Waiblingen

Auto bleibt bei Rot stehen – falsch!

Blaulicht_0
Symbolbild. © Redaktion

Waiblingen. An der roten Ampel muss das Auto stehen, die Regel kennt jeder. Weniger bekannt ist die Ausnahme: Um ein mit Blaulicht und Martinshorn nahendes Einsatzfahrzeug durchzulassen, muss ein Autofahrer Platz machen – und dabei nötigenfalls das Rotlicht ignorieren. In Waiblingen hielt sich am Mittwoch eine Frau nicht dran und muss nun mit einem Fahrverbot rechen.

Was ist am Mittwoch in Waiblingen genau geschehen?

Eine 63-Jährige stand gegen 14.30 Uhr in der Waiblinger Jesistraße mit ihrem Mercedes an einer roten Ampel; blieb stehen, als sich von hinten ein Feuerwehrwagen mit Blaulicht und Martinshorn näherte; blieb stehen, als die Floriansjünger direkt hinter ihr bremsten; blieb stehen, während etwa zehn Sekunden verrannen, in denen es für das Löschkommando kein Vorankommen mehr gab. Erst als die Ampel auf Grün sprang, fuhr die Frau an und machte Platz.

Eine Polizeistreife hatte den Vorgang beobachtet und hielt die Frau an. Sie erklärte: Sie habe einfach nicht gewusst, was tun, habe sich nicht getraut, über Rot zu fahren, sei mit der Situation überfordert gewesen.

Das klang an und für sich bereits recht glaubwürdig – und wurde durch den weiteren Fortgang der Geschehnisse bekräftigt: Die Dame war so verwettert, dass sie, als sie schließlich wieder in ihren Mercedes stieg und sich auf den Weg machte, ein wegen des Einsatzes in der Nähe stehendes Feuerwehrauto schrammte. Schaden: 600 Euro.

Welche Folgen hat der Vorfall für die Frau?

Den Blechschaden übernimmt die Versicherung – wegen „Behinderung eines Einsatzfahrzeuges“ aber droht der Frau nun dreifach Ungemach: 240 Euro Bußgeld; zwei Punkte in Flensburg; und ein Monat Fahrverbot.

Oha, ist das nicht übertrieben streng? Tja, sagt Ronald Krötz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, „ich war auch überrascht“, aber das habe der Blick in den Bußgeldkatalog nun einmal offenbart.

Aber seit wann muss man denn bei Rot über die Ampel fahren?

Wegen des Paragrafen 38 der Straßenverkehrsordnung: „Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.“

Gegebenenfalls ist dabei die Ampel zu ignorieren. Faustregel: Blau schlägt Rot, die Rettungsmission von Feuerwehr, Sanitäter oder Polizei geht vor.

Aber ich kann doch nicht einfach bei Rot in die Kreuzung brettern?

Um Himmels willen, natürlich nicht, sagt Polizeisprecher Krötz. Grundsätzlich besteht zwar die Pflicht, Platz zu machen, aber Kamikaze-Aktionen haben zu unterbleiben. Wer wild in die Kreuzung, in den Querverkehr rast und dort einen Unfall verursacht, kann sich danach nicht rausreden mit dem Argument: „Die Feuerwehr ist schuld! Die haben gedrängelt!“

Zwischen Brettern und Stehenbleiben aber gibt es eine dritte Variante: Umsichtig nach allen Seiten den Blick schweifen lassen, die Lage sondieren und sich vorsichtig in die Kreuzung „reintasten“, sagt Krötz. Wenn der Querverkehr noch voll rauscht – kurz innehalten. Und weiter.

Im konkreten Waiblinger Fall sei es so gewesen, dass die anderen Autofahrer bereits angehalten hätten und zur Seite gefahren seien. Aus Sicht der Polizei wäre es der Frau gefahrlos möglich gewesen, ein paar Meter nach vorne zu rollen und Platz zu machen. Leider sei „zehn Sekunden lang gar nicht passiert“.

Und was, wenn an der Ampel ein Blitzer steht?

Jemand fährt, um der Feuerwehr eine Gasse zu öffnen, über Rot und wird geblitzt? Dann empfiehlt es sich, Uhrzeit und Kfz-Kennzeichen des Einsatzfahrzeuges zu notieren und, sobald der Bußgeldbescheid kommt, Widerspruch einzulegen. In der Regel werde das Verfahren eingestellt, sagt Krötz; zumal die Kamera an der Ampel zwei Bilder aufnimmt: ein Detailfoto vom Menschen hinterm Lenkrad und ein Umfeld-Foto von der Gesamtsituation. Auf dem zweiten Schnappschuss dürfte das Blaulicht zu sehen sein. Eine vorbildliche Stadtverwaltung wird bei so eindeutig entlastendem Bildmaterial erst gar keinen Bußgeldschrieb verschicken. Sondern einen Lobesbrief: „Sie sind über Rot gefahren – danke, dass Sie so umsichtig reagiert haben!“


Auch heikel:

Bei Blaulicht-Alarm, warnt Polizeisprecher Ronald Krötz, fahren oft zwei Einsatzautos, zum Beispiel eine Streife und der Rettungssanitäter, direkt hintereinander. Immer wieder komme es vor, dass ein Pkw-Fahrer umsichtig rechts ran fährt, den ersten Wagen vorbeilässt – und in irriger „Bahn frei“-Annahme gleich wieder ausschert.

Ebenfalls gefährlich: Zwei Pkw fahren hintereinander, von hinten naht ein Blaulichtwagen. Der Mensch im vorderen Auto bemerkt das, verlangsamt, lenkt rechts ran und hält. Der Mensch im hinteren Auto aber hat die Musik brettlaut aufgedreht, denkt vor lauter Ärger darüber, dass der vor ihm so schleicht, gar nicht daran, in den Rückspiegel zu schauen, setzt, wilde Flüche ausstoßend – „Trödler! Penner!“ – zum Überholen an; und manövriert sich voll in die Bahn des Rettungswagens.