Waiblingen

Bussardangriff: So schützen Sie sich

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Furchteinflößend: ein Mäusebussard. © Ramona Adolf
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Bussardangriff
Ein Stock, der etwa zehn Zentimeter über den Kopf hinausragt, soll vor Bussardangriffen schützen, wie Martin Mösl hier demonstriert. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Ein Jogger läuft nichtsahnend an einer Wiese entlang, als plötzlich ein Bussard vom Himmel stürzt und ihn attackiert. Was klingt wie eine Szene aus Alfred Hitchcocks Horror-Klassiker „Die Vögel“, ist seit einigen Jahren immer häufiger Realität. Immer wieder werden Jogger von Bussarden angegriffen: Die Greifvögel wollen so offenbar ihre Jungen verteidigen. Auch in Waiblingen gab es neulich einen derartigen Fall.

Er ist auf seiner „Ausweichstrecke“ entlang dem Hörschbach unterwegs, als es passiert. Normalerweise läuft der begeisterte Sportler Martin Mösl eine andere Runde, doch an diesem Tag ist er des schlammigen Bodens wegen auf geteerte Wege ausgewichen. Urplötzlich attackiert ihn ein Greifvogel, erst von hinten, dann von vorne. Vertreiben lässt er sich erst durch einen gezielten Faustschlag auf den Bauch.

Hinter den Angriffen stecken meist Mäusebussarde

„Ich habe einen Schatten hinter mir wahrgenommen und konnte mich gerade noch ducken“, schildert der 50-jährige Waiblinger seine Begegnung mit dem Bussard. Haarscharf sei dieser über seinen Kopf hinweggerauscht. Dann habe er blitzschnell abgedreht und erneut angegriffen – diesmal von vorne. Er habe versucht, den Angreifer durch Schreien und Fuchteln mit den Armen zu vertreiben, aber das habe den großen Vogel nicht beeindruckt. „Ich habe mich geduckt und ihm einen leichten Faustschlag auf den Bauch versetzt“, berichtet Mösl. Der Bussard habe dann von ihm abgelassen und sich auf einen Baum verzogen. Etwa 80 Zentimeter bis einen Meter Spannweite habe der Vogel gehabt, schätzt der Jogger. Gelesen habe er schon mal von derartigen Attacken, aber: „Es war trotzdem eine totale Überraschung, in dem Moment habe ich überhaupt nicht damit gerechnet.“

Die Angreifer sind meist Mäusebussarde, wie Heinrich Ritter vom Naturschutzbund (Nabu) Waiblingen weiß. „Meist geschehen solche Angriffe in der Brutzeit, ab Mai oder Juni“, erklärt er. Das sei eine Art Revierverhalten: Die Greifvögel wollen ihr Nest und ihre Jungen gegen vermeintliche Feinde verteidigen. Wenn Ende Juli oder Anfang August die Jungvögel ausgeflogen seien, verliere sich das wieder. Dass die Attacken in den vergangenen Jahren häufiger geworden sind, erklärt sich der Vogelexperte so: „Es sind immer mehr Jogger unterwegs, gleichzeitig haben die Tiere immer weniger Rückzugsraum.“ Hinzu komme, dass die großen Vögel durch die immer dichtere Besiedlung einen Teil ihrer Scheu vor dem Menschen verloren hätten.

Die Bussarde greifen Jogger meistens von hinten an

Meist greifen die Bussarde von hinten an, erklärt Daniel Schmidt, Leiter des Vogelschutzzentrums Mössingen. „Deshalb merkt man es oft nicht rechtzeitig“, sagt der Diplom-Biologe. Aber es gibt Warnsignale: die Rufe der Jungen, die um Futter betteln. Wenn sie noch ganz klein sind, klingen die wie ein helles „Piij piij“, später wie ein tieferes „Biijüüi“, erläutert der Experte.

Um sich vor Bussardangriffen zu schützen, gibt es mehrere Möglichkeiten: „Die einfachste Variante ist, Gebiete zu meiden, in denen die Greifvögel brüten“, rät Ritter vom Nabu. Denn das erspare nicht nur den Joggern, sondern auch den Vögeln Stress. Wem das nicht möglich ist, der kann beim Joggen auch eine Kappe tragen – die schützt den Kopf vor den Klauen des Bussards. Oder aber einen kleinen Ast mitführen, wie der Fachmann rät: „Der Ast sollte etwa zehn Zentimeter über den Kopf hinausragen. Das wehrt Angriffe ab, denn Bussarde greifen immer den höchsten Punkt an.“ Im besten Falle bewege man den Stock noch leicht, das irritiere den Vogel.

Ob er beim Joggen künftig einen Ast dabeihaben werde? „Wohl eher nicht, das würde mich behindern“, sagt Martin Mösl und lacht. Umsichtiger als vorher laufe er seit dem Angriff aber schon: „Das hat mir einen ganz schönen Schrecken versetzt“, gibt er zu. Statt einer Kappe überlegt er, sich eine Art Tuch um den Kopf zu knoten, das flattere so schön und lenke den Vogel sicher ab. Zudem sei es ein prima Schweißfänger – ein doppelter Nutzen also.

Meist glimpflich

Meist gehen Bussardattacken glimpflich aus, oft erfährt nicht mal die Polizei davon.

Es kommt aber auch vor, dass Jogger bei derartigen Angriffen verletzt werden. Im Jahr 2008 beispielsweise wurde ein 46-Jähriger im Kreis Böblingen so schwer am Kopf verletzt, dass er von einem Arzt behandelt werden musste.