Waiblingen

Bernd Friedrich starb an Herzversagen

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Das im Landratsamt ausliegende Kondolenzbuch für Bernd Friedrich. © Landratsamt
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Am Montag, den 2. Januar waren die Gebäude der Kreisverwaltung mit Trauerflor beflaggt. © Leonie Kuhn

Waiblingen/Remseck. Just an dem Tag kam er noch ins Amt. Arbeiten. In der Nacht dann, wie es medizinisch lapidar richtig heißt: Herzversagen - „völlig überraschend“. Der Erste Landesbeamte im Landratsamt, Bernd Friedrich, 56 Jahre jung, ist am Freitag, 30. Dezember gestorben. Er hinterlässt in Remseck seine Frau und drei Kinder.

Die Erklärungsnot ist groß. Die Schockstarre auch. Da steht ein Mann wirklich noch mitten im Berufsleben. Sah nie ungesund aus. Ein Typ von der Statur her, dem man auch zugetraut hätte, Marathon zu laufen. Ein Mann, in jeder Beziehung, der Mäßigung. Die erlegte ihm auch seine tiefe Grundierung als Christ auf. Er engagierte sich in der evangelisch-methodistischen Kirche, predigte auch immer wieder. Saß als Kirchenvertreter im Rundfunkrat des SWR. Wohl hat er sich auch parteipolitisch engagiert, aber eher „hälinge“, wie man hier sagt. Seine Internetseite für die CDU in Remseck enthält nichts, was als Scharfmacherei bezeichnet werden könnte. Friedrich, der gelernte Jurist, wusste, was von ihm gefordert war. Großes Wort, aber es gilt wohl: zu dienen, dem Land. Der jeweiligen Aufgabe, die er übertragen bekam. Und Verwalten, eben an der Spitze, das war sein Job. Der Titel sagt es schon: Erster Landesbeamte. Die Landräte ganz oben an der Spitze: Die haben auch mal zu gestalten, wenn denn Geld da ist.

Ex-Landrat Fuchs: „Wir haben uns gut ergänzt“

Am längsten hat Friedrich unter Johannes Fuchs gedient, in Anführungsstrichchen. Fuchs erinnert sich gerne zurück an eine produktive Zeit mit seinem Stellvertreter. Fuchs, der Politikwissenschaft studiert hatte, ließ sich dann vom Juristen den rechtlichen Hintergrund erklären, „während ich eher der praktische, pragmatische Mensch war. Wir haben uns gut ergänzt.“

Verwaltungsferne Menschen wie wir Journalisten erlebten ihn als einen Gesprächspartner und Sitzungsleiter, der mit schierem Freundlichsein überzeugen wollte. Gepaart mit dem besseren Argument. Die Worte, die er wählte – immer von Umsicht geprägt. Die Gabe der Rede – durchaus vorhanden, wenn auch nicht sprühend. Die Wirkung auf andere – war ihm wichtig.

Irgendwie erschien er einem als der in die Praxis gewendete neue Mann. Wenn dann der Langweiler-Vorwurf rausgeholt wird, je nun, dann muss man fragen, wie wir sie denn gerne hätten, die Führungskräfte und die Entscheider. Denn egal, wen man fragt, ein jeder stellt das Menschliche in den Vordergrund bei der Personenbeschreibung. Fuchs sagt, Friedrich war eine der „wesentlichen Säulen in der Führungsmannschaft, die vielfach im Schulterschluss, im Team gestaltete.“ Wieder ist da die Rede vom „freundlichen, ausgleichenden Menschen“, der einen fairen Umgang mit Mitarbeitern praktiziert habe. „Klar in der Ansage, aber auch verbindlich im Ton.“ Ein Mann mit Gesprächskultur.

Klimaschutzprogramm wurde auch Berufung

Begonnen hatte Friedrich in Waiblingen noch unter Horst Lässing. Er, der Ex-Ex-Landrat kann sich auch nicht vorstellen, dass ein Bernd Friedrich den harten Hund raushängt. Als „sehr zuverlässig, sehr kenntnisreich“ hat er seinen damals noch jungen Stellvertreter erlebt. Geprägt von Solidarität und Mitmenschlichkeit. Da war für den uneingeschränkten Herrscher über Rems und Murr sehr wohl auch „a bissle Ehrgeiz“ beim Neuen zu spüren. Der ja auch nicht wirklich ein Frischling war. Weil früh zum Ministerialrat befördert. Die Führungsakademie des Landes schloss er als Jahrgangsbester ab.

Absolut zur Bewährungsprobe geriet die Abfallkrise im Kreis. Der AWG-Skandal brauchte einen Unverbrauchten von außen. An Friedrich erging die Order nach der Entbindung des Geschäftsführers vom Amte, einzuspringen. Das Klimaschutzprogramm des Kreises wurde ihm nicht nur Aufgabe, sondern hörbar auch Berufung. Als der neue Landrad Richard Sigel ins Amt gesetzt wurde, überfiel den die Flüchtlingskrise. Sigel agierte souverän. Aber die Kärrnerarbeit hatte doch Friedrich zu leisten.

Richtig angreifen war nicht seine Stärke

Friedrich und der Aufstieg zum Landrat. Für die Stelle in Böblingen hat er es mal versucht. Es klang nicht wirklich angreiferisch. Wohl um überhaupt einen Hut in den Ring zu werden, trat er auch für die Fuchs-Nachfolge an. Mit Null-Komma-Null-Chancen, wie ihm Kreisräte schnell signalisierten. Um dann, während des legendären Speed-Dates, doch zu konstatieren, dass sie den Friedrich wohl unterschätzt haben. Die Wechselfälle des kommunalen Lebens wollen es, dass jetzt einer im Amt ist, der von Friedrich als Referendar betreut wurde.

Seine Auftritte hatten etwas Bemühtes. Der Jurist an sich wird ja auch nur schwer den Ruf los, knochentrocken zu sein. Friedrich aber wollte es recht machen beim Geltendmachen des Rechts. Dann trifft es so einen auch, wenn mal was daneben geht. Und nur deshalb sei hier eine kleine Gesichte angefügt. Um zu zeigen, dass es gerade so jemandem zu Herzen geht, wenn etwas nicht klappt. Möglicherweise das Briefing durch die Mitarbeiter nicht optimal war. Und er dann dasteht ohne Früchte. Wie 2014 nach der Wahl des neuen Kreistags. Im Jugendhilfeausschuss, den er leitete, galt es ausscheidende Kreisrätinnen zu würdigen. Für zwei hat er gewisslich schöne Worte gefunden. Die Zeremonie zieht sich, man(n) will ja gerade dann nichts falsch machen. Aber auf seine nur hingeworfene Schlussfrage „Jemanden vergessen?“ meldete sich doch tatsächlich jemand. Gislind Gruber-Seibold ward nicht umsponnen von ihm. Und war darob auch nicht amüsiert. Es ist müßig, sich zu fragen, wie ein Fuchs oder Sigel auf diesen Fauxpas reagieren würden. Friedrich bat Gislind Gruber-Seibold, selber etwas über ihr Wirken zu sagen. Es kam nicht gut an.

Es macht wahrlich betroffen

Jetzt aber hat man es mit einer Nachricht zu tun, die einen nur entsetzen kann. Im Landratsamt finden sich Menschen, die spontan meinen, gleich morgen zur Herzuntersuchung gehen zu müssen. Es macht wahrlich betroffen. Richard Sigel, der Amtierende, lässt ausrichten: „Die Erkenntnis, dass Bernd Friedrich nicht mehr unter uns weilt, ist für mich immer noch unfassbar. Meine Gedanken und mein Mitgefühl und das vieler Wegbegleiter in Kreispolitik und Kreisverwaltung sind bei seiner Frau und seinen drei Kindern.“

Trauergottesdienst am Samstag

Der Trauergottesdienst zum Tod von Bernd Friedrich findet am Samstag, 7. Januar, um 11 Uhr in der Christuskirche Waiblingen statt, Bismarckstraße. Am Montag waren die Gebäude der Kreisverwaltung mit Trauerflor beflaggt. So wird es auch am Tag der Trauerfeier sein. Im Foyer des Landratsamts liegt ein Kondolenzbuch aus.

Richtig staatstragend geriet Bernd Friedrich die Ansage, warum er letztlich doch nicht kandidiert für die Fuchs-Nachfolge. Im Feld der Bewerber fand er „mehrere geeignete“. Und denen traute er eine „professionelle Führung des Landkreises und seiner Verwaltung zu“. Da tritt er doch ganz nobel zurück: „Ich will mich deshalb gerne weiter als Erster Landesbeamter dafür einsetzen, auch den gewählten neuen Landrat mit Engagement und Erfahrung tatkräftig zu unterstützen, soweit dies gewünscht.“ Fürwahr: Für Illoyalität gegenüber dem neuen ist Friedrich nie bekannt geworden.