Waiblingen

Bekommt der Tierschutzverein Waiblingen Corona-Hilfe vom Land?

Tierschutzverein
Zehn Katzen hat der Tierschutzverein Waiblingen im April untergebracht. © Benjamin Büttner

Damit die Tierheime und Tierschutzvereine unbeschadet durch die Corona-Krise kommen, stellt das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz ein Sofort-Hilfsprogramm in Höhe von 500 000 Euro bereit. Die finanzielle Unterstützung solle zwischen 2500 und 7500 Euro ausfallen, hat Minister Peter Hauk (CDU) in einer Pressemitteilung angekündigt. Mit diesem Beitrag sollen die Tierschützer „ihren wichtigen gesellschaftlichen Auftrag weiter ausüben können“. Tierheime und tierheimähnliche Einrichtungen können seit Anfang Mai ihre Anträge stellen.

Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg hat bereits im April Unterstützung der Politik und der Mitmenschen gefordert. „Die Tierheime und ihre Mitarbeiter arbeiten unter Hochdruck, um das normale Alltagsleben trotzdem bestmöglich aufrechtzuerhalten und es den anvertrauten Schützlingen an nichts fehlt. Das trifft ebenso auch auf Tierschutzvereine mit extremen Pflegestellen zu“, hieß es in einer Mitteilung.

Kein eigenes Tierheim, aber Kosten

Auch der Waiblinger Tierschutzverein hofft auf Unterstützung vom Land. Allein im Monat April habe der Verein, der ausschließlich auf ehrenamtliche Helfer setzt, 27 Tiere untergebracht, davon 14 Kleintiere wie Vögel und Kaninchen, zehn Katzen und drei Hunde. „Der Tierschutzverein besitzt kein eigenes Tierheim“, sagt Annemarie Werner, die Vereinsvorsitzende. „Wir haben verschiedene Pflegestellen.“ Dabei handelt es sich um private Haushalte. „Wenn wir die Ehrenamtlichen nicht hätten, hätten wir ein Problem. Ehrenamt spart jedem Verein immens Geld.“

Dennoch entstehen Kosten: Die aktiven Mitglieder müssen die Spritkosten aus ihrer eigenen Tasche bezahlen, etwa wenn sie zum Tierarzt fahren. Auch die Futterkosten müssen trotz Krise finanziert werden, sagt Annemarie Werner. Ob Corona oder nicht, die Tiere fressen die gleiche Menge. Immerhin: Es sei coronabedingt zu keiner verspäteten Futterlieferung gekommen. Alles werde vorausgeplant und bestellt. „Auch wenn das Futter ein paar Tage später kommt, macht das nichts aus“, sagt Werner.

Mehr Tiere werden abgegeben

Trotzdem hatten die Tierschützer in letzter Zeit mehr zu tun als sonst: „Es werden mehr Tiere abgegeben, weshalb auch immer.“ Eine Erklärung hierfür hat sie nicht, umso mehr findet sie es wichtig, dass der Tierschutzverein finanziell unterstützt werden soll. Denn mehr Tiere bedeuten auch steigende Kosten.

„Für die Tierheime ist es einfacher“

„Wir finanzieren uns durch Mitgliederbeiträge, Spenden und Fundtierpauschalen von Kommunen“, erklärt Werner. Die rund 300 Mitglieder des Vereins zahlen jeweils 20 Euro Beitrag im Jahr.

Ob und wie der Tierschutzverein einen Antrag auf Corona-Hilfe beim Land stellt, ist noch offen. Man warte auf Informationen vom Deutschen Tierschutzbund zu diesem Thema, sagt Werner. „Wenn’s die Möglichkeit gibt, werden wir auch unser Glück versuchen.“ Der Verein müsse zuerst überprüfen, was er geltend machen kann. „Für die Tierheime ist es einfacher“, sagt Werner. Diese hätten Fixkosten, die jederzeit gemessen werden können. Beim Tierschutzverein sei das anders: „Wir haben Arztkosten, Futterkosten und Spritkosten – Ehrenamt kann man schlecht messen.“ Sie versichert, das Geld werde in den Betrieb hineinfließen und den Tieren zugutekommen.

Ehrenamtliche Betreuer nehmen die Schützlinge privat auf

Weil der Verein kein eigenes Tierheim hat, nehmen ehrenamtliche Betreuer die Schützlinge auf. Etwa drei oder vier Personen nehmen die Tiere entgegen, wenn sie abgegeben werden. Damit ist die Arbeit noch nicht getan, die Tiere müssen tierärztlich untersucht werden, bevor sie zu den Pflegestellen gebracht werden. Dabei handelt es sich um Privatleute, die die Tiere so lange betreuen, bis sie an ihre neuen Besitzer vermittelt werden können. Wer sich dazu bereiterklärt, zugelaufene oder abgegebene Tiere bei sich in der Wohnung aufzunehmen, wird laut der Vorsitzenden zunächst unter die Lupe genommen.

„Wir machen eine Platzkontrolle“, sagt Annemarie Werner, die sich seit 15 Jahren im Verein engagiert. Dabei überprüften Mitglieder des Vereins, ob die Pflegestelle alle Anforderungen erfüllen. Der Verein setzt voraus, dass der Betreuer sich mit Tieren auskennt und das erforderliche Wissen und Erfahrung mitbringt. Auch die Wohnverhältnisse sollten sich für eine Tieraufnahme eignen.

Tierschutzverein übernimmt die anfallenden Kosten der Pflegestellen

Wenn dagegen nichts spricht, wird die neue Bleibe des Tieres mit Futter und Tierstreu versorgt, sagt Werner. Darüber hinaus übernimmt der Tierschutzverein die anfallenden Kosten der Pflegestellen für Futter und tierärztliche Behandlungen. Wie hoch die Summe dabei ausfalle, kann die Vereinsvorsitzende nicht beziffern. Es sei bei jedem Tier unterschiedlich.

Betreuer haben weniger Zeit

Welche Auswirkungen hat die Pandemie sonst auf die Arbeit der ehrenamtlichen Tierschützer? „Alles ist ein bisschen zeitaufwendiger und komplizierter geworden“, sagt Werner. Vor der Krise habe sich die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt, nun fielen einige der Helfer wegen der Arbeit oder wegen einer Ansteckungsgefahr weg. Insbesondere bei Menschen, die in systemrelevanten Berufen wie im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung arbeiten und deshalb kein Tier bei sich aufnehmen können, weil sie in der angespannten Gesundheitssituation noch mehr Schichten leisten müssen. Deshalb ist Annemarie Werner für jeden einzelnen Helfer dankbar.

Damit die Tierheime und Tierschutzvereine unbeschadet durch die Corona-Krise kommen, stellt das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz ein Sofort-Hilfsprogramm in Höhe von 500 000 Euro bereit. Die finanzielle Unterstützung solle zwischen 2500 und 7500 Euro ausfallen, hat Minister Peter Hauk (CDU) in einer Pressemitteilung angekündigt. Mit diesem Beitrag sollen die Tierschützer „ihren wichtigen gesellschaftlichen Auftrag weiter ausüben können“. Tierheime und tierheimähnliche

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