Waiblingen

Bürgerzentrum: Der Wiederaufbau beginnt

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Drohnenfoto Bürgerzentrum Waiblingen September 2017_0
Das Drohnenbild zeigt den zerstörten Teil des Daches an der Ostseite © Benjamin Beytekin
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April 2017: Die Aufräumarbeiten nach dem Brand im Bürgerzentrum beginnen.

Waiblingen. 13 Stunden dauerte der Brand im Bürgerzentrum in der Nacht vom 28. März. Lager- und Regieräume brannten aus, das Kupferdach wurde zerstört. Doch die große Brandwand zum Ghibellinensaal hielt: das Bürgerzentrum wurde gerettet. Ein halbes Jahr später wird im Zuge des Wiederaufbaus auch der Brandschutz überarbeitet. „Das Konzept war stimmig“, sagt Feuerwehrkommandant Jochen Wolf. In den überarbeiteten Brandschutz seien aber die Erkenntnisse dieser Nacht eingeflossen.

Hell und in bestem Zustand präsentiert sich der Ghibellinensaal auf den ersten Blick. Die Stühle sind gereinigt. Der Brandschutzvorhang an der Bühne abgesaugt, 600 Quadratmeter Kulissenvorhänge sind in der Reinigung. Das durchs Löschwasser an einigen Stellen aufgequollene Parkett ist abgeschliffen und neu eingelassen. Von Wasserschäden ist nichts mehr zu sehen.

360-Grad-Bild: Exklusiver Einblick in den restaurierten Ghibellinensaal im Bürgerzentrum

Keine Spuren mehr vom verheerenden Brand

Nichts im großen Saal deutet auf den verheerenden Brand, der an der Ostseite des Bürgerzentrums ausgebrochen war und rasch auf die Lager- und Regieräume übergegriffen hatte. Dass die Flammen den großen Saal nicht erreichten, ist der großen Brandschutzwand zwischen Lager und Ghibellinensaal zu verdanken. „Die Wand hat funktioniert, das Brandschutzkonzept war in Ordnung“, resümiert Feuerwehrkommandant Jochen Wolf. Kontrolliert wurden im Zuge der Überarbeitung auch die Flucht- und Evakuierungswege, die Zahl der Rauchmelder wurde erhöht. Die Brandwand wird mit der Dachkonstruktion verzahnt, damit der Schutz künftig noch wirksamer ist.

 

Kommende Woche beginnt der Wiederaufbau

Ein halbes Jahr nach dem Brand sind die Abbruch-und Reinigungsarbeiten abgeschlossen. Was vom Löschwasser feucht und klamm war, ist getrocknet, die Schäden sind erfasst. Jetzt beginnt der Wiederaufbau. 80 Prozent der Arbeiten wurden ausgeschrieben und vergeben - meist an Handwerker aus Waiblingen und Umgebung, die schnell loslegen können. Kommende Woche sollen die Ausbaufirmen starten, Anfang Januar wieder Theater und Musicals, Opern und Konzerte im Bürgerzentrum über die Bühne gehen.

Video: Flug über das Bürgerzentrum Waiblingen
 

Es gibt noch viel zu tun

Beim Blick in das ausgebrannte Lager und den Regieraum wird klar: Zu tun ist noch genug. Bis auf den Rohbau ist der östliche Bereich des Bürgerzentrums zurückgebaut. Derzeit wird die Holzkonstruktion unterm Dach errichtet, darüber kommt dann ein neues Kupferdach, das besonders robust sein soll. In der Werkstatt war der Wasserschaden immens. Die Armierung muss saniert, Kabel und Elektrik erneuert werden. „Hier hat es komplett gebrannt“, sagt Feuerwehrkommandant Jochen Wolf, der den Einsatz im März mit mehr als 100 Einsatzkräften geleitet hat. Schwer beschädigt wurden auch Licht- und Tontechnik, Stromkabel schmolzen durch die gewaltige Hitze von 600 Grad geschmolzen. Auch die frisch sanierte Tiefgarage wurde in Mitleidenschaft gezogen: Wasser floss durch die Fugen.

 

Arbeiten sind im Zeitplan

Mit den Arbeiten liegt die Stadt gut im Zeitplan. „Wir sind zuversichtlich, dass wir Anfang Januar mit dem Betrieb starten können“, sagt Hochbau-Abteilungsleiterin Astrid Rheiner, die für den Wiederaufbau federführend ist. Nachdem 1400 Stühle weggebracht und gereinigt zurückgebracht wurden, ist im großen Stuhllager jetzt der Estrich aufgebracht. Im Oktober beginnen die Arbeiten in der Kegelbahn: die sechs Bahnen bekommen einen neuen Belag. Bis Mitte November soll das neue Kupferdach fertig sein. 600 000 Euro wurden bereits verbaut, Aufträge für weitere 600 000 Euro sind vergeben, und das ist noch lange nicht das Ende. Für die Brandschäden kommt die Versicherung auf, Ausgaben für die Optimierung bleiben bei der Stadt.

„Treue der Kunden ist wichtig für den Spirit“

Dass das Bürgerzentrum auf einem sehr guten Stand war, weiß man nicht erst seit die Stadt mit ihren Veranstaltungen auf auswärtige Spielstätten ausweichen musste. „Wir haben ein Klassehaus“, schwärmt Thomas Vuk, Fachbereichsleiter Kultur und Sport, dessen eigenes Büro unter dem Dach des Bürgerzentrums ebenfalls zerstört wurde. Nach der Trocknung haben aber auch hier die Ausbaufirmen inzwischen losgelegt. „Unsere Kunden buchen ihre Abonnements. Sie freuen sich, dass es bald weitergeht.“ Auch wenn bis Dezember noch in die Liederhalle, in die Schwabenlandhalle und nach Kornwestheim ausgewichen werden muss: Abmeldungen gebe es keine, was Vuk ganz besonders wichtig ist: „Die Treue der Kunden ist wichtig für den Spirit.“

 

Der Prozess beginnt

Die Spur des 22-jährigen Deutschen kam die Polizei über die Auswertung von Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras bei den Abfallcontainern und in der Tiefgarage.
Identifizieren konnte die Kripo den Täter, weil er auch in der Tiefgarage seine Spuren hinterlassen hatte. Dort hatte er sich an der Wand abgestützt, was die Überwachungskamera festgehalten hatte. Die Polizei konnte einen Fingerabdruck des Täters sicherstellen, bei dessen Abgleich zeigte sich: Der Mann war der Polizei wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung bereits bekannt.