Waiblingen

Bettenhaus Windmüller gewinnt Wahl zur schönsten Anzeige

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So sehen Sieger aus (von links): Udo Kretschmer (Leiter Vermarktung Werbemarkt print und digital), Kerstin Windmüller, Netzstratege André Hellmann, Martin Windmüller sowie Uwe Baltner und Gerhard Baumann (von Baumann & Baltner) und ganz rechts SWR-Moderator Josh Kochhan © Markus Metzger
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Wahl der schönsten Anzeige: 32 werbetreibende Firmen und Unternehmen stellten sich zur Wahl. © Alparslan Kabsakal
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Wahl der schönsten Anzeige: 32 werbetreibende Firmen und Unternehmen stellten sich zur Wahl. © Alparslan Kabsakal
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Wahl der schönsten Anzeige: 32 werbetreibende Firmen und Unternehmen stellten sich zur Wahl. © Alparslan Kabsakal

Waiblingen. Welche Frau könnte diesen Adoniskörper von der Bettkante stoßen? Die Gewinner-Anzeige vom Bettenhaus Windmüller verspricht mit knapper Textbotschaft eine verlockende Frei-Haus-Lieferung. Anziehend, ohne anzüglich zu sein, kann Bettenwerbung sein – der Spagat ist der Werbeagentur Baumann & Baltner aus Ludwigsburg gelungen.

Die Anzeige ist dem Bettenhaus Windmüller auf den Leib, vielmehr auf das Kerngeschäft Betten und Bettwaren geschnitten. Was liegt näher, als die Federkissen werblich mit lockerem Spruch und einer Prise Erotik aufzuschütteln? Eine gestählte Brust, perfektes Sixpack – welche Frau kann da wegsehen?

"Erotik oder eine Prise dramatischen Witz“

Noch dazu, wenn „er“ in gekonnt aufreizender Pose, mit einem locker um die Hüfte geschlungenen Daunendecken-Lendenschutz aus dem Sortiment des Bettenhauses neben der Bettkante sitzt und auf „sie“ zu warten scheint, bereit, sich in die Kissen zu werfen ... „Wir liefern“ verspricht der Anzeigentext in einladendem Fettdruck die Freihaus-Lieferung dieses Adonis. „Aber nur das Bett“, ernüchtert der zweite Satz witzig und erfrischend.

Nach drei Platzierungen unter den ersten zehn ist das Bettenfachgeschäft aus Backnang mit der Aussicht auf einen muskelgestählten Bettgefährten nun die Punktlandung auf Platz eins gelungen. Die Anzeige hat Geschmack, ohne ein Gschmäckle zu haben. Dafür seien sie in die Vollen gegangen, erzählt Martin Windmüller. „Wir haben dieses Jahr gezielt eine Anzeige für den Wettbewerb konzipiert und nicht wie zuvor eine aus dem Fundus eingesendet.“ Aus den Sieger-Anzeigen der Vorjahre wusste er: „Sie braucht Erotik oder eine Prise dramatischen Witz.“

„Wir wurden überrannt vor positivem Feedback"

Ein Jahr zuvor hatte die Parfümerie Wöhrle mit einem fiktiven Bikini, der eine neue Besitzerin sucht, den ersten Platz belegt. Dieses Jahr wirft ein Mann das Kopfkino beim Betrachter an. Nur zwei Bilder musste die Agentur präsentieren, das Motiv sei schnell gefunden gewesen, erzählt Windmüller auf Nachfrage. Etwas länger hätten sie am Slogan gebastelt. „Zehn Runden waren es schon, der Text wurde von Runde zu Runde kürzer und besser.“

Mit der augenzwinkernden Idee, den Mann als „Lustobjekt“ in Szene zu setzen, traf die Anzeige nicht nur den Geschmack der Damenwelt, sondern auch den der Kunden: „Wir wurden überrannt vor positivem Feedback, die Ironie kam sehr gut an“, sagte Kerstin Windmüller. Besonders überrascht war Martin Windmüller vom Feedback auf die Anzeige, die seine Stammkunden in Backnang vermutlich gar nicht gesehen haben, da die weiblichen und gewiss auch männlichen Blicke bislang nur außerhalb Backnangs sowie in Facebook vom Adonis magnetisch angezogen wurden.

Verbindung zwischen Bild und Text

Kreativität, die heraussticht, brachte die ZVW-Mediennacht zum vierten Mal zusammen. Die zehn besten Werbeideen und jede Menge „kreative Köpfe“ würdigte Landrat Dr. Richard Sigel. In Zeiten digitaler Veränderungen, wo jeder beliebig viele Fotos machen könne, sei die gekonnte „Verbindung zwischen Bild und Text“ unverzichtbar. Obgleich allerorten crossmediale Kanäle eine immer größere Bedeutung bekämen, halle das „Rascheln der Zeitungen“ durch Büros. Auch die Aktenberge weichen noch nicht der E-Akte, so Sigel, der überzeugt ist: Anzeigen sowohl in der Tageszeitung als auch in crossmedialen Kanälen seien „ein Schaufenster in die regionale Wirtschaftsleistung“.

Die ZVW-Mediennacht stelle deren Ideen und Schaffenskraft, die kreativen und geistigen Rohstoffe in den Mittelpunkt, der Abend leiste daher einen wichtigen Beitrag, „Wege zu finden, um gemeinsam in der Region noch erfolgreicher zu sein“, betonte Hausherr Ullrich Villinger den Kern der Netzwerkveranstaltung vor Bürgermeistern, HGV- und BdS-Vorsitzenden, Geschäftskunden, Vorsitzenden von Marketingvereinigungen und Werbeagenturen.

„Schweinebauchanzeigen“ sind von der Bildfläche verschwunden

Das Papierlager des Druckhauses Waiblingen bot einen passenden Rahmen für die Preisverleihung und passte symbolisch zur anschließenden Keynote von André Hellmann, der erklärte, wie Verlage und Unternehmen die digitalen Herausforderungen stemmen. Während der Preisverleihung wurden Smartphones hochgehalten und Preisträger fotografiert, zugleich stand man locker um Tische aus guten (analogen) Papierrollen beisammen.

Eine „gewisse Lockerheit“ machte Udo Kretschmer, Leiter Vermarktung Werbemarkt print und digital beim ZVW, als Trend aus. So seien „Schweinebauchanzeigen“ von der Bildfläche verschwunden – damit sind in der Werbesprache „schreierische“ und rein verkaufsorientierte Anzeigen mit Preisangaben gemeint. In den Vordergrund rückten vermehrt Anzeigen, die mit „lockeren, lustigen Slogans und Bildsprache“ arbeiten.

Wie die Wahl ablief und wer wählte

32 werbetreibende Firmen und Unternehmen haben sich im Juni mit ihren Anzeigenmotiven zur Wahl gestellt. Die Abstimmung erfolgte zweigleisig: Aufgerufen, ihren Favoriten kundzutun, waren einerseits die Leser. Als zweite Wählergruppe gaben Studierende der Hochschule der Medien ihre Stimme ab gemäß einem Bewertungsschema, das sie mit Professor Christof Seeger eigens für die Wahl der schönsten Anzeige erarbeitet haben. Nach vier Wochen wurden aus den besten 20 Motiven jene ausgewählt, die „gute Inhalte erklären“ und dabei „herausstechen aus der Menge“, fasste André Hellmann, Chefstratege der Netzstrategen GmbH, die Kriterien zusammen.

Er äußerte sich positiv überrascht vom Gleichklang aus Leser-Voting und der wissenschaftlich erarbeiteten Meinung: Beide Seiten hätten nah beieinander gelegen, so Hellmann auf die Frage von SWR-Moderator Josh Kochhan nach den Besonderheiten der diesjährigen Wahl der schönsten Anzeige.


Waiblingen. SWR-Moderator Josh Kochhan ging im Gespräch mit den Anzeigengestaltern und den Unternehmern auf Hintergrund und Entstehung der zehn bestprämierten Anzeigen ein.

Platz 10: „Sommerlich leicht“

„Unbeschwertes Sommerfeeling“ wollte die Anzeige der Remstalkellerei vermitteln und sie mit erfrischenden Seccos verknüpfen. „Den Sommer genießen“ titelte die von der Werbepraxis GmbH aus Remshalden kreierte Anzeige, auf der sich eine Gruppe junger Menschen und die „Spritzgetränke“ mit dem erfrischenden Gefühl einer fröhlichen Sommerparty verbinden.

Platz 9: „Beratung gegen Schminkpannen“

Marc Hanz und Lennard Volk von der Werbepraxis gestalteten auch die Anzeige der Winnender Parfümerie Wöhrle. Letztes Jahr kam der Bikini auf Platz eins, dieses Jahr gab es Platz 9 für rot verschmierte Lippen. „Wenn’s mal nicht so klappt“, darf sich die Frau angesprochen fühlen, die nicht stilsicher mit dem Lippenstift umgehen konnte. „Wir wollen auf unsere Beratungskompetenz hinweisen, dass wir nicht nur die Schminkutensilien verkaufen, sondern auch Schminktipps geben“, so Carolin Wöhrle-Reiter.

Platz 8: „Auch dem vierbeinigen Qualitätstester schmeckt’s“

Ein Hund knabbert an Teppichboden-Mustern in der Anzeige von Farben Sommer in Winnenden. Das „Model“ ist Cosmo, der Firmenhund und „unser bester Qualitätstester“, wie Marketingmacherin Melanie Schönfeld schreibt. Mit dem Namen Sommer lasse sich hervorragend spielen. „Er ist durchweg positiv besetzt: Sommer, Sonne, gute Laune“, sagt sie über die Grundidee. Um das Thema „Sommer“ bewusst in einen „neuen Kontext“ zu setzen und mit der „guten Qualität“ der Produkte zu paaren, habe man sich für den Claim „So schmeckt der Sommer“ entschieden, in leiser „Anspielung auf einen bekannten Langnese-Song, der für pure Sommerlaune steht“.

Platz 7: „Sattelfest sitzen der Spruch und die Radlerin“

Werbung sei gut, „wenn man an ihr hängenbleibt“ sagte André Hellmann, Chefstrategen der Netzstrategen, in seiner Keynote. Das ist bei der Anzeige von Aspacher Klötzbücher aus Rudersberg garantiert der Fall: Knackige, gebräunte Oberschenkel einer Radfahrerin lenken den Blick auf die ebenso knackige Ansage „Ihr Wohl geht uns nicht am Arsch vorbei“. Er habe „nur positive Rückmeldungen erhalten“, sagte Michael Klotzbücher über den „bewusst provokant“ formulierten Claim für ergonomisches Sitzen, den Grafiker Ralph Pfeifer sattelfest gestaltet hat.

Platz 6: „Regionales Bio-Sortiment 24 Stunden bestellbar“

„Wir kommen jetzt zu dir“ kündigt die Anzeige des Biomarktes Naturgut aus Waiblingen an und bewirbt den eigenen Webshop. Eine Tomate sitzt im Einkaufswagen - dem Icon für den „Einkaufskorb“ im Internet. Der Eyecatcher mit hohem Wiedererkennungswert sei bereits im Januar entwickelt worden und positiv aufgenommen worden, sagte Niko Tsiris, der geschäftsführende Gesellschafter.

Platz 5: „Wiederverwertbare Styropor-Buchstaben“

18 große Buchstaben aus Styropor, die rein theoretisch für künftige Anzeigen wieder verwendet werden könnten, waren das Ergebnis der Vorarbeiten zur Anzeige des Winterbacher Handwerkerbundes. 38 Mitgliedsbetriebe positionieren sich jedes Jahr als Werbegemeinschaft bei einer Aktion, heuer zwischen Buchstaben in der Ortsmitte von Winterbach stehend. Grafiker Bernd Waldheim wollte „mit möglichst wenig Buchstaben möglichst viel ausdrücken“. Das Wort „lokal“ passe zur starken Handwerker-Gemeinschaft in der Region.

Platz 4: „Bildung macht sicher“

Der Ursprungsgedanke des Internationalen Bundes in Waiblingen, geschaffen von der Agentur modular, richtete sich auf die Leistung einer kleinen Schule: Teilnehmer werden dort auf das „große Haifischbecken“ des späteren Berufsalltag gut vorbereitet. „Wir sind eine kleine Schule und vermitteln unseren Schülern das richtige Rüstzeug“, sagte Marius Quade. Die Anzeige werde auch auf Give-aways, als Bildschirmschoner und im Schülerheft verbreitet.

Platz 3: „Keine Fantasieprodukte, sondern bodenständige Küche“

Der Teller spricht eine eindeutige Sprache in der Anzeige des Kesselhauses in Schorndorf: Schön für den Gast ist der appetitlich garnierte und angerichtete Teller, schön für den Wirt ist der leer gegessene Teller. „Weder Essen noch Getränke kommen online auf den Tisch“, hebt Inhaber Dietmar Haerer die Stärken der Gastronomie hervor. Es werde immer schwerer, die Menschen wegzubekommen vom Handy, auch beim Essen. Mit realen und frisch gekochten Gerichten aus frischen Zutaten möchte er seine Leistung auf die Teller bringen. Volker Banaditsch von der Agentur b-plus-media hat dafür ein reelles Bild gewählt - „kein Fantasieprodukt, sondern so echt, wie es bei uns auf den Teller kommt“.

Platz 2: „Coole Babys“

Zwei Babys, cool in Schwimmringen liegend, bewerben den neuen und erweiterten Getränkemarkt beim Remstal-Markt Mack in Weinstadt-Endersbach. „Im Mittelpunkt stehen Erfrischungen und die Abkühlung, beides spielt sich rund ums Wasser ab“, so Inhaber Rocco Capurso über die Ausgangsidee zum spritzig-coolen Anzeigenmotiv.

Platz 1: „Mehr als nur eine Bettgeschichte“

Die anspielungsreich kreierte Botschaft spielt mit Erotik und Witz und geizt nicht mit visuellen Reizen. Der wie ein „Geschenk“ drapierte Mann traf den Geschmack der Damenwelt und überzeugte die Jury. Damit gelang dem Bettenhaus Windmüller, das sich bereits dreimal unter den zehn besten Anzeigen platzieren konnte, der Sprung auf Platz eins.


Als zweites Backnanger Unternehmen sicherte sich Intersport Hettich einen Hauptpreis bei der Wahl der schönsten Anzeige 2017. Für eine gelungene Werbekampagne anlässlich der Geschäftsübergabe erhielt Rolf Hettich den Sonderpreis „Crossmedia“ überreicht, den der Zeitungsverlag zum zweiten Mal vergab.

Rolf Hettich, Gründer und Geschäftsführer von Intersport Backnang, übergab 2017 die Leitung des Sportfachgeschäfts an Thomas Grabert. Seine Idee, die Geschäftsübergabe als Staffellauf zu präsentieren, hat die Jury überzeugt: Sie wählte Rolf Hettich aus zehn Crossmedia-Kampagnen zum Preisträger aus.

„Das Thema des Staffellaufs greift die Sportlichkeit auf, diese Ebene wurde mit einem einheitlichen Bildmotiv durchgezogen“, sagte André Hellmann, Chef-Stratege der Netzstrategen GmbH, zur Begründung. Auslöser der Werbekampagne, die in Printanzeigen, auf der Internetseite und in Facebook gefahren wurde, war ein großer Räumungsverkauf mit attraktiven Rabatten. Positiv vermerkte die Jury auch die in die Kampagne eingebettete „Dringlichkeit“, genau jetzt ins Ladengeschäft zu gehen, sie erkläre die sehr guten Klickraten, so Hellmann weiter.

Die Kampagne sei sehr erfolgreich gewesen. „Oft braucht es nicht viel Aufwand, nur eine Idee für die Werbung“, sagte Rolf Hettich bei der Preisübergabe. Er entwickelte das Thema des Staffellaufs selbst, mit dem er zeigen wollte, dass in Backnang auch künftig Sport mit Hettich in Verbindung gebracht wird. „Wir wollten deutlich machen, dass es keine Geschäftsaufgabe war, sondern eine Übergabe“, sagte Rolf Hettich.

Die Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle in Redaktion und Vermarktung. Zum zweiten Mal hat der Zeitungsverlag darum den Sonderpreis „Crossmedia“ verliehen.