Waiblingen

Bürgerinitiative sammelt 1200 Unterschriften für "Waiblingen klimaneutral"

Waiblingen klimafrei
Sabine Zeiner, Jonathan Rößler, Marie-Luise Kruse-Zierer, Willi Zierer, Thomas Renz, Jula Hutzmann und Anja van Felten (von links). © ALEXANDRA PALMIZI

Ist Waiblingen bis 2035 klimaneutral? Die Bürgerinitiative „Waiblingen klimaneutral“ kämpft für dieses Ziel. „Wir haben keine Alternativen“, macht Sabine Zeiner von der Initiative deutlich. „Wenn wir den Wandel jetzt nicht anpacken, nehmen wir den Generationen nach uns die Lebensgrundlage!“

1200 Unterschriften hat die Initiative gesammelt, die sie am Freitag Oberbürgermeister Andreas Hesky überreichen möchte. Ziel ist, dass mit einem Einwohnerantrag der Gemeinderat weiter entscheidet und auf Anregung von OB Hesky im Stadtentwicklungsplan die Ziele in Sachen Klimaschutz eingearbeitet werden.

Bei Oberbürgermeister Andreas Hesky stößt die Bürgerinitiative auf offene Türen. „Alle Aktivitäten und Initiativen, die zu mehr Klimaschutz beitragen, sind positiv zu sehen“, betont er. Wenn er auch das Ziel der Initiative, dass Waiblingen bis 2035 klimaneutral ist, als „sehr ambitioniert“ einstuft. „Aber wir beginnen in Waiblingen nicht bei null, und Klimaschutz gehört zu unserer kommunalen DNA. Daher sollten wir das Ziel ins Auge fassen und darüber sprechen“, betont er auf Nachfrage der Lokalredaktion.

Waiblingen reduziert CO2-Emissionen

Bisher hatte sich die Stadt zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Hälfte der Emissionen im Vergleich zu 2005 einzusparen. Bezogen auf die verfügbare Datengrundlage bedeutet das Ziel der Initiative, dass die ermittelten Emissionen für Waiblingen in Höhe von rund 543.815 Tonnen (1990) bis 2035 auf null heruntergefahren werden müssen. 2015 wurden Emissionen noch in Höhe von 393.962 Tonnen CO2 gemessen. „Man sieht, wir haben schon einiges erreicht. Dennoch wird dadurch deutlich, wie anspruchsvoll das gewählte Ziel der Initiative ist und welcher Kraftakt dies für alle in der Stadt bedeutet“, so Hesky.

In der Definition bedeutet klimaneutral laut Umweltbundesamt, dass das Klima etwa durch Treibhausgasemissionen nicht weiter belastet wird. Wer klimaneutral lebt, kann zwar den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid nicht gänzlich verhindern, aber wenigstens klein halten.

„Die Zielsetzung hat einen wissenschaftlichen Hintergrund“, sagt Sabine Zeiner. 2035 sei zwar sicherlich ambitioniert, „aber es sind immerhin 14 lange Jahre, in denen man einiges bewegen kann. Wir haben keine Zeit mehr“, sagt sie mit Nachdruck. „Aktuell werden nur 3,7 bis 3,8 Prozent regenerativer Strom in Waiblingen erzeugt!“ Da sei noch deutlich Luft nach oben, so Sabine Zeiner. Energie lokal zu erzeugen, sei nun mal der Königsweg. Kirchen, Supermärkte oder öffentliche Gebäude sind aktuell noch ohne eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach.

Nachdem die Initiative im Frühjahr ihre Ziele erstmals öffentlich benannt hatte, haben die Mitstreiter mit der Stadtverwaltung sowie allen Fraktionen des Gemeinderats das Gespräch gesucht. Die Gespräche seien äußerst konstruktiv gewesen, wenn man auch nicht immer einer Meinung gewesen sei, erinnert sich Sabine Zeiner, die bis 2001 für die ALi im Gemeinderat saß. Damit das Ziel gelinge, müssen Stadt, Bürger oder Unternehmer allesamt an einem Strang ziehen, darin sind sich die Vertreter der Initiative sowie Beteiligte der Stadtverwaltung einig. In den vergangenen Wochen haben die Mitstreiter der Initiative viele Gespräche mit Bürgern geführt und weitere Anhänger gefunden. „Gäbe es Alternativen, hätten wir uns nicht gegründet“, so Zeiner.

Waiblingen sei aus Sicht der Initiative in Sachen Klimaschutz seit vielen Jahren auf einem guten Weg, was den Initiatoren aber nicht ausreicht. Sie wünschen sich, dass verschiedene Fragen behandelt werden, wie beispielsweise das Gebiet Eisental klimaneutral werden könnte.

Waiblingen verpflichtet Bürger zum Bau von Fotovoltaik

Waiblingen übernehme bereits nach OB Hesky unterschiedliche Vorbildfunktionen, ist Unterzeichnerin des Klimaschutzpaktes Baden-Württemberg, was mit dem Ziel verbunden ist, bis 2040 eine klimaneutrale Verwaltung zu erreichen, betont Hesky. Es sei realistisch, dieses Ziel bereits früher zu erreichen. Außerdem bewirbt sich die Stadt seit 2006 um das Zertifizierungsverfahren des „Energy Award“, aktuell ist die Stadt mit dem Award in Gold ausgezeichnet, der eine vierjährige Gültigkeit hat. Die Liste weiterer Projekte in Sachen Klimaschutz ist lang. Hinzu kommt die Tatsache, dass Waiblingen eine Solaraufbauverpflichtung eingeführt hat und klimaneutrale Baugebiete realisiert, „und zwar als eine der ersten Kommunen in Deutschland“, so Hesky.

Städtische Gebäuden werden derzeit überprüft, ob sie für eine Fotovoltaikanlage infrage kommen, beziehungsweise werden sie hierfür ertüchtigt oder saniert, so Hesky. Mit den Stadtwerken habe man einen zentralen, wertvollen Partner zur Umsetzung der Klimaziele an der Seite. Aktuell laufen die Vorbereitungen zur Erstellung eines Wärmeplanes.

Außerdem sieht die Stadt vor, einen Klimaschutzmanager einzustellen. Diesen Anstoß begrüßen die Mitbestreiter der Bürgerinitiative. Noch besser wäre, wenn hierfür eine Stabsstelle geschaffen würde und „Klimaneutralität ganz und gar zur Chefsache werden würde“, so Zeiner.

Ist Waiblingen bis 2035 klimaneutral? Die Bürgerinitiative „Waiblingen klimaneutral“ kämpft für dieses Ziel. „Wir haben keine Alternativen“, macht Sabine Zeiner von der Initiative deutlich. „Wenn wir den Wandel jetzt nicht anpacken, nehmen wir den Generationen nach uns die Lebensgrundlage!“

1200 Unterschriften hat die Initiative gesammelt, die sie am Freitag Oberbürgermeister Andreas Hesky überreichen möchte. Ziel ist, dass mit einem Einwohnerantrag der Gemeinderat weiter entscheidet

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