Waiblingen

Braucht Waiblingen mehr Katzenschutz?

Katzen katze
Nicht alle Katzenkinder erwartet ein schönes Leben. © Joachim Mogck

Sie leben auf verwilderten Grundstücken und in aufgelassenen Gebäuden – und sie meiden die Menschen: Der Deutsche Tierschutzbund schätzt die Zahl verwilderter Katzen bundesweit auf rund zwei Millionen. In Waiblingen kümmert sich der Tierschutzverein um die freilebenden Katzen, die oft an Krankheiten und Parasiten leiden. Doch wie viele verwilderte Katzen gibt es in Waiblingen? Zu viele, glaubt Julia Papadopoulos von der Agtif-Fraktion und hat im Gemeinderat deshalb eine Katzenschutzverordnung beantragt.

Katzenhalter sollen ihre Freigänger auf eigene Kosten kastrieren

Kern der Verordnung ist: Katzenbesitzer müssen ihre Freigänger auf eigene Kosten kennzeichnen, registrieren und kastrieren lassen. Fundtiere soll der Tierschutz nach 48 Stunden kastrieren lassen können. Julia Papadopoulos ist ebenso wie Annemarie Werner, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, überzeugt davon, dass die Zahl der streunenden Katzen in Waiblingen die Verordnung rechtfertigt. Anders sieht dies das Landratsamt: Nach Einschätzung des Veterinäramtes, dem die Zahlen der Tierschützer vorlagen, gibt es nirgendwo in Waiblingen eine so hohe Population wilder Katzen, dass die Verordnung rechtens wäre. Auch die Stadtverwaltung sieht derzeit keine Grundlage dafür: Bevor der Eingriff in das Eigentumsrecht der Halter sämtlicher Freigängerkatzen rechtlich möglich wäre, müssten alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft und gescheitert sein, heißt es in der Sitzungsvorlage des Gemeinderats. „Die Verordnung kann nur erlassen werden, wenn die Voraussetzungen vorliegen“, sagte Oberbürgermeister Andreas Hesky in der Sitzung des Gemeinderats. Aus Sicht der Stadt sei dies nicht der Fall. Stattdessen will die Verwaltung zusammen mit dem Tierschutzverein Maßnahmen erarbeiten, um die Zahl der verwilderten Katzen und deren Leid zu vermindern.

Viele wild lebende Katzen sind krank

Merklich verstimmt nahm Julia Papadopoulos die Stellungnahme der Verwaltung zur Kenntnis. Ohne belegbaren Nachweis werde die Verordnung abgelehnt, sagte sie. Die Zahlen des Tierschutzvereins würden schlicht ignoriert. In seiner Stellungnahme hatte der Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung die Stadt darüber informiert, dass der Verein in seinem Einsatzgebiet im vergangenen Jahr 24 Katzen kastriert und sich von 2016 bis 2019 um mehr als 100 Katzenwelpen gekümmert hatte. Die Welpen waren aus Katzenkolonien gefangen oder herumstreunend aufgegriffen worden. Viele dieser Katzen und Katzenwelpen litten an Krankheiten und unter Parasiten. 50 wilde Katzen hätten in den vergangenen Jahren deshalb eingeschläfert werden müssen oder seien gestorben. Um die Katzen zu versorgen, richtet der Verein an verschiedenen Orten Futterstellen ein. Dort werden die Tiere eingefangen und untersucht. Von einem Tierarzt werden sie unter Narkose kastriert und danach wieder freigelassen. Trotz intensiver Bemühungen seitens des Tierschutzvereins sei die Zahl der Katzen aber nicht befriedigend gesunken, so Vereins-Chefin Annemarie Werner.

Tierschutzverein sponsert Katzenkastrationen

Weil auch unkastrierte Freigängerkatzen für Nachwuchs mit den Straßenkatzen sorgen, startet der Tierschutzverein regelmäßig Kastrationsaktionen: Wer in Waiblingen, Weinstadt, Kernen, Korb oder Grunbach wohnt und seinen Kater oder seine Katze kastrieren lässt, erhält bei Vorlage der Rechnung einen Zuschuss von 30 Euro bei einem Kater und 40 Euro bei einer Katze. Sehr erfolgreich ist das offenbar nicht: „Alle Maßnahmen zur Eindämmung der freilebenden Katzenpopulation verfehlen ihre Wirkung, wenn nicht auch die privaten Katzenhalter verpflichtet werden, ihre Katzen durch Kastration an einer Fortpflanzung zu hindern“, schreibt Annemarie Werner in ihrer Stellungnahme. Die flächendeckende Kastration aller Freigängerkatzen sei der einzige tierschutzgerechte Weg, um den Bestand zu kontrollieren. Dies sei nur mit der Kastrationspflicht, eingebettet in eine Katzenschutzverordnung, zu erreichen.

Verwaltung sieht keinen Bedarf

Anders als in Berglen gebe es in Waiblingen allerdings kein Indiz für große Populationen wilder Katzen, erklärte Oberbürgermeister Andreas Hesky. Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr verwies nochmals auf die Stellungnahme des Veterinäramtes. Und CDU-Sprecher Peter Abele betonte, dass man noch nicht einmal wisse, ob Waiblingen überhaupt betroffen sei. Der Antrag der Agtif wurde mehrheitlich abgelehnt. Für die Einführung einer Katzenschutzverordnung wird keine Grundlage gesehen. Die Verwaltung wird mit dem Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung Vorschläge für weitere geeignete Maßnahmen erarbeiten, um die Population der freilebenden Katzen möglichst gering zu halten.

Sie leben auf verwilderten Grundstücken und in aufgelassenen Gebäuden – und sie meiden die Menschen: Der Deutsche Tierschutzbund schätzt die Zahl verwilderter Katzen bundesweit auf rund zwei Millionen. In Waiblingen kümmert sich der Tierschutzverein um die freilebenden Katzen, die oft an Krankheiten und Parasiten leiden. Doch wie viele verwilderte Katzen gibt es in Waiblingen? Zu viele, glaubt Julia Papadopoulos von der Agtif-Fraktion und hat im Gemeinderat deshalb eine

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