Waiblingen

Aus für K&L Ruppert – was folgt am Standort Waiblingen?

K&L Ruppert
Kunden am Standort Stuttgarter Straße betrachten die Hinweise auf den Räumungsverkauf. © Gabriel Habermann

„Totalausverkauf“ und „Geschäftsaufgabe“ steht auf Plakaten am Modehaus K&L Ruppert an der Stuttgarter Straße in Waiblingen. Hintergrund ist der Niedergang der einst erfolgreichen Kette K&L.  Sie wird verschwinden - und einige ihrer Marken mit ihr. Zum Geschäftsmodell der Familie Ruppert gehörte,  dass Kollektionen selbst entwickelt und von Lieferanten in der Türkei, Italien, Portugal, Bangladesch, Indien und China hergestellt wurden. „Dieses Geschäftsmodell wurde in den letzten Jahren immer schwieriger, denn dafür braucht man riesige Stückzahlen“, berichtet Rüdiger Herrmann, Director Marketing und Sales von K&L. Zugleich drängten ausländische Billiganbieter wie Primark aus Irland in den deutschen Markt.

Planinsolvenz verhinderte das Schlimmste

Wie andere Modehäuser geriet K&L Ruppert unter Druck. Die Familie verkaufte das Unternehmen 2017 und behielt die Immobilien. Der neue Eigentümer Jens Bächle begann die Umstrukturierung, geriet laut Herrmann aber weiter ins Schleudern und ging 2019 in die Planinsolvenz, um das Schlimmste zu verhindern. Als Investor wurde die Firma Schuh Schmid mit Sitz in Augsburg gefunden, die den Modehandel übernommen hat. Auf banges Nachfragen besorgter Kunden kann das Personal in Waiblingen also schon beruhigend sagen: Das Geschäft wird nicht wirklich verschlossen, aber übernommen. 

Die Pandemie hat die wirtschaftliche Situation verschärft

„Corona hat das Ganze noch befeuert“, sagt Rüdiger Herrmann weiter. Neue Kollektionen wurden entwickelt – aber als die Ware eintraf, waren die Läden geschlossen. Ausgerechnet im Dezember. Die Winterkollektion konnte nicht verkauft werden, und schon bald war die Frühjahrskollektion unterwegs. „Niemand konnte sich vorstellen, dass das so kommt – und dass es so lang und oft kommt.“ Angesichts dieser heiklen Situation wurde letztlich auch das vertikale Konzept aufgegeben.

Schuhe machen die Hälfte des Sortiments aus

Das Format K&L Ruppert läuft nun allmählich überall aus – auch in Waiblingen. Allerdings wird das Geschäft mit 3500 Quadratmetern an der Stuttgarter Straße nicht ganz geschlossen, sondern umfirmiert und voraussichtlich ab Herbst unter dem Namen Schmid mit entsprechend verändertem Konzept weitermachen. Anders als bisher wird dann der Anteil der Schuhe rund die Hälfte des Sortiments ausmachen – typisch für die neue Mutterfirma Schuh Schmid.

Die Mitarbeiter behalten ihre Arbeitsverträge, versichert der Director Marketing und Sales. Es würden sogar neue Mitarbeiter gesucht, die gezielt für bestimmte Marken und als Fachverkäufer für die Schuhe eingesetzt werden. Im Moment läuft der Räumungsverkauf - und gleichzeitig laufen die Gespräche mit verschiedenen bekannten Marken, die dann ihre Shops ins Kaufhaus einstellen. Das brauche einige Monate Vorlaufzeit.

Einige Marken verschwinden

Betroffen sind rund 40 Häuser. Die kleineren Standorte kommen tendenziell später an die Reihe – das trifft auf Waiblingen aber nicht zu. „Dies wird eins der Häuser sein, die am frühesten umgewandelt werden, weil es eins der wichtigsten und eben ein großes Haus ist, das wir entsprechend darstellen wollen.“ Die Verkaufsfläche geht also nicht verloren, wohl aber von manchen Kunden lieb gewonnene Marken wie Vittorio Rossi oder Trachten-Distler.

„Wir waren einfach zu klein“, resümiert der Verkaufschef. Wenn Discounter zum Beispiel T-Shirts ins Sortiment nähmen, hätten sie teilweise Stückzahlen von mehr als einer Million pro Farbe. Im Vergleich lasse K&L vielleicht 30 000 produzieren. Nichtsdestotrotz, glaubt Rüdiger Herrmann, werde die Zeit der ökologisch und hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in vielen Ländern mehr als bedenklichen Wegwerf-Mode irgendwann zu Ende gehen.

Immobilie gehört der Familie Ruppert

Die Immobilie an der Stuttgarter Straße, bis zum Jahr 2005 mit „Mode und Sport“ ein Standort der in Konkurs gegangenen Hettlage Süd, befindet sich weiter im Eigentum der Familie Ruppert. Der neue Betreiber Schuh Schmid verkauft Schuhe und Bekleidung im Haupthaus in Augsburg im ehemaligen Kaufhof auf einer Fläche von 9500 Quadratmetern. „Augsburg ist Schmid-Land.“ Nicht betroffen vom Wechsel von K&L zu Schmid ist das benachbarte Sportgeschäft Intersport Flöss.

Gegründet wurde K&L Ruppert im Jahr 1962. Damals eröffnete Firmengründer Karl Ruppert die erste Filiale in Weilheim - für Herrenanzüge. Um Kosten zu reduzieren, ließ er die Kleidungsstücke direkt beim Lieferanten herstellen.

„Totalausverkauf“ und „Geschäftsaufgabe“ steht auf Plakaten am Modehaus K&L Ruppert an der Stuttgarter Straße in Waiblingen. Hintergrund ist der Niedergang der einst erfolgreichen Kette K&L.  Sie wird verschwinden - und einige ihrer Marken mit ihr. Zum Geschäftsmodell der Familie Ruppert gehörte,  dass Kollektionen selbst entwickelt und von Lieferanten in der Türkei, Italien, Portugal, Bangladesch, Indien und China hergestellt wurden. „Dieses Geschäftsmodell wurde in den letzten

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