Waiblingen

Bosch steigt in die Medizintechnik ein

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Projektfeldleiterin Dr. Sonja Lauterbach (rechts) und der Internist Dr. David Callau präsentieren den „Vivatmo me“, das erste Patientenmessgerät für Asthmatiker. © Habermann / ZVW
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Marc Meier, Geschäftsführer der Bosch Healthcare Solutions. © Habermann / ZVW
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Know-how aus der Autoindustrie im Kleinformat: Keramikteile aus dem 3-D-Drucker für den medizinischen Einsatz. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Was dem Diabetiker sein Blutzuckermessgerät ist, soll das „Vivatmo me“ für den Asthmatiker werden. Das Patientengerät misst den Stickstoffmonoxid-Gehalt im Atem und kann so Asthmaanfällen vorbeugen. Entwickelt wurde die Weltneuheit „Vivatmo me“ durch die Bosch Healthcare Solutions in Waiblingen, eine Art Start-up innerhalb des Boschkonzerns.

Video: Marc Meier, Geschäftsführer von Bosch Healthcare Solutions GmbH.

„Wir haben unsere Freiheiten“, sagte Geschäftsführer Marc Meier bei der ersten Pressekonferenz der Bosch Healthcare Solutions, „aber wir sind auch 100 Prozent Bosch.“ Bevor aber die Mitarbeiter in die Büroetage der Bosch Packaging Technology einzogen, haben sie zunächst die Wände entfernt – mit dem Ziel, auch Wände im Kopf der Mitarbeiter einzureißen, sagte Meier. Teamarbeit und Eigenverantwortung sind in einem Start-up-Unternehmen gefordert, das für Bosch ein ganz neues Geschäftsfeld aufrollen soll.

Rund 80 Mitarbeiter sind in Waiblingen beschäftigt, um vernetzte Produkte und Services im Bereich Gesundheit und Medizintechnik zu entwickeln, zu fertigen und zu vermarkten. Mit dem Patientenmessgerät für Asthmatiker ist die 2015 gegründete GmbH jetzt mit einer Weltneuheit gestartet. Produziert wird in Waiblingen auf dem Gelände der Bosch Packaging Technology, einem Spezialisten für Verpackungen unter anderem für die Pharmaindustrie.

Die Medizintechnik ist ein wachsender Markt

Die Pläne für Bosch Health Solutions sind ambitioniert. Einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich peilt Meier für das Jahr 2020 an. Die Medizintechnik ist ein großer und vor allem wachsender Markt. Dessen Volumen beziffert Meier mit 350 Milliarden Euro, davon 26 Milliarden in dem nach den USA und Japan drittgrößten Markt Deutschland. Außer dem Patientenmessgerät „Vivatmo me“ nebst seinem Profi-Gerät „Vivatmo pro“ für Arztpraxen und Kliniken stellten Bosch Healthcare Solutions zwei weitere Geschäftsfelder vor.

Zum einen die App Vivatar, ein virtueller Begleiter, wenn Menschen alleine unterwegs sind und im Notfall schnell Hilfe anfordern wollen. Eng verknüpft mit den Kernkompetenzen von Bosch als Automobilzulieferer ist zum anderen die Hochleistungskeramik. In Waiblingen bietet die Healthcare Solutions Funktionsbauteile für die Medizintechnik an, die zum Beispiel in OP-Instrumenten eingesetzt werden. Konkrete Produkte gibt es bisher noch keine, sagte Dr. Inga Schellenberg. Schließlich sei Bosch erstmals bei einer Medizintechnik-Messe im April aufgetreten.

Healthcare Solutions greifen Know-how des Boschkonzerns auf

Wie bei den Asthmageräten greift das Start-up auch bei der Keramik auf das breite Know-how des Boschkonzerns zurück. Keramik wird seit über 100 Jahren für Zündkerzen verwendet, mit denen Bosch einst als Automobilzulieferer begonnen hat. Diese Keramikexpertise fließt in Endoskopspitzen oder bipolare Instrumente für die Medizintechnik ein. Die Teile entstehen im Spritzgussverfahren oder im 3-D-Drucker.

Bei den Vivatmo-Messgeräten ist die Sensortechnik von Bosch die Grundlage für die Erfassung von Daten, der Software zum Auswerten der Daten und die auf der Datenanalyse basierenden Dienstleistungen. Die Ingenieure des Bosch-Zentralbereichs Forschung und Vorausentwicklung in Renningen liefern die wissenschaftlichen Grundlagen zur Entwicklung neuer Produkte. „Die Pipeline ist voll“, sagt Marc Meier und kündigt selbstbewusst im kommenden Jahr bereits die nächste Weltneuheit von Healthcare Solutions an. „Durch das Zusammenspiel von Forschern, Entwicklern und einem agilen Team haben wir die ersten Produkte in kurzer Zeit von der ersten Idee zur Marktreife geführt.“

Beim Asthmageräte bekommt Waiblingen auch Unterstützung vom Robert-Bosch-Krankenhaus durch den Internisten Dr. David Callau, der halbtags in Waiblingen in die Entwicklung des Gerätes eingebunden ist.

„Der digitale Schutzengel“

Bei Bosch Healthcare Solutions geht es nicht nur um konkrete Produkte, wie die App Vivatar zeigt. „Der digitale Schutzengel“ zeigt im Notfall nicht nur an, wo sich sein Besitzer aufhält und was sich dort tut, sondern löst eine Hilfskette aus. „Wir begreifen das Internet der Dinge als epochalen Wandel“, wird Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, in der Pressemitteilung zitiert. Es beeinflusse nicht nur den Alltag, sondern werde auch den Gesundheitsbereich nachhaltig verändern. „Wir wollen die technischen Möglichkeiten der Vernetzung nutzen, um einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheit und damit Lebensqualität von Millionen Menschen zu leisten.“