Waiblingen

Autonomes Fahren in Waiblingen: "Ameise" kostenlos im Testbetrieb

Ameise
Busfahrer Alaaddin Kaya fährt als Operator immer mit. © Alexandra Palmizi

Die „Ameise“ rollt durch den Ameisenbühl – vorerst allerdings meist im Schneckentempo. Wie autonomes Fahren funktioniert und sich in der Praxis anfühlt, können Fahrgäste beim Pilotprojekt im Gewerbegebiet kostenlos erleben. Das Fahrzeug, optisch eine Art Bergbahnkabine mit Rädern unten dran, verkehrt zwischen dem Hof der Ziegelei Hess und dem Berufsbildungswerk.

Wer mitfährt, ist allerdings nicht auf Gedeih und Verderb der Maschine ausgeliefert. Als „Operator“ ist Alaaddin Kaya, im normalen Leben Busfahrer im Linienverkehr für Omnibusverkehr Ruoff, immer an Bord. Theoretisch und technisch würde der Sechssitzer von „EasyMile“ zum Beispiel den Kreisverkehr zwischen alter Ziegelei und dem Prototypen-Park von Daimler zwar erkennen und befahren, wegen der Genehmigungsauflagen für die Testphase allerdings, stoppt er und wartet auf manuelle Freigabe durch den Operator.

Operator statt Fahrer als Zwischenschritt

Den Einsatz des Operators betrachtet OVR-Geschäftsführer Marco Trovato als Zwischenschritt. In Zukunft soll die Ameise tatsächlich autonom fahren. Das Ziel: Mehrere autonom fahrende Shuttlebusse werden von einer Leitstelle ortsunabhängig überwacht. Die Strecke ist einprogrammiert. „Der Bus bewegt sich wie auf einer virtuellen Schiene“, erklärt OVR-Geschäftsführer Marco Trovato.

Die Ameise fährt im Forschungsbetrieb, daher besteht keine Betriebs- und Beförderungspflicht. Deshalb wird auch der Fahrplan, den es durchaus gibt, nicht veröffentlicht, damit die Projektbeteiligten maximale Flexibilität bei der Umsetzung haben. Grundsätzlich verkehrt das Fahrzeug montags und dienstags zwischen 7 und 18 Uhr. Mitfahren ist erlaubt, sogar gewünscht - und umsonst. Im Echtbetrieb notiert Alaaddin Kaya, der gemeinsam mit drei weiteren Kollegen eine Woche entsprechend geschult wurde und dann eine kleine Prüfung ablegte, Zwischenfälle und Störungen.

Störungen werden dokumentiert

Größere Vorkommnisse gab es in den ersten Tagen nicht. Nahe dem BBW ging das Fahrzeug einmal vollständig aus wie bei einer Notbremsung. Ob ein Tier, etwa ein Vogel oder ein Schmetterling am Sensor vorbeigeflogen ist? Ein andermal schwächelte plötzlich das GPS-Netz, weswegen der Bus ins Schleichtempo überging und sich langsam vorwärts tastete. Für eine wissenschaftliche Analyse taugt das freilich noch nicht. Bis Dezember läuft der Testbetrieb.

Die Ameise kann auch Vollbremsungen machen

Auf drei Ebenen orientiert sich die Ameise: Zum einen hat sie den einprogrammierten Streckenverlauf. Zum anderen erfasst sie über GPS den Standort - zu einem späteren Zeitpunkt könnte Datenaustausch über das 5G-Netz hinzukommen. Und nicht zuletzt verfügt der Bus über mehrere optische Sensoren, die Gegenstände oder Hindernisse in unterschiedlichen Entfernungen erkennen können. Auch Fußgänger, wie Marco Trovato voller Vertrauen in die Technik demonstriert: Läuft er unvermittelt vor das Fahrzeug, stoppt es sofort.

Für den Linienverkehr ist die Ameise in absehbarer Zeit wohl keine Alternative. Eher als Shuttle und Lückenschließer für die letzte Meile vom ÖPNV nach Hause. Das Projekt „Ameise“ unter Leitung der Hochschule Esslingen wird vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg und dem Verband Region Stuttgart gefördert.

Die „Ameise“ rollt durch den Ameisenbühl – vorerst allerdings meist im Schneckentempo. Wie autonomes Fahren funktioniert und sich in der Praxis anfühlt, können Fahrgäste beim Pilotprojekt im Gewerbegebiet kostenlos erleben. Das Fahrzeug, optisch eine Art Bergbahnkabine mit Rädern unten dran, verkehrt zwischen dem Hof der Ziegelei Hess und dem Berufsbildungswerk.

Wer mitfährt, ist allerdings nicht auf Gedeih und Verderb der Maschine ausgeliefert. Als „Operator“ ist Alaaddin Kaya, im

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