Waiblingen

Bewegung muss sein: Pferd und Reiter im Corona-Lockdown

Reitverein Waiblingen
Leonie Wolff vom Reiterverein Waiblingen pflegt ihr Pony „Classic Boy“. © Büttner

Ein Golfschläger kann in der Tasche bleiben und ein Schwebebalken im Geräteraum – ohne dass eins der Sportgeräte Schaden nimmt. Anders sieht die Situation in den Reitvereinen aus: Denn Pferde sind schließlich Lebewesen und können nicht einfach in ihrer Box bleiben. Auch zur Corona-Zeit brauchen sie Bewegung, Pflege und Futter. Wie erlebten Reiter und Tiere den Lockdown, und wie ergeht es ihnen mit den Lockerungen, die seit dieser Woche gelten?

Das Wohl der Tiere erfordert tägliche Bewegung

Das Virus stellt den Reiterverein Waiblingen und die Reitergemeinschaft Hegnach-Oeffingen vor große Herausforderungen – organisatorisch und finanziell. So stehen 38 Pferde auf der Anlage am Hartwald, die versorgt sein wollen. Schon vor den offiziellen Verordnungen der Stadt Waiblingen erlegte sich die Reitergemeinschaft laut der zweiten Vorsitzenden Sonja Hintsch selbst Beschränkungen auf, um Pferdebesitzer und Personal vor möglichen Ansteckungen zu schützen. Oberste Devise: Sozialkontakte möglichst gering zu halten. So durfte nur noch eine Person pro Tag zu einem Pferd – und dies für maximal zwei Stunden. Beim Reiterverein Waiblingen wurde die Regel sogar auf 90 Minuten begrenzt. „Das ist ganz schön sportlich“, weiß die Vorsitzende Christine Wolff. Denn in der Zeit müssen die Einsteller den Stall ausmisten, Futter herrichten, das Pferd bewegen und putzen. „In diesem Zeitraum muss man versuchen, möglichst normal und ohne Stress dem Pferd gerecht zu werden, es nicht zu über- oder unterfordern“, sagt Sportwartin Linnéa Schattling. Vor der Pandemie verbrachte sie eher zwei bis drei Stunden täglich bei ihrem Pferd. „Es ist ein zeitaufwendiges Hobby.“ Das Wohl der Tiere erfordert tägliche Bewegung. Dass aus der Anwohnerschaft trotzdem Beschwerden bei der Stadt laut wurden über das Treiben auf der Reitanlage, hatte im März wiederum Oberbürgermeister Andreas Hesky im Gemeinderat in deutlichen Worten kritisiert.

Kontaktloser Sport im Freien ist jetzt wieder erlaubt

Damit sich nicht zu viele Reiter in der Boxengasse begegnen, haben beide Vereine den Zugang beschränkt. Seine eigentlich neun, in ausreichendem Abstand befindlichen Putzplätze hat der Reiterverein Waiblingen vorübergehend auf vier reduziert und fährt selbst jetzt nur vorsichtig hoch. „Kontaktloser Sport im Freien“ ist nun wieder erlaubt. Der Verein setzt dies so um, dass sich statt bisher nur vier von dieser Woche an sechs Pferde gleichzeitig auf der Außenanlage befinden dürfen. Erlaubt wären auf der insgesamt 6000 Quadratmeter großen Fläche nach Corona-Verordnung deutlich mehr. Aber schon diese gering scheinende Veränderung ist nach Überzeugung von Christine Wolff geeignet, gehörig Druck aus der engen Terminplanung für den Zugang zur Anlage zu nehmen. Wochenlang trugen sich die Pferdebesitzer in Pläne ein, um sich nicht zu begegnen. Ging bei vieren die Zeit zu Ende, standen schon die nächsten vor dem Tor. Die vorsichtige Lockerung hilft dem Verein insofern, als die Reiter jetzt zeitlich weniger flexibel sind als im April. Sprich, die Leute gehen wieder geregelt arbeiten und haben erst abends Zeit.

Die Hegnacher verfügen über zwei Hallen, in denen während des Lockdown mit Sicherheitsabstand vier Reiter gleichzeitig ihre Runden drehen durften. Sofern möglich, versuchen Reiter auf die Wege in der grünen Umgebung auszuweichen. Was auch weiterhin nicht möglich sein wird, das ist der Voltigier-Unterricht mit Gruppen von zehn Kindern. Die Tiere sind den Trubel gewohnt und Sonja Hintsch glaubt ihnen anzumerken, dass sie suchend und fragend um sich blicken, wenn wieder einmal nur ein einzelner Mensch kommt, um sie an der Longe zu führen. Bis auf weiteres gibt es im Verein nur Einzelunterricht.

Personalwechsel im Vorstand verschoben

Beiden Vereinen fallen durch ausgefallene Turniere und Freizeiten Einnahmen in fünfstelliger Höhe weg. In Hegnach sind es derzeit rund 9000 Euro, in Waiblingen noch mehr. Bitter kam die Krise auch für die Gebrüder Falbo, die neuen Pächter des Vereinslokals „Da Nonna Teresina“ am Waldmühleweg. Verein und Gaststätten-Betreiber einigten sich darauf, die Pacht wegen der Schließung zu halbieren. Gerne, sagt Christine Wolff, würde der Reiterverein die Sanierung seiner Anlage angehen, doch in dieser Hinsicht dürfte 2020 ein verlorenes Jahr werden. Die Reitergemeinschaft Hegnach-Oeffingen wiederum hatte für dieses Jahr eigentlich personelle Wechsel in der Vereinsführung geplant. Die Beteiligten haben sich jedoch, wie Sonja Hintsch berichtet, darauf verständigt, noch ein Jahr dranzuhängen, bis die schwierige Situation überstanden ist. Das Wichtigste derweil: Von Corona-Fällen wurden beide Vereine bisher verschont.

Ein Golfschläger kann in der Tasche bleiben und ein Schwebebalken im Geräteraum – ohne dass eins der Sportgeräte Schaden nimmt. Anders sieht die Situation in den Reitvereinen aus: Denn Pferde sind schließlich Lebewesen und können nicht einfach in ihrer Box bleiben. Auch zur Corona-Zeit brauchen sie Bewegung, Pflege und Futter. Wie erlebten Reiter und Tiere den Lockdown, und wie ergeht es ihnen mit den Lockerungen, die seit dieser Woche gelten?

Das Wohl der Tiere erfordert tägliche

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