Waiblingen

Astrid Fritz will ins Fernsehen

AstridFritz
Auch für ihr neues Buch hat Astrid Fritz wieder in bewährter Manier Geschichtsbücher gewälzt. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Ob Astrid Fritz’ erster und bestens verkaufter Roman „Die Hexe von Freiburg“ als Hollywood-Blockbuster die Menschen ins Kino lockt, steht in den Sternen. Aber: Astrid Fritz hat Hoffnung, dass das Buch fürs Fernsehen verfilmt wird. Bis es so weit ist, können sich Fans an einem neuen Band aus der Serafina-Reihe freuen.


Mannomann, das wär’ ein Ding. Stellen wir uns mal vor: die schöne Catharina, wie sie das mittelalterliche Freiburg aufmischt, die Männer gegen sich aufbringt, weil sie einfach zu vorlaut ist. Kuschelgeigen und Orgeldonner, düstere Stimmung, bunte Gewänder, warmer Kerzenschimmer, samtige Haut. Und am Ende – ein loderndes Feuer, so dass der Fernseher fast platzt. Sofagruselglück. Astrid Fritz, Neustädterin, charmant-unauffällig und sehr fleißig, folgt Umberto Eco, Noah Gordon und Patrick Süßkind. Ja! Wir lieben Mittelalterfilme. Und ganz ehrlich, Hollywood ist als Name eine echte Nummer. Aber Hollywood muss nicht sein. Auch deutsche Regisseure können fesseln.

Die Hexe von Freiburg wird verfilmt

Die „Hexe von Freiburg“, Astrid Fritz’ erster Roman, hat inzwischen eine Auflage von einer dreiviertel Million. Und jetzt ist das Buch in einem Aktenkoffer auf die Berlinale gereist. Ein Rowohlt-Verlags-Agent will’s an den Sender bringen. Zwecks Verfilmung! Und die Chancen stehen gar nicht schlecht. Denn der Spaß am Mittelalter ist ungebrochen. Nun ja, Astrid Fritz dämpft vorsichtshalber die Erwartungen gleich wieder: „Der Markt ist unberechenbar.“ Keiner könne sagen, warum das eine Buch sofort einen Regisseur findet und das andere nicht.

„Der Medicus“ etwa musste lange warten. Das Buch erschien 1986, der Film lief erst im Sommer 2012 an. „Die Hexe von Freiburg“ ist im November 2003 erschienen. Und wenn sie Glück hat, trägt sie die Nostalgiewelle schneller ins Filmstudio als den Bestseller des Amerikaners.

Astrid Fritz überlegt schon mal: Wenn’s wahr wird, was wird am Skript verändert? Wie werden die Szenen umgeschrieben, was fliegt raus? Wer spielt? Ach, Zukunftsmusik.

Aber wegen dieses Filmglücks, das ja erst noch eins werden muss, hat sie sich gar nicht bei der Zeitung gemeldet. Nein, nein, es geht wieder um Astrid Fritz’ ureigenste Materie, das Mittelalterbuch. Obwohl – wenn die Zukunftsmusik schon grad so klingelt und es um das Andere geht: Astrid Fritz hat jetzt ein Alias. Ha! Auf den Spuren von Joanne K. Rowling. Ein zweites Ich, ein Pseudonym fürs Nebenher.

Nebenher nämlich hat sie, letztes Jahr im Sommer, als es so heiß war, dass dem Mensch eigentlich der Stift durch die Finger flutschen musste, einen Roman geschrieben, der so gar nicht Astrid Fritz ist. Weshalb jetzt auch der Name „Karin Rössle“ drübersteht. „Deschperate Housewives“ heißt er und spielt – heute. Mitten im Reihenhaus-Neubaugebiet und inmitten von Frauen um die 50, teilweise geschieden, genervt von pubertierenden Kindern und irgendwie in der Krise. Der Verlag, sagt Astrid-Karin, fand’s witzig. Und bei Amazon kann man schon vorbestellen. Für Ende Mai.

Aber jetzt, endlich, zu dem, was tatsächlich im Augenblick ansteht: Serafina ermittelt wieder. Die junge Nonne mit der großen Klappe muss diesmal den Bäckermeister aus dem Siechenhaus retten. Und fürchtet um das Leben ihres Liebsten. Denn der Stadtarzt hat eins über den Schädel gezogen gekriegt. Astrid Fritz hat wieder in bewährter Manier Geschichtsbücher gewälzt, vergangene Begebenheiten passend gebogen, in alten Quellen nach Zitaten gesucht, den historischen Stadtplan des mittelalterlichen Freiburg bevölkert und ihrer Serafina, dem ehemaligen Freudenmädchen mit unehelichem Sohn, das zwar Keuschheit gelobt, aber das Herz nicht im Griff hat, ein paar neue Nuancen auf den Leib geschrieben. „Sie ist mir schon sehr vertraut“, sagt Astrid Fritz.

„Auf drei Leichen komme ich meistens“

Ein paar Figuren aus den ersten zwei Bänden hat sie inzwischen entsorgt: Serafinas Freund Barnabas, den Zwerg etwa, der ist erschlagen worden, „der war fällig“. Dafür kommt jemand Neues hinzu, ein verwöhntes Adelsdämchen nämlich, verarmt und ins Kloster verfrachtet, weil sie ohne Mitgift nicht an den Mann zu bringen war. Und weil’s ja ein Mittelalter-Krimi ist, müssen ein paar Leute sterben, „auf drei Leichen komme ich meistens“, aber für Serafina geht’s am Ende freilich gut aus, schließlich soll sie für den nächsten Fall, der im Gauklermilieu spielen wird, fit bleiben.

Bücher

„Das Siechenhaus“ aus der Serafina-Reihe wird Freitag, 26. Februar, erscheinen. Verlag rororo, 304 Seiten, 9,99 Euro.

„Deschperate Housewives“ erscheint unter dem Pseudonym „Karin Rössle“ Ende Mai. Verlag rororo, 256 Seiten, 9,99 Euro.

Mitte Juli erscheint, für alle, die vom Mittelalter nicht genug bekommen können, von Astrid Fritz „Unter dem Banner des Kreuzes“, Verlag Wunderlich, 448 Seiten, 19,95 Euro.

Und für alle, die in froher Film-Erwartung noch mal die „Hexe von Freiburg“ nachlesen wollen: Verlag rororo, 448 Seiten, 9,99 Euro.