Waiblingen

Brand in Beutelsbach: Zwei Männer als Lebensretter geehrt

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Von links: OB Jürgen Oswald, Roland Dittmer, Michael Winkler und Stefan Schuh, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Weinstadt. © Ramona Adolf

Weinstadt-Beutelsbach. Wenn es brennt, sind Helden selten: Die meisten rufen die Feuerwehr und schauen zu. Doch in der Nacht zum Valentinstag bewiesen zwei Männer aus Beutelsbach, dass es auch anders geht, und retteten durch ihr Handeln Menschenleben. Jetzt wurden sie von Oberbürgermeister Jürgen Oswald ausgezeichnet.

Wie berichtet, hatte in der Nacht zum Valentinstag in der Ulrichstraße in Beutelsbach ein Schuppen gebrannt. Der Brand drohte auf das Wohnhaus, ein Obdachlosenheim, überzugreifen, als die beiden Männer eingriffen und die zehn Bewohner des Hauses weckten. Damit haben Michael Winkler und Roland Dittmer der Feuerwehr bereits den wichtigsten Arbeitsschritt abgenommen, wie Feuerwehrkommandant Stefan Schuh erklärte. Doch am wichtigsten ist, dass die beiden Menschenleben gerettet haben – durch ihren beherzten und schnellen Einsatz.

Gegen die Tür gehämmert, bis eine Frau mit Kind kam

Es sollte ein gemütlicher Abend in der Bar werden – am Samstag vor dem Valentinstag –, als Michael Winkler und Roland Dittmer ihre Heldentat vollbrachten. Die beiden Männer erinnern sich daran: „Eigentlich ist alles ganz schnell gegangen. Einer der Gäste hat gerufen: Da brennt’s!“ Der Erste, der zur Tat schritt, war MIchael Winkler: „Alle haben nur geschaut. Ich natürlich auch. Aber als ich gemerkt habe, dass sich niemand bewegt, bin ich nach draußen gegangen. Ich habe gehofft, dass die Klingeln funktionieren, aber das haben sie nicht. Später wusste ich, warum: Der Stromkasten war bereits vom Feuer beschädigt.“ Er habe gegen die Tür gehämmert, bis eine Frau mit ihrem Kind kam, deren Lebensgefährte die Tür öffnete. „Wir sind rein und haben alle geweckt. Es waren viele Frauen in dem Haus, die nicht sehr begeistert waren von uns geweckt zu werden.“

„Alleine in das Gebäude zu gehen, wäre sehr gefährlich gewesen. Kohlenmonoxid riecht man nicht“, sagte Roland Dittmer. „Wenn Michael ohnmächtig geworden wäre, hätte es niemand bemerkt. Er ist zuerst rein und ich gleich hinterher. Wirklich nachgedacht habe ich dabei aber nicht. Ich habe einfach gehandelt.“ Feuerwehrkommandant Stefan Schuh lobte das Vorgehen der beiden Männer: „Sie haben instinktiv richtig gehandelt. Die Feuerwehr geht auch nur in Gruppen in brennende Gebäude oder gefährdete Nebengebäude.“ Als die Wehr eintraf, war das Feuer bereits kurz davor, in den Treppenraum des Wohnhauses durchzubrennen. Die Feuerwehr hätte viele Menschen retten müssen, wenn die beiden nicht eingegriffen hätten. Das Obdachlosenheim ist ein älteres Gebäude mit engen Wegen. „Hier zählte jede Sekunde, um die Bewohner zu retten. Solch ein Verhalten wie das der beiden Herren erleben auch wir von der Feuerwehr nur sehr selten“, so Stefan Schuh. „Es wäre schön, wenn mehr Menschen so handeln würden.“ Michael Winkler zeigte Bescheidenheit: „Ich war wirklich froh, dass ich nicht ganz nüchtern war. Nüchtern beginnt man nachzudenken, was alles passieren kann. Dann handelt man wahrscheinlich auch weniger.“ Es war der erste derartige Einsatz der beiden Männer.

Ein Weinkarton für die Lebensretter

Oberbürgermeister Jürgen Oswald hat den beiden Lebensrettern gedankt und sie mit einem Weinkarton mit regionalen Weinen bedacht. „Diese beiden Männer sollten eine Vorbildfunktion sein. Courage und schnelles Handeln sind selten. In solchen Gefahrensituationen aber äußerst wichtig, um zu helfen“, sagte er. Die Leistung von Michael Winkler und Roland Dittmer ist selten. Stefan Schuh: „Es sollte mehr Menschen geben, die so beherzt eingreifen und nicht nur als – wie wir sie nennen – Bordsteinkommandanten fungieren und nur zusehen, anstatt zu handeln.“

Brandstiftung?

Die Ursache des Brandes, der sich in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar ereignet hat, ist immer noch nicht bekannt. Ein Sprecher der Polizei teilte unserer Zeitung am Dienstagnachmittag mit: Ein Brandgutachter, der mit der Kriminalpolizei zusammengearbeitet hat, schließt einen technischen Defekt aus.

Der Brand geht also auch nicht auf einen Elektro-Verteiler in dem Schuppen zurück, dessen Funkenschlag der Feuerwehr die nächtliche Löscharbeit erschwert hatte.

„Das heißt“, so der Polizeisprecher gestern, „der Brand wurde entweder fahrlässig oder vorsätzlich verursacht.“ Hinweise auf Brandbeschleuniger seien an der Ausbruchstelle allerdings nicht gefunden worden.

Die Ermittlungen der Kripo sind zwar – anders als die kriminaltechnische Untersuchung – noch nicht vollends abgeschlossen, so der Sprecher, allerdings werde es wohl „bei diesem Sachstand bleiben, wenn keine weiteren Hinweise eingehen“. Bei dem Brand ist ein Schaden von rund 10 000 Euro entstanden.