Waiblingen

Bahnhof Waiblingen: OB Andreas Hesky drängt auf rasche Sanierung

IBA Exkursion
Der Bahnhof Waiblingen wurde Anfang der 80er errichtet. Nun will ihn die Deutsche Bahn von 2022 an umbauen und begrünen. © ZVW/Gabriel Habermann

Der Weg zu einem moderneren Waiblinger Bahnhof mit einem eventuell tiefer gelegten Busbahnhof und neuen Wohnformen steckt voller Hürden. Das wurde bei einem Vor-Ort-Termin am Donnerstag mit Vertretern der Bundesstiftung Baukultur und der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA) deutlich. Ohne die Grundstückseigentümer, allen voran die Deutsche Bahn, wird nichts vorwärtsgehen – und dabei gibt es für die Stadt bei der DB längst keinen zentralen Ansprechpartner. Oberbürgermeister Andreas Hesky machte klar, dass er es bei der Bahn mit zehn bis 20 verschiedenen Stellen zu tun hat. Und wenn er eine Antwort wolle, heiße es immer: „Das muss ich mit dem Konzern abklären.“

Es wäre eines der ersten begrünten Bahnhofsgebäude in Deutschland

Grundsätzlich sind die Bahn und die Firma Lidl als zweite Eigentümerin bei der Neugestaltung dabei. Das haben sie bereits im Sommer mitgeteilt. Wie und wann genau alles umgesetzt werden soll, darüber gibt es indes unterschiedliche Auffassungen. Hesky pochte darauf, dass die Bahn die ankündigte Sanierung zügig angeht und nicht weiter verschiebt. Eine Diskussion über einen etwaigen Abriss des Bahnhofsgebäudes aus den frühen 80ern würde die Neugestaltung wohl noch weiter verzögern. Die Bahn hatte auch erklärt, dass sie einen Umbau anstrebt. Dabei soll das jetzige Gebäude unter anderem eingegrünt werden und auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage erhalten. Der Waiblinger Bahnhof wäre einer der ersten in Deutschland mit solch einer begrünten Fassade.

Dächer am Bahnhof wurden bereits saniert

Auch das Reisezentrum würde sich ändern: Es öffnet sich zum Durchgang und zum Vorplatz, die jetzt bestehenden Fahrkartenautomaten werden dann Teil des Gebäudes. Die Dächer am Vorplatz und Bahnsteig hat die Bahn bereits in den vergangenen Jahren saniert. Im Bahnhofsgebäude sind übrigens auch Ärzte und eine medizinische Fußpflege untergebracht.

Klar ist indes, dass die Internationale Bauausstellung 2027 genutzt wird, um den Bahnhof zu modernisieren. Bereits jetzt bietet das elf Hektar große Plangebiet einiges, was vielen Bahnhöfen in Deutschland fehlt. So gibt es etwa das 2020 eröffnete Radhaus, in dem Fahrräder sicher abgestellt werden können. Der Vermietungsstand liegt laut OB Hesky mittlerweile bei 50 Prozent. Positiv sieht der OB auch die Lage auf dem benachbarten Gelände des ehemaligen Hotels Koch. Für 22 Millionen Euro baut dort Investor Harald Panzer ein „Loginn Achat“-Hotel mit 136 Zimmern.

Chef der Bundesstiftung Baukultur rät, die Hochschulkompetenz von Lidl zu nutzen

Reiner Nagel, Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, fand, dass auch ein Umbau des Bahnhofsgebäudes schön werden könne. Er empfahl, dass die Stadt Waiblingen die Hochschulkompetenz von Lidl und der Dieter-Schwarz-Stiftung nutzt und hier etwas am Bahnhof realisiert. IBA-Projektleiter Hans-Peter Künkele warb ebenfalls für „hochschulaffine Nutzungen“ und verwies aufs Vorbild Nürtingen, wo wegen der IBA ein acht Hektar großes Areal am Bahnhof neu gestaltet wird.

Neue Wohnformen am Bahnhof Waiblingen geplant

Mit Blick auf das neue Parkhaus am Bahnhof, das im November 2021 eröffnen soll, mahnte Künkele, dass Parkhäuser künftig multifunktional und aus recycelbarem Material sein müssten. Er fand zudem, dass die derzeit üppigen Grünflächen am Bahnhof eher eine Barriere darstellen. Er regte an, den Bahnhof sehr dicht zu bebauen, und begrüßte die geplanten gemischten Wohnformen. Angedacht ist zum Beispiel, dass Unternehmen Wohnungen bekommen können, in denen sie dann Mitarbeiter unterbringen können. Geben soll es auch WGs, sei es für Studenten oder Senioren. Eine Lehre aus der Umgestaltung von Bahnhöfen sei nämlich, dort nicht nur Einzelhandel und Dienstleistungen unterzubringen: Solche Viertel seien nämlich in den Abendstunden sehr leer.

(Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde geändert. Dass dem Oberbürgermeister der  Abriss des Bahnhofsgebäudes lieber gewesen wäre, stimmt nicht.)

Der Weg zu einem moderneren Waiblinger Bahnhof mit einem eventuell tiefer gelegten Busbahnhof und neuen Wohnformen steckt voller Hürden. Das wurde bei einem Vor-Ort-Termin am Donnerstag mit Vertretern der Bundesstiftung Baukultur und der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA) deutlich. Ohne die Grundstückseigentümer, allen voran die Deutsche Bahn, wird nichts vorwärtsgehen – und dabei gibt es für die Stadt bei der DB längst keinen zentralen Ansprechpartner. Oberbürgermeister Andreas Hesky

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