Waiblingen

„Betrunkene, pöbelnde Klientel mit lauter Musik“: Wie kann Waiblingen den Postplatz verbessern?

PostplatzWN
Keine Schönheit: Der Postplatz. © Gaby Schneider

Eigentlich ist der Postplatz das Tor zur Innenstadt und zur Fußgängerzone. Doch viele Waiblingerinnen und Waiblinger sind nicht glücklich mit ihm. Das zeigen einmal mehr die Reaktionen auf unsere Berichterstattung über das Vorhaben der Stadt, ihn aufzuwerten. Einige Leserinnen und Leser nennen konkrete Vorschläge, andere bezweifeln, dass überhaupt noch wesentliche Verbesserungen möglich sind.

Eine Leserin bescheinigt dem Postplatz durchaus Potenzial: „Drum herum haben wir viel Einzelhandel, VHS, Gastro - es gibt hier eine starke Frequentierung.“ Die Nähe zur Talaue und zur Altstadt sei „genial“. Umso besser sei’s, wenn die „Bausünde Postplatz“ nun zur „Chefsache“ erklärt werde. „Dieser nüchterne, lieblose Betonklotz als Tor für Besucher in Waiblingen wirkt leider unattraktiv und lädt uns Bürger leider nicht zum Verweilen ein. Man huscht halt drüber.“ Die Leserin träumt von einer italienischen Piazza. „Hier sitzt man auf Bänkle zum Schwätzen. Ein Brunnen plätschert dort auch. Märkte finden hier statt. Man sitzt unter schattigen Bäumen.“ Alternativ könnten es auch eine Pergola oder Schirme sein. „Betrunkene, pöbelnde Klientel mit lauter Musik“ hingegen sei nicht einladend. Die durchfahrenden Autos machten den Platz unwirtlich und gefährlich.

Spießrutenlauf zur Passage

Eine Waiblinger Familie erkennt an, dass klimatische, städteplanerische Überlegungen wie zum Aufbrechen versiegelter Flächen oder Anlegen von Grünflächen und Baumbeständen die Aufenthaltsqualität merklich steigern würden. Das treffe für den Marktplatz oder den Galerieplatz mindestens genauso zu. Als gravierender wird die gewisse „Klientel“ empfunden. Von Lärm und Pöbelei ist die Rede, die den Gang über den Platz und durch die dunkle Passage „eher zu einem Spießrutenlauf denn zu einem Genusserlebnis“ machten. Die Familie rät zum Einsatz von Streetworkern und des Ordnungsamts.

Betonklötze begrünen

Eine Dame meidet die Passage wegen „Gestreite und Geschubse“ auf der Sitztreppe. „Wenn man wirklich willens wäre, die Situation zu verändern, hätte man das schon lange machen können: einen Fußweg anlegen auf dem nicht rumgestanden wird, Aufenthaltsverbot in der Passage, großes Schild, auf dem Alkoholverbot und Musikverbot steht. Natürlich sollte man das auch kontrollieren und bei Verstoß sanktionieren.“ Die Leserin betrachtet die Situation resigniert: „Ich bin absolut dagegen, nach so kurzer Zeit wieder dafür Geld zu investieren. Jetzt müssen wir mit dem Mist eben leben und das Beste daraus machen.“

Aber es ist nicht nur die „Klientel“, sondern auch das Klima am „Hotspot Postplatz“, einem der heißesten Orte der Stadt. Ein Waiblinger konstatiert: „Die große Betonfläche am Gebäude, in dem die H&M-Filiale ist, sieht zum einen furchtbar öde aus, speichert zudem auch die Sonnenwärme und strahlt diese auf den Postplatz ab.“ Auf dem Rand des Flachdachs sollten daher Pflanzkübel mit Rankpflanzen wie wildem Wein oder Efeu angebracht werden. Diese Rankpflanzen würden von oben die große Gebäudefläche begrünen, ohne dass Pflanzkübel die Verkehrsfläche des Postplatzes verstellen. Außerdem könnten über der Treppe und der Gasse zwischen den Gebäuden des Postplatz-Forums von Dachkante zu Dachkante Drahtseile gespannt werden, so seine Anregung. Die schluchtartigen Durchgänge könnten damit das Flair eines großen Laubenganges bekommen. Auf ähnliche Art würden Parkplätze hinter der Netto-Filiale Bahnhofstraße beschattet.

Parkhaus-Zufahrt verlegen

Über Grün am Postplatz hätte man sich schon vor dem Umbau auseinandersetzen können, kommentiert ein Leser frustriert. „Jetzt ist es zu spät.“ Der frühere Postplatz habe mehr Grün gehabt. Jetzt könne nur noch über eine großflächige Überdachung nachgedacht werden – „und etwas mit fließendem Wasser“.

Der Postplatz soll so vieles auf einmal sein: Einkaufsschwerpunkt, Tor zur Altstadt, Treffpunkt – und Tiefgaragen-Zufahrt. „Die Aufenthaltsqualität des Postplatzes steht und fällt mit der Zu- und Abfahrt der Tiefgarage Querspange“, analysiert ein Waiblinger. Bleibe die Einfahrt, wo sie ist, sei „jedes weitere Bemühen nur Kosmetik“. Die Tiefgarage müsse über die nahe gelegenen Tiefgaragen Postplatz-Forum und/oder Volksbank erschlossen oder die Einfahrt verlegt werden.

Über Verbesserungen mache sich die Stadtverwaltung „intensiv Gedanken“, bestätigte kürzlich OB Sebastian Wolf, der damit auch ein Wahlkampf-Versprechen einlöst. Klar sei: „Dieser Platz braucht mehr Aufenthaltsqualität.“ Durch die Gegebenheiten wie unterirdische Leitungen seien die Möglichkeiten aber eingeschränkt.

Eigentlich ist der Postplatz das Tor zur Innenstadt und zur Fußgängerzone. Doch viele Waiblingerinnen und Waiblinger sind nicht glücklich mit ihm. Das zeigen einmal mehr die Reaktionen auf unsere Berichterstattung über das Vorhaben der Stadt, ihn aufzuwerten. Einige Leserinnen und Leser nennen konkrete Vorschläge, andere bezweifeln, dass überhaupt noch wesentliche Verbesserungen möglich sind.

Eine Leserin bescheinigt dem Postplatz durchaus Potenzial: „Drum herum haben wir viel

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