominik Öhlschläger selbst fragt sich, wie weit seine Pflicht zur Überprüfung gehen soll. Er macht das am Beispiel der Corona-Warn-App fest: Reicht es, sich einfach kurz den roten, erhöhten Risikostatus in der App zeigen zu lassen, oder muss er beim Kunden überprüfen, ob das vorgezeigte Handy tatsächlich auch das Handy der Person ist, die vor ihm steht? Wesentlich klarer ist die Lage immerhin bei den PCR-Tests: Wer einen positiven Schnelltest hat, bekommt laut Öhlschläger den PCR-Test weiter umsonst – und dieser ist auch nach wie vor notwendig, um ein Genesenenzertifikat zu erhalten.

Pressesprecherin Martina Keck erinnert indes daran, dass jeder Betreiber eines Testzentrums dazu verpflichtet sei, die Vorgaben der Test-Verordnung einzuhalten. Eine Überprüfung der Wahrheit der Selbstauskunft, also für die Fälle, in welchen der Nachweis nicht explizit geregelt ist (zum Beispiel durch den Mutterpass), sei aber in der Praxis nicht gut möglich. „Das musste selbst Herr Lauterbach einräumen.“ Bei Verdachtsfällen auf Missbrauch würde das Landratsamt natürlich tätig werden. „So war das auch bisher.“

Apotheker Dominik Öhlschläger: Kunden schütteln wegen Lauterbach den Kopf

Immerhin hat die unübersichtliche Lage bei den Schnelltests nach Auskunft von Dominik Öhlschläger bislang nicht dazu geführt, dass es in seinen Apotheken Konflikte mit den Kunden gab. Eher herrsche bei diesen Unverständnis darüber, was „der Lauterbach“ da wieder erlassen habe. „Das wird dann kopfschüttelnd akzeptiert.“

Kritik von Landrat Richard Sigel

Unserer Redaktion ist aber auch ein Fall bekannt, in dem sich eine Kundin über ein Schnelltestzentrum in einer anderen Kommune ärgerte, weil sie dort nach eigenen Angaben zehn Euro zahlen sollte, obwohl sie aus ihrer Sicht triftige Gründe genannt habe, um nur drei Euro ausgeben zu müssen. So ist das passiert, was Landrat Richard Sigel schon vor einiger Zeit in Sachen Umstellung der Schnelltests befürchtet hat: „Unterschiedliche Kategorien von befreiten Personengruppen und schwer zu erbringende Nachweise sorgen bei mir und meinem Team mit Blick auf die praktische Abwicklung der Tests für Skepsis.“

Wegen der neuen Zuzahlung, die nun bei Schnelltests in einigen Fällen nötig ist, sind auch in Waiblingen immer wieder Bürger verunsichert. Dominik Öhlschläger, Inhaber der Apotheke Korber Höhe und der Apotheke Beinstein, bietet noch Schnelltests an und stellt bei den Kunden einen erhöhten Beratungsbedarf fest. Er betont zugleich, dass seine Möglichkeiten begrenzt seien, wenn es darum geht, den rechtmäßigen Anspruch auf einen kostenfreien Test oder einen Test für nur drei Euro festzustellen.

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