Waiblingen

Auto-Explosionen gibt es in der Realität nicht

TITEL Brand Auto 05.04.2012 alte Bundesstrasse Kreuzung Mayenner Str
Der Albtraum: Das Auto brennt binnen kurzem lichterloh, wie in Waiblingen vor gut vier Jahren geschehen. © Habermann / ZVW

Waiblingen. In einschlägigen Fernsehkrimis explodieren laufend Autos. Im realen Leben bleibt es fast immer beim Brand eines Fahrzeugs, und das ist schon schlimm und gefährlich genug. In letzter Zeit sind gleich mehrere Fahrzeuge im Rems-Murr-Kreis ausgebrannt. Meist hatte ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst.

Ein Mercedes ist vergangenes Wochenende in Fellbach in Flammen aufgegangen. Der Fahrer hatte leichten Rauch bemerkt, stieg aus, öffnete die Motorhaube – und konnte nur noch die Feuerwehr rufen. Der Wagen brannte vollständig aus. Ein technischer Defekt dürfte den Brand verursacht haben. Um Genaueres herauszufinden, müsste ein Sachverständigen das, was vom Auto übrig blieb, unter die Lupe nehmen.

Ende August ist im Motorraum eines Skoda in Murrhardt ein Feuer ausgebrochen. Nur ein paar Tage davor musste ein Autofahrer am Ende des Leutenbachtunnels ganz schnell sein Auto verlassen, weil es im Motorraum zu brennen begonnen hatte. Für großes Aufsehen sorgte ein Fahrzeugbrand Ende Juni auf dem Hanweiler Sattel. Ein 56-Jähriger hatte seinen Opel einparken wollen, als er bemerkte, dass sein Auto brannte. Er konnte noch rechtzeitig aussteigen und lieb unverletzt, doch von seinem Wagen blieb so gut wie nichts mehr übrig. Ein weiterer Wagen brannte vollständig aus.

Ein Brand am 7. September in Remshalden ging nicht auf einen technischen Defekt zurück. Ein 20-Jähriger geriet mit seinem Peugeot nach der Ausfahrt Grunbach ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Das Fahrzeug ging in Flammen auf und war bereits ausgebrannt, als die Feuerwehr kam.

Der Albtraum: Rauch und Flammen im Tunnel

Diese Häufung ist untypisch. „Fahrzeugbrände treten vergleichsweise sehr selten auf“, stellt Dieter Wolpert fest. Der Fachabteilungsleiter Sondergutachten bei der Dekra Automobil GmbH nennt eine Reihe von Ursachen, die zu einem Fahrzeugbrand führen können: Stimmt etwas in der Fahrzeugelektrik oder -elektronik nicht, kann sich ein Feuer entwickeln. Defekte am Turbolader oder an Bremsen, Radlagern oder Reifen entpuppen sich immer wieder als Grund für einen Brand. Zudem kann ein Feuer entstehen, wenn das Auto Öl oder Kraftstoff verliert.

Bei älteren Autos ist die Gefahr, dass sich ein Brand entwickelt, nicht höher als bei neueren, so Dieter Wolperts Erfahrung. Doch unterscheiden sich die Ursachen. Bei einem neueren Fahrzeug wird tendenziell eher in der Elektrik die Brandursache zu finden sein, während bei älteren verschlissene oder schlecht gewartete Bauteile eher infrage kommen. Was Fahrzeugtypen angeht, bezeichnet Wolpert keine als besonders gefährlich oder als besonders sicher.

Keine Frage, solch ein Brand ist gefährlich. Allein schon die Vorstellung, in einem Tunnel könnten Rauch oder gar Flammen aus dem Motorraum schlagen, fühlt sich wie ein Albtraum an. Trotzdem: „Explosionen, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, kommen im realen Leben nicht vor“, so Dieter Wolpert. „Das sind special effects. In der Realität gibt es das nicht“, bestätigt Jürgen Bruckner von der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz am Landratsamt.

Zerplatzen bei einem Brand allerdings Bauteile, die unter Druck stehen, etwa Reifen, Federdämpfer oder Airbags, kann das Szenario durchaus so wirken, als habe sich eine Explosion ereignet.

Vorsicht: „Nicht in den Rauch stellen“

Steigt während der Fahrt Rauch aus dem Motor auf, dürfte es schwerfallen, Ruhe zu bewahren. Genau das rät Dieter Wolpert aber: „Bis ein Auto komplett brennt, vergehen etliche Minuten. Daher Warnblinkanlage einschalten und das Fahrzeug in einen sicheren Bereich lenken.“ Konkret bedeutet das: Nicht in einem Tunnel oder unter einer Brücke stehen bleiben, falls vorhanden, auf einen Standstreifen fahren, das Auto nicht direkt neben andere Autos oder direkt neben einem Gebäude abstellen. Und dann natürlich schnell das Auto verlassen, dafür sorgen, dass alle Mitfahrer das auch tun, vom Fahrzeug weggehen, Warndreieck aufstellen, Feuerwehr rufen.

In Griechenland oder Serbien müssen Autofahrer einen Feuerlöscher dabeihaben, in Deutschland nicht. Wer selbst keinen Feuerlöscher im Auto lagert, könnte einen Laster oder Bus anhalten, sofern gerade machbar. Diese Fahrzeuge haben Feuerlöscher an Bord.

Mit einem Autofeuerlöscher lassen sich allenfalls kleine Brände bekämpfen, die grade erst entstanden sind, informiert Dieter Wolpert. Das Löschmittel in diesen Feuerlöschern reiche nicht aus, um einen ausgedehnten Brand in die Schranken zu weisen.

Natürlich empfiehlt es sich nur dann, selbst zum Feuerlöscher zu greifen, wenn dies noch gefahrlos möglich ist. „Nicht in den Rauch stellen“, mahnt Jürgen Bruckner: Im Zweifel lieber den Versuch abbrechen und alles der Feuerwehr überlassen.

Was die Versicherung zahlt und was nicht

Nicht nur eine Vollkasko-, auch eine Teilkaskoversicherung deckt Brandschäden ab, informiert eine Sprecherin des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin. Brennt das Auto vollständig aus, erhalte der Besitzer den Zeitwert des Wagens ersetzt. Es sei denn, sein Vertrag sieht eine Neuwertentschädigung vor, dann gibt’s mehr Geld.

Sofern nichts Gegenteiliges vereinbart ist, ersetzt die Versicherung beispielsweise einen teuren Kindersitz, der mit verbrannt ist, nicht. Die Versicherung deckt laut der Sprecherin nur Gegenstände ab, die fest mit dem Auto verbunden sind.

Ein Brandschaden liegt aus Versicherungssicht nur dann vor, wenn eine Flamme vorhanden war. Das sehen die unverbindlichen Musterbedingungen des Verbands vor. Kam es lediglich zu einem Schmorbrand, bleibt der Autobesitzer womöglich auf den Kosten sitzen.

Wie wird nach solch einem Vorfall geklärt, ob nun eine Flamme vorhanden war oder nicht? Antwort der Sprecherin: „Die Sachverständigen sehen das.“