Waiblingen

Bürgerpreis 2017: Ein Otto für das Ehrenamt

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Landrat Richard Sigel (ganz links) und Moderatorin Jenny Winkler (ganz rechts) gratulierten den „jungen Helden“ aus dem Salierschulzentrum: Jennifer Heupel, Corinna Kuhn und Eda Ilboga (von links) engagieren sich für Flüchtlingskinder der Salier-Gemeinschaftsschule. © Habermann / ZVW
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Waltraud Bühl, Roland Schlichenmaier und Christa Cepa-Reizel von der Initiative Gesundheit im Alter des Kreisseniorenrats mit Moderatorin Jenny Winkler (von links nach rechts). © Habermann / ZVW
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Chefredakteur Frank Nipkau zusammen mit Margarete Maile, Dieter Krbecek, Michael Löffler und Rotraut Knödler vom Kernener Mittagstisch für alle (von links nach rechts). © Habermann / ZVW

Waiblingen. „Ist der süß!“ entfuhr es den Kreisseniorenräten, als sie ihren Bürgerpreis entgegen nahmen. Gemeint war der Rems-Murr-Otto, der fürs Ehrenamt steht, für besondere Leistungen in und für den Rems-Murr-Kreis. Fünf Initiativen bekamen am Dienstagabend in der Kreissparkasse wieder diesen Otto überreicht. Denn sie haben sich vorbildlich im Kreis, in ihrer Gemeinde engagiert. Sie sind die Preisträger des Bürgerpreises 2017.

Den Weg aus der Enge hinaus ins Freie bahnen, über den eigenen Tellerrand blicken, anderen Menschen die Hand reichen – dafür steht er, der Rems-Murr-Otto, den der Korber Künstler Guido Messer für die Kreissparkasse Waiblingen entworfen hat. „Ein passendes Bild für unsere Preisträger“, sagte Lothar Kümmerle, Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen, bei der Preisverleihung am Dienstagabend. Fünfmal durfte er ihn vergeben, den Bürgerpreis 2017. „Sie haben erkannt, wo Hilfe und Unterstützung gebraucht wird, und somit einen wichtigen Teil zur Gesellschaft beigetragen.“

"Alle Teilnehmer haben uns großartige Projekte vorgestellt"

Freilich sind es nicht nur diese fünf Initiativen, die hervorzuheben wären: Beworben hatten sich in diesem Jahr 24 Vereine, Gruppen, Engagierte. Sie alle sind in den Bereichen Gemein- und Gesundheitswesen, Bildung, Kultur und im Zusammenleben der Generationen aktiv. „Alle Teilnehmer haben uns großartige Projekte vorgestellt“, sagte Kümmerle. Die Gewinner des Abends stehen beispielhaft für das ehrenamtliche Engagement im Kreis.

Gesund im Alter - Eine Initiative des Kreisseniorenrats

„Wie“, fragt Laudator Pfarrer Rainer Hinzen von der Diakonie Stetten, „kann Selbstständigkeit so lange wie möglich aufrechterhalten werden?“ Wie können alte Menschen dort bleiben, wo sie am liebsten sind - nämlich zu Hause? Der „Kreisseniorenrat Rems-Murr e. V.“ engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 2001 unter anderem intensiv in dem Themengebiet „Gesundheit im Alter“. Dabei wird auch zukunftsorientiert gedacht. Themen wie Telemedizin, sogenannte ärztliche Versorgungskonzepte, die über eine räumliche Entfernung erfolgen oder moderne Assistenzsysteme, also innovative Versorgungsformen in verschiedenen Bereichen, sind für die Engagierten ein Begriff. Dank dieser Methoden haben ältere Menschen die Chance, länger im eigenen Umfeld zu leben, und es wird eine bessere gesundheitliche Versorgung gewährleistet.

"Kreispflegeplan" in jedem Landkreis

Der Kreisseniorenrat war zudem bei der Planung des Neubaus der Klinik in Winnenden aktiv eingebunden. Den Vereinsmitgliedern war es dabei sehr wichtig, dass ausreichend Betten für ältere Menschen und Räumlichkeiten zur Reha oder Ergotherapie vorhanden sind. Der Kreisseniorenrat bietet den Bürgern außerdem den Service von Wohnberatern an, die auf Unterstützungsmöglichkeiten im Kreis hinweisen. In jedem Landkreis gibt es einen „Kreispflegeplan“, mit dessen Hilfe versucht wird, dass genügend Heimplätze in Pflegeheimen der Region zur Verfügung stehen. An der Erstellung dieses Plans war der Kreisseniorenrat aktiv beteiligt.

Azubi werden - Freundeskreis für Flüchtlinge

„Für viele Flüchtlinge bedeutet Arbeit Integration und Unabhängigkeit und damit den Weg in ein normales, gesichertes Leben“, sagte die grüne Landtagsabgeordnete Petra Häffner. Das Projekt „Flüchtlinge zu Azubi 17“ widmet sich genau diesem Thema. Es ist ein Konzept des „Arbeitskreises Arbeit und berufliche Integration“ des Fellbacher Freundeskreises für Flüchtlinge. Ziel des Projekts ist es, Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Im ersten Schritt wurden dafür rund 250 Interviews mit den Menschen geführt, um die Vorkenntnisse einschätzen zu können. Die Ergebnisse wurden in einer Datenbank hinterlegt.

Zwei verschiedene Workshops

Es wurden zwei verschiedene Workshops organisiert, in denen berufliche Ausbildungen vorgestellt und die Erwartungen an die Auszubildenden erklärt wurden. Schließlich wurden noch Mathematik- und Deutschtests durchgeführt, um die Wissensstände zu prüfen. Auch die Berufswünsche der Einwanderer wurden erfragt. 33 Teilnehmer erwiesen sich als ausbildungsfähig. Geplant ist, dass bis Juli 2017 etwa 15 dieser Flüchtlinge einen Ausbildungsplatz in der Tasche haben. Die Immigranten werden dabei aktiv in die Suche eingebunden und bereiten sich mit ihrem Paten gemeinsam auf die Vorstellungsgespräche vor. Es ist vorgesehen, dass die Einwanderer auch während ihrer Ausbildungszeit durch ihre Paten betreut werden.


„Kinder, die ihre Heimat verloren und Schlimmes durchgemacht haben, müssen rasch zur Normalität zurückfinden. Sie dürfen nicht noch mehr wertvolle Zeit ihrer Kindheit verlieren“, sagte Landrat Richard Sigel. „Gerade den Kindern die bestmögliche Starthilfe in Deutschland zu geben ist eine gute, wenn nicht eine der wichtigsten Investitionen für unsere Gesellschaft.“ Jennifer Heupel, Corinna Kuhn und Xheraldina Bajraktari des Salier-Gymnasiums in Waiblingen kümmern sich im Rahmen des Projekts „Salier helfen Saliern“ um 15 Flüchtlingskinder der Salier-Gemeinschaftsschule, die bisher in einer sogenannten Vorbereitungsklasse unterrichtet werden. Jeden Freitag von 13 bis 15 Uhr sind die Schülerinnen für ihre Schützlinge da. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Schulmensa, bei dem sich zwanglose Gespräche über den Schulalltag und private Angelegenheiten ergeben, werden gemeinsame Spiele, wie zum Beispiel „Faules Ei“, gespielt. Anschließend werden verschiedene Aktivitäten, wie Billard oder Tischtennis spielen, Skateboard fahren, Spaziergänge zu einem Spielplatz in der Gegend oder Ausflüge zum Bowling angeboten.

Schwierigkeiten werden gut gemeistert

So werden den Kindern die Freizeitmöglichkeiten in der Nähe ihres Wohnumfelds nähergebracht. Die Betreuung der Flüchtlingskinder ist oft auch eine Herausforderung, da es viele Neuzugänge gibt, grundlegende Verhaltensregeln eingeübt werden müssen oder es einen Streit zu schlichten gibt. Durch die hohe Ausdauer und die warmherzige Art der Jugendlichen werden die Schwierigkeiten jedoch gut gemeistert und es wird individuell auf die emotionalen Bedürfnisse eingegangen. Die Kinder haben innerhalb kürzester Zeit einen großen Sprachfortschritt gemacht, viele konnten bereits in die Regelklasse wechseln, und tolle Freundschaften sind entstanden.

Scheuer fürs Dorf - Heiningen wächst zusammen

Die Vereine im Stadtteil Heiningen bei Backnang hatten es bisher bei schlechtem Wetter nicht leicht, da keine geeigneten Räumlichkeiten für Feste vorhanden waren. Die Zeiten sind vorbei! Auf Initiative des Ortschaftsrats wurde eine alte Scheune zu einer Dorfscheuer ausgebaut. Finanziert wurde das Ganze über die Stadt Backnang und das „Entwicklungsprogramm ländlicher Raum“. In über 3500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurde das alte Gebäude umgebaut. Dabei beteiligten sich die Freiwillige Feuerwehr, der Landfrauenverein und der Obst- und Gartenbauverein. Auch der Ortschaftsrat hat mitgeholfen. Während der Aktion wurde aus den Helfern eine Gemeinschaft, und plötzlich ließen sich auch Streits lösen. Die Dorfscheuer ist mittlerweile zum Mittelpunkt des öffentlichen Lebens geworden. Die Leserinnen und Leser der Backnanger Kreiszeitung würdigten dieses Engagement zum Wohle der Dorfgemeinschaft mit ihrem Leserpreis.

Alle an den Tisch - Die Initiative aus Kernen

Die Leserinnen und Leser des Zeitungsverlags Waiblingen waren in ihrem Votum ganz klar: Dieses geschmackvolle Angebot aus Kernen hat den Leserpreis verdient. Seit dem Jahr 2007 gibt es in Kernen den „Mittagstisch für alle“, ins Leben gerufen von der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde in Kernen, der Landeskirchlichen Gemeinschaft und der evangelisch-methodistischen Kirche in Kooperation mit der Erlacher Höhe. Jeden Donnerstag wird in der Friedenskirche in Rommelshausen ein Mittagstisch angeboten, bei dem jeder willkommen ist. Die Gerichte werden in der Erlacher Höhe zubereitet. Zwei Personen kümmern sich dann um die Ausgabe des Essens und das Kassieren, zusätzlich ist eine Sozialarbeiterin anwesend. Bereits für 4,70 Euro bekommt man eine anständige Mahlzeit, der ermäßigte Preis für Bedürftige beträgt zwei Euro. Im Durchschnitt nehmen jede Woche etwa 50 Personen das Angebot wahr. Die Politik beschwöre zurzeit so oft den Zusammenhalt der Gesellschaft, habe Furcht, dass die Gesellschaft auseinander klaffe, erklärte Chefredakteur Frank Nipkau. Doch im Gegensatz zu diesen Fensterreden praktizierten diese Preisträger die gesellschaftliche Gemeinschaft schon seit bald zehn Jahren.

Die Preise

Die „Initiative Gesundheit im Alter“ und die „Flüchtlinge zu Azubi 17“ fallen in die Kategorie „Alltagshelden“. Der Preis ist mit je 1500 Euro dotiert.

„Salier helfen Saliern“ gehört zur Kategorie „junge Helden“. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

Die „Heininger Dorfscheuer“ und der „Mittagstisch für alle“ gehören zur Kategorie „Leserpreis“. Der Gewinn liegt bei je 1000 Euro.

Im Anschluss an den hiesigen Bürgerpreis qualifizieren sich die Gewinner für den „Deutschen Bürgerpreis“.

Die Sieger werden Ende des Jahres in Berlin geehrt. Dabei können Sachpreise im Wert von 41 000 Euro gewonnen werden.