Waiblingen

Bud Spencer Double weiht Tunnel ein

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Bud Spencer Double Klaus Löffler ( 67 J. aus Heidelberg ) und Geschäftsführer Stefan Lau weihen den Bud Spencer Tunnel auf der G
Bud Spencer-Double Klaus Löffler und Geschäftsführer Stefan Lau taufen den Tunnel. © Benjamin Beytekin
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Der Bud Spencer Tunnel auf der Gartenbahnanlage des Eisenbahn-Treffpunkt Schweickhardt.
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Dampfende Modelleisenbahnen lassen Männerherzen höherschlagen, die der Kinder sowieso.

Waiblingen-Beinstein. Reger Zug- und Personenverkehr herrschte entlang der Gleise und Bahnhöfe beim Eisenbahn-Treffpunkt Schweickhardt: Beim Frühlingsfest war für alles gesorgt, das Eisenbahnerherzen höherschlagen lässt. Als „dramaturgischer“ Festhöhepunkt wurde der Bud Spencer Tunnel eingeweiht – von keinem Geringeren als vom Bud-Spencer-Doppelgänger Klaus Löffler.

Auf Höhe des Bahnhofs raucht es, ein untrüglicher Geruch zieht in die Nase. Die Lokomotive „Frank S.“ ist im Anmarsch, aus dem Schornstein, der im Maßstab eins zu 22,5 nachgebauten Nostalgie-Lok, entweichen weiße Rauchwölkchen. „Er fährt mit echtem Wasserdampf, ist ein Live-Steamer“, erklärt Harald Frank von den Verkehrsfreunden Stuttgart. Die aus Rügen stammende Original-Lok sei früher im Jagsttal auf der dortigen historischen Bahnstrecke gefahren.

Und schon fährt die nächste Dampflok mit schnaufendem Geräusch ein. Eine „Heidi“, beheimatet normalerweise im Schweizer Kanton Graubünden, wo sie als Teil der Rhätischen Bahn und „Kletterkünstlerin“ im Bergstreckenverkehr eingesetzt wurde. Im Original wäre sie - von weißem Dampf umhüllt - an den Besuchern vorbeigezischelt, so Harald Frank. In der Miniaturausgabe hingegen gaukle ein elektronisches Soundmodul das Dampfgeräusch vor. „Sie kann sogar jodeln“, weist Hausherr Ulrich Schweickhardt auf eine zweite Spielerei hin. Zum 100-jährigen Albula-Jubiläum habe die Rhätische Bahn ihren Loks das Jodeln beigebracht, so Schweickhardt. Bei der Einfahrt in den Bahnhof und in einen Tunnel habe sie den Ton von sich gegeben, der jetzt als liebevoll gestaltetes Detail in der Miniaturwelt weiterjodelt.

Angetrieben werden alle Loks über Elektromotoren

Zwischen 20 und 25 Züge und ebenso viele Loks der Vereinsmitglieder sind unterwegs auf der Gartenbahnanlage. Darunter auch eine Zahnradbahn, die der Schöllenenbahn nachempfunden wurde. Sie nimmt es dank Zahnspange mit kleinen kurvenreichen Aufstiegen im Streckenverlauf auf, wie ihr alpines Vorbild, deren Nachfolger bis heute im Gotthardgebiet zwischen Göschenen und Andermatt verkehrt. In der Gartenbahnanlage passiert die Schöllenenbahn einen der beiden Tunnel; dieser wurde am Sonntag auf „Bud Spencer Tunnel“ getauft.

Alle Loks seien nach dem Vorbild der E-Lokomotiven oder Diesel-Lokomotiven entwickelt worden, angetrieben werden sie über Elektromotoren, erklärt Schweickhardt. Mit im Pulk auch eine „Mogul“ aus dem 19. Jahrhundert, die in den Rocky Mountains bis heute als Museumsbahn auf einer 70 Kilometer langen Strecke unterwegs sei. An mehreren Stellen, verteilt im Gelände, stehen Weichensteller und Signalgeber an Gleisbildstellpulten. Sie wachen über die 1.584 Meter lange Schienenstrecke und führen den Schienenverkehr weitgehend störungsfrei über Stahlbogenbrücken und Viadukte, durch zwei Tunnels, über Bergstrecken, vorbei an vielen Bahnwärterhäuschen, mittelalterlichen Fachwerkhäusern und Tortürmen entlang. Von der Streckenführung und der Landschaft her ist sie unter Eisenbahnfans eine Attraktion, die sie aus dem ganzen Großraum Stuttgart aufsuchen. „Weil es immer viel zu sehen gibt“, wie Rudolf Rühle aus Stuttgart sagt.

Kindheitserinnerungen und Entspannung

„Man guckt halt, ob vielleicht eine neue Lok oder ein Wagen zur eigenen Sammlung passt“, meint er. Seinen Schwiegersohn, Jürgen Langnau aus der Nähe von Bruchsal, treiben die Kindheitserinnerungen her. „Ich bin Wiedereinsteiger, jetzt sind die eigenen Kinder aus dem Haus und ich habe wieder die alte Anlage vom Dachboden geholt“, erzählt er. Und kaum war das Eisenbahnkind in ihm geweckt, sei in der Freizeit das detailverliebte Bauen, Bosseln und Basteln angesagt, besonders an Schlechtwettertagen und im Winter. „Die Stunden können gar nicht mehr gezählt werden“, gibt er zu. Doch in seinem Hobbyraum finde er Entspannung: „Zehn Minuten Eisenbahnspielen, vielmehr Schrauben, das beruhigt sofort nach dem Arbeitstag.“ Die Begeisterung aus Kindertagen habe sich gehalten, nur eine Sache sei anders: „Ich brauche eine Lesebrille, denn im Nahbereich sehe ich nicht mehr so gut“, fügt er grinsend an. Beim Frühlingsfest konnte er sofort zuschlagen: „Ich habe mir die Jim-Knopf-Wägen mit den Figuren gekauft.“

Das Fest sei die ideale Plattform, um Regionales überregional zu bewerben, so auch die Schwäbische Waldbahn“, sagt Stefan Lau vom Eisenbahn-Treffpunkt Schweickhardt. „Ein Radwanderweg oder eine Kletterwand können schnell von anderen Regionen kopiert werden. Eine Schwäbische Waldbahn mit Geschichte kann man nicht beliebig kopieren und schnell nachbauen.“


Bud Spencer Tunnel

Einer der beiden Tunnel auf der Gartenbahnanlage trägt seit gestern den Namen des Schauspielers Bud Spencer. „Wenn es Schwäbisch Gmünd nicht hinbekommt, dann machen wir das“, sagten sich einige vom Eisenbahn-Treffpunkt Schweickhardt. Die Idee sei aus einer spaßigen Laune heraus entstanden, erklärt Stefan Lau. Humorvoll spielen sie damit auf eine Abstimmung über den Namen des Gmünder Tunnels 2011 an.