Waiblingen

Auftakt im Prozess nach Verwalterpleite

insolvent01_0
Zahlreiche Wohnungseigentümergemeinschaften wurden um ihre Rücklagen gebracht. Jetzt verhandelt das Landgericht. © Leonie Kuhn

Waiblingen/Stuttgart. Vor dem Stuttgarter Landgericht hat die Verhandlung gegen Thomas Schreiber begonnen. Der 66-Jährige soll als Geschäftsführer einer Verwaltungsgesellschaft zwischen Januar 2008 und Dezember 2012 die Rücklagen von mehr als 70 Wohnungseigentümergemeinschaften veruntreut haben. Dabei soll ein Schaden von 1,7 Millionen Euro entstanden sein.

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Ganz besonders langsam aber im Falle der Waiblinger Hausverwaltung „Haus und Grund Verwaltungs-GmbH“, die vor mehr als drei Jahren pleitegegangen ist und seit diesem Montag vor Gericht steht. Schon im Mai 2013 waren die dubiosen Geschäfte der Hausverwaltung aufgeflogen, die bei unzähligen Wohnungseigentümern für Panik gesorgt hatten. Die Menschen fürchteten um ihre Rücklagen. Geld, um das sie ihr Verwalter Thomas Schreiber gebracht haben soll, der 360 Wohnanlagen im Kreis verwaltete.

Anklage lautet Untreue und Urkundenfälschung

Untreue und Urkundenfälschung lautet nun der Tatvorwurf der 13. Großen Wirtschaftskammer des Stuttgarter Landgerichts. In Zahlen: Als Geschäftsführer der Haus und Grund Verwaltungs-GmbH soll der Mann in 45 Fällen Gelder von Konten der von ihm betreuten Wohnungseigentumsgemeinschaften abgezweigt haben. In 118 Fällen soll er zulasten der Wohnungseigentumsgesellschaften Schecks ausgestellt haben. Und um seine Machenschaften zu verschleiern, in 600 Fällen Gelder zwischen den einzelnen WEG-Konten hin- und hergebucht haben. Mit falschen Kontoauszüge soll er seine Taten dann schließlich verschleiert haben.

Am ersten Verhandlungstag wurde die Anklage verlesen. Der Angeklagte räumte die Taten ein, sie seien ein Fehler gewesen. Insgesamt geht es um mehr als 700 Fälle, teils soll ihn sein Sohn, der mitangeklagt ist, dabei unterstützt haben. Der 66-Jährige kündigte an, sich bei den betroffenen Eigentümern für seine Vergehen zu entschuldigen.

Eine Vielzahl von Zeugen wird zu Wort kommen

Als Grund für die Veruntreuung nannte der Angeklagte nach Angaben der DPA finanzielle Probleme mit seiner ehemaligen Firma aus dem Jahr 2004. Die Firma, die zu dem Zeitpunkt bereits von seinem mitangeklagten Sohn geleitet wurde, war schwer angeschlagen. «Ich hätte die Reißleine ziehen müssen», sagt der 66-Jährige aus heutiger Sicht. Er selbst habe sich völlig überschätzt und die Hoffnung gehabt, dass sich die Situation mit der Zeit wieder bessern würde. Heute weiß er nach eigenen Angaben, dass ein Insolvenzantrag der bessere Weg gewesen wäre.

Einer der Geschädigten fasste die Situation im Gericht so zusammen: «Ich bin zufrieden, dass er gestanden hat, allerdings bringt es mir mein Geld nicht zurück.»

In den kommenden Wochen kommen eine Vielzahl von Zeugen zu Wort. Insgesamt elf Verhandlungstage hat das Gericht angesetzt.

Mangels Masse kein Insolvenzverfahren

Im Frühjahr 2014 wurde vor der 13. großen Wirtschaftskammer des Landgerichts Stuttgart Anklage erhoben. Mitangeklagt ist Schreibers Sohn wegen Beihilfe zur Untreue. Abgewiesen wurde damals mangels Masse das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Haus und Grund Verwaltungs- GmbH. Das hatte das Amtsgericht Stuttgart bekanntgegeben. Damit dürfte für die Wohnungseigentümergemeinschaften, die Schreiber um ihre Rücklagen gebracht haben soll, endgültig klar gewesen sein, dass sie nichts zu erwarten haben.