Blutkrebs: Wer rettet Ilias (6) aus Waiblingen? Das kann jeder tun
Eltern von Kleinkindern ist manchmal alles zu viel: Beruf, Kita, Haushalt, Betreuung, ständige Erkältungen – das kann sehr anstrengend sein. Eine Familie aus Waiblingen-Neustadt wäre froh, wenn ihr Leben so simpel wäre. Ihr Sohn Ilias, sechs Jahre jung, hat Blutkrebs. Schon zum zweiten Mal wurde die lebensbedrohliche Erkrankung nun diagnostiziert. Jetzt ruht ihre Hoffnung auf den Mitmenschen: Ist unter ihnen jemand, der Ilias Stammzellen spenden kann?
Eine Chemotherapie hat der Junge schon hinter sich. Von April 2021 bis April 2023 bekam Ilias die Medikamente gegen den Blutkrebs. „Danach war der Krebs vorerst besiegt und er konnte auch in den Kindergarten gehen“, sagt Selina Weiermann von der gemeinnützigen Organisation DKMS. Sie unterstützt Ilias’ Familie dabei, potenzielle Lebensretter zu finden. Vor einigen Wochen dann der Schock: Wieder wurde bei Ilias Blutkrebs festgestellt.
Weitere Chenotherapie als Vorbereitung auf die Stammzellentransplantation nötig
Nun ist eine weitere Chemo nötig, als Vorbereitung auf eine Stammzelltransplantation, erklärt Weiermann. Die Eltern von Ilias wollen sich momentan ausschließlich um ihr Kind kümmern und daher nicht selbst mit Medien sprechen. Die DKMS zitiert sie so: „Wir haben den Boden unter den Füßen verloren, beide Male war es das Schlimmste, was wir erfahren mussten“, so Ilias‘ Eltern über den Moment der Diagnose. „Seitdem leiden wir täglich unter der Diagnose. Das zweite Mal war es sogar noch schlimmer, weil wir gesehen haben, wie Ilias zurück ins Leben gefunden hatte und unbeschwert und glücklich war. Nun muss er erneut zurückstecken und verliert wieder alles, was er bis dato erreicht hatte.“
Im Vorfeld der ersten Diagnose vor drei Jahren hatten die Eltern bei ihrem damals drei Jahre alten Sohn gemerkt, „dass er immer blasser und müder wurde. Hinzu kamen hohes Fieber und Appetitlosigkeit“, so die DKMS.
Registrierungsaktion am Sonntag in Waiblingen
Um wieder gesund zu werden, benötige Ilias eine Stammzellenspende „und somit seinen genetischen Zwilling“. Um diese Person im Alter von 17 bis 55 Jahren zu finden, organisiert die DKMS neben einer laufenden Online-Registrierung auf der DKMS-Webseite, bei der bislang zwölf Menschen mitgemacht haben, auch eine Aktion vor Ort: am kommenden Sonntag, 8. September, von 10 bis 14 Uhr bei der Griechischen Gemeinde in der Winnender Straße 5 in Waiblingen. Dabei wird mit einem Wattestäbchen ein Wangenabstrich vorgenommen.
Der erste Schritt: Wangenabstrich mit Wattestäbchen
Die Griechische Gemeinde hat in Social-Media-Kanälen auch ein Video geteilt, in dem Ilias zu sehen ist, der etwas auf Griechisch sagt. In der Hand hält er dabei eine Plüschfigur der Videospiel-Figur „Super Mario“. Für Kommentatoren und die DKMS hat Ilias selbst schon „wie ein Superheld“ gegen den Krebs gekämpft. Nun braucht er andere Helden.
Von potenziellen Spenderinnen oder Spendern wird mittels eines Wangenabstrichs mit Wattestäbchen ein „Typisierungsprofil“ erstellt. Das kann dann in anonymisierter Form weltweit mit den Daten von Patienten abgeglichen werden, erklärt die DKMS. Gibt es Treffer, wird man kontaktiert.
Die Suche nach dem "genetischen Zwilling"
Eine Bestätigungstypisierung folgt, diesmal per Blutprobe. Kommt dabei heraus, dass man „genetischer Zwilling“ eines anderen Menschen ist, kann die Stammzellenspende stattfinden.
Meistens ist es laut DKMS eine „periphere Stammzellentnahme (Apherese)“. Dafür muss man fünf Tage lang ein Medikament einnehmen, wodurch der Körper vermehrt Stammzellen produziert. „In dieser Zeit können als mögliche Nebenwirkung mitunter grippeähnliche Symptome auftreten“, so die DKMS. „Diese werden mit einem leichten Schmerzmittel in der Regel sehr gut behandelt. Mit der Spende klingen die Beschwerden in der Regel umgehend ab.“ Außerdem soll man einige Tage auf Kraft- und Kontaktsportarten und schwere körperliche Arbeit verzichten, um eine Milzüberdehnung zu vermeiden.
Stammzellen werden aus den Venen entnommen, wie bei Blutspende
Die Stammzellen gelangen ins Blut und werden, wie bei einer Blutspende, mit einem Zugang pro Arm entnommen. Das dauert laut der Organisation „normalerweise drei bis höchstens fünf Stunden. In der Regel können unsere Spender/-innen die Entnahmeklinik noch am selben Tag verlassen. Nur sehr selten wird ein zweiter ambulanter Entnahmetag notwendig.“
„Das Verfahren der peripheren Stammzellentnahme gibt es bereits seit 1988“, so die DKMS weiter. Sie habe die Anwendung des Medikaments G-CSF bei mehr als 84.000 Spendern „seit Ende der 1990er Jahre dokumentiert und Langzeitbeobachtungen“ durchgeführt. „Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die Stammzellmobilisierung mit G-CSF zu Spätfolgen führt.“
Nur in zehn Prozent der Spenden sei statt der Blut- eine Knochenmarkentnahme nötig („kleiner operativer Eingriff unter Vollnarkose“).
Nach der Spende erhält der Empfänger – vielleicht Ilias aus Waiblingen-Neustadt – dann wie bei einer Bluttransfusion die Stammzellen des Spenders.



