Waiblingen

Bauernhof-Kita in Waiblingen-Hohenacker: Wie Kinder den Umgang mit Tieren lernen

Bauernhof-Kita
Zusammen mit einem Kind der Bauernhof-Kita führt Lena Reppekus Shetlandpony Pünktchen durch einen Parcours. © ZVW/Alexandra Palmizi

Jeden Morgen bringen die Kinder der Bauernhof-Kita den Hühnern und Enten Wasser. Auch an frisches Gras wird an diesem Dienstagmorgen gedacht. Auf dem Zillhardtshof bei Hohenacker lernen die Mädchen und Jungen, mitzuhelfen – und die Bedürfnisse der Tiere zu respektieren. Die wollen schließlich nicht die ganze Zeit gestreichelt werden, sondern brauchen auch ihre Ruhe.

„Oben dürfen wir nicht stören“, sagt Sonja Bati einem Jungen, der unbedingt in den oberen Bereich des Hühner- und Entenstalls gehen möchte. Das geht aber nicht, schließlich brüten die Tiere dort gerade. Es ist kurz vor 9 Uhr, bald beginnt der Morgenkreis auf den Baumstümpfen, draußen vor der Eingangstür der Kita. Zuvor haben die Kinder bereits gemeinsam gefrühstückt. Acht besuchen derzeit die Kita, weitere Neuaufnahmen sind schon geplant. „Bis zu den Sommerferien sind wir zehn“, sagt Sonja Bati, die mit ihrem Mann Aytekin Bati die Bauernhof-Kita ins Leben gerufen hat.

Die Stadt Waiblingen hat im April 2021 den Bauantrag genehmigt

Im August 2020 reichte die studierte Erziehungswissenschaftlerin den Bauantrag ein, der von der Stadt Waiblingen im April 2021 genehmigt wurde. Den Betrieb gestartet hat die Bauernhof-Kita bei Hohenacker im September 2021, mit zunächst zwei Kindern. Die Zahl wuchs auf sechs an, bis es während der Wintermonate einen vorübergehenden Aufnahmestopp gab. Nach den Sommerferien 2022 sollen es dann elf oder zwölf Kinder sein, welche die Kita besuchen. Aufgenommen werden indes nur Jungs und Mädels, die mindestens drei Jahre alt sind.

Flexibilität ist Teil des pädagogischen Konzepts

Gerade beschäftigen sich die Kinder intensiv mit Regenwürmern. Sie haben nämlich kürzlich einige entdeckt, als sie mit den Schaufeln auf der Fläche zwischen Hühnerstall und Sandkasten gewerkelt haben. Eva Klinik, gelernte Heilerziehungspflegerin mit zusätzlicher Erfahrung in Theaterpädagogik, greift nun mit ihren Kolleginnen das Thema weiter auf. Diese Flexibilität ist Teil des pädagogischen Konzepts. Das heißt aber nicht, dass auf der Bauernhof-Kita jeder machen kann, was er will. Das wird schnell deutlich, als Eva Klinik die Kinder vor dem Stall zum 9-Uhr-Morgenritual einsammelt. Sie macht eine kurze, klare Ansage – und alle Kinder eilen nach oben zu den Baumstümpfen.

Morgenkreis in der Bauernhof-Kita mit Liedern

Dort im Morgenkreis wird erst mal ein gemeinsames Lied angestimmt. „Guten Morgen, guten Morgen, wir winken uns zu“, singen die Kinder und bewegen dazu ihre Hände. Auf die gleiche Melodie wird gleich darauf eine andere Strophe gesungen. „Guten Morgen, guten Morgen, wir klatschen uns zu.“ Dann gibt es noch Versionen mit einem Tanz, Kopfnicken und stampfenden Füßen. Beim nächsten Lied geht es wieder um das Thema Regenwurm, das die Kinder gerade so interessiert. Erst kommt die schwäbische Variante („Sitzt a Würmle aufm Türmle“), dann die hochdeutsche („Sitzt ein Wurm aufm Turm“) und als letztes die hessische. Im Anschluss will Eva Klinik von den Kindern wissen, was sie sich zum Thema Regenwurm gemerkt haben. „Sie verteilen ein bisschen Kot“, sagt ein Mädchen. Und warum kommen sie immer raus, wenn es regnet? „Weil unter der Erde alles voll Wasser ist“, antwortet das Mädchen.

Nach dem Morgenkreis verlassen die Kinder gemeinsam mit Eva Klinik die Bauernhof-Kita und spazieren zu einem Nachbarhof. Dort hat Lena Reppekus schon alles für den Parcours mit Shetlandpony Pünktchen vorbereitet. Die junge Frau aus Hohenacker arbeitet eigentlich als Pflegefachkraft. In der Bauernhof-Kita engagiert sie sich seit Herbst 2021 nebenbei, so wie es ihre Schichten im Altenheim zulassen. „Ich bin ehrenamtlich Übungsleiterin fürs Reiten.“

Pflegefachkraft Lena Reppekus bereitet einen Parcours fürs Pony vor

An diesem Dienstag nun steht die sogenannte Bodenarbeit auf dem Programm, bei der das Tier vom Boden aus angeleitet wird. Shetlandpony Pünktchen wird dazu an einem Strick geführt, der am Halfter befestigt ist. Jedes Kind darf mit dem Tier einmal eine Runde auf dem Parcours aus Sand gehen. Es gilt dabei, mit dem Pony einen Slalom aus mehreren roten Hütchen zu meistern, danach über zwei auf dem Boden liegende Stangen zu gelangen und einen Autoreifen zu umrunden. Zum Schluss muss Pünktchen über ein nicht aufgeblasenes altes Planschbecken steigen. Pferde, sagt Lena Reppekus, seien eigentlich Fluchttiere, von daher müsse man so etwas üben. Für Pünktchen sei das aber kein Problem – dafür etwas anderes: „Die hat nicht so viel Geduld – die mag das Stehen nicht so.“

Heilerziehungspflegerin Eva Klinik: „Jetzt bedankt ihr euch bei der Lena“

Den Kindern fällt es auch sichtlich schwer, aufmerksam demjenigen zuzuschauen, der gerade das Pony führt. Eva Klinik spricht sie am Ende darauf an. „Ich finde es immer ein bisschen schade, dass ihr euren Freunden nicht zuseht.“ Dann erinnert sie die Mädchen und Jungs daran, dass Lena Reppekus extra in ihrer Freizeit den Parcours aufgebaut hat. „Jetzt bedankt ihr euch bei der Lena“, sagt sie – und prompt sind viele „Danke“-Rufe zu hören.

Bauernhof-Kita auf dem Zillhardtshof hat von 7.30 bis 14.30 Uhr geöffnet

Danach geht es zurück zur Kita. Bald wird das Mittagessen frisch gekocht, auch hier wird der Nachwuchs in der Regel einbezogen. Bis 14.30 Uhr können die Kinder bleiben, dann müssen sie spätestens abgeholt werden. Maximal sieben Stunden können die Jungs und Mädchen bleiben, wobei die Eltern sie nicht zwingend pünktlich um 7.30 Uhr vorbeibringen müssen. „Wir sind da sehr flexibel“, sagt Eva Klinik, die mit ihrer Kollegin Corinna Bauer die Kinder betreut. Während sie so über ihre Arbeit redet, kommt ein Junge und erzählt von seinem kleinen Missgeschick, das ihm gerade widerfahren ist. Ihm fiel ein rohes Ei auf den Boden. Als er Eva Klinik die Stelle zeigt, wundert er sich, warum das Ei zwei Dotter hat – und nicht wie üblich einen.

Auch für die gelernte Heilerziehungspflegerin bietet jeder Tag auf der Bauernhof-Kita viele Überraschungen. Sie schätzt vor allem die Möglichkeit, sich aktiv mit Ideen einzubringen. Alles ist schließlich im Aufbau. „Es ist einfach noch ein Abenteuer.“

Jeden Morgen bringen die Kinder der Bauernhof-Kita den Hühnern und Enten Wasser. Auch an frisches Gras wird an diesem Dienstagmorgen gedacht. Auf dem Zillhardtshof bei Hohenacker lernen die Mädchen und Jungen, mitzuhelfen – und die Bedürfnisse der Tiere zu respektieren. Die wollen schließlich nicht die ganze Zeit gestreichelt werden, sondern brauchen auch ihre Ruhe.

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„Oben dürfen wir nicht stören“, sagt Sonja Bati einem Jungen, der unbedingt in den oberen Bereich des Hühner-

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