Waiblingen

Chancenlos bei Wohnungssuche in Waiblingen: Was eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern erlebt

alleinerziehende Mama
Lucia Blum aus Beinstein (42, hier mit ihrem jüngsten Kind) ist alleinerziehende Mutter von vier Jungs. Sie sucht schon seit längerer Zeit eine größere Wohnung. © ZVW/Alexandra Palmizi

„Oh Gott, vier Kinder, auch noch allein, auch noch mit einer Katze“: Lucia Blum (42) aus Waiblingen-Beinstein hat schon zu oft erleben müssen, dass sie bei der Suche nach einer größeren Wohnung chancenlos ist. Die Alleinerziehende mit vier Kindern lebt nun bereits seit 15 Jahren in Beinstein – und mittlerweile ist ihr die Dreizimmerwohnung zu klein geworden.

Zwei Kinder von Lucia Blum haben eine Autismus-Spektrum-Störung

Lucia Blum sucht seit längerer Zeit eine neue Wohnung respektive ein Haus mit vier bis fünf Zimmern, doch die Suche gestaltet sich äußerst schwierig. Sie hat zwei Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung, die ganz dringend ihren eigenen Rückzugsort benötigen. Auch braucht die Familie eine verkehrsruhige Lage, was ebenfalls eine Folge der Autismus-Spektrum-Störung ist.

Die beiden älteren Jungs von Lucia Blum besuchen die Grundschule in Schnait und haben dort wegen ihrer autistischen Störung einen Schulbegleiter, der sie im Schulalltag unterstützt. Betroffene haben nämlich allgemein weniger Interesse an sozialen Kontakten und haben Probleme, ihr soziales Umfeld zu verstehen. „Ich beziehe staatliche Hilfe und das alles zusammen schreckt viele Vermieter ab, obgleich ich keinerlei Schufa-Einträge habe und auch eine Bescheinigung über die Zuverlässigkeit der Mietüberweisungen meines Vermieters“, betont Lucia Blum.

Vermieter: „Die Kehrwoche wurde ordnungsgemäß ausgeführt“

Die Bescheinigung liegt unserer Redaktion vor, mit Datum vom 18. Mai 2022 und handschriftlich unterschrieben. Darin heißt es: „Wir waren mit ihr als Mieterin zufrieden. Die Miete wurde regelmäßig überwiesen. Die Kehrwoche wurde ordnungsgemäß ausgeführt.“ Nun ist es laut Lucia Blum nicht so, dass es plötzlich Unstimmigkeiten mit ihrem Vermieter gab, in dessen Mietwohnung sie laut eigenen Angaben seit sieben Jahren wohnt. Auch wurde ihr nicht wegen Eigenbedarfs gekündigt. Es ist einfach so, dass die Wohnung zu klein ist. Die 42-Jährige selbst hat ohnehin kein eigenes Zimmer mehr, aber auch ihre beiden älteren Jungs müssen sich ein Kinderzimmer teilen. Wegen der Autismus-Spektrum-Störung ist dies besonders schwer – und sorgt bei den Kindern für Konflikte. „Man ist immer unter Stress.“

Lucia Blum steht schon längst in Kontakt mit der Stadt Waiblingen

Mit der Stadt Waiblingen hat Lucia Blum längst Kontakt aufgenommen, um vielleicht eine städtische Mietwohnung zu erhalten. Die Beinsteinerin hat zwar einen Wohnberechtigungsschein (WBS), aber zum Erfolg hat das noch nicht geführt. „Ich bin da jetzt schon ein paar Jahre drin.“

Mandy Winkler, die bei der Stadt Waiblingen in der Abteilung Soziale Leistungen im Fachbereich Bürgerdienste arbeitet, bestätigt, dass sich die 42-Jährige auf der Warteliste für städtische Unterkünfte befindet. Die Stadt hat derzeit 479 Wohnungen, inklusive der von der Städtischen Wohnungsgesellschaft angemieteten Wohnungen. „Davon sind aktuell neun Wohnungen wegen Umbau- beziehungsweise Sanierungsmaßnahmen nicht belegt.“ Viel Spielraum gibt es hier also nicht.

Öffentlich geförderte Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein

Es melden sich laut Mandy Winkler regelmäßig Menschen bei der Stadt, welche bereits längere Zeit vergeblich auf der Suche nach einer passenden Wohnung sind. Vor allem für Ältere, sozial Schwache und Familien mit Kindern sei es oft schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Wie im Fall von Lucia Blum wird in der Regel von den Kommunen in solchen Fällen ein Wohnberechtigungsschein ausgestellt. „Mit diesem kann man sich auf alle öffentlich geförderten Wohnungen in Baden-Württemberg bewerben.“

Lucia Blum: „Es hat Jahre gedauert, dieses Netz aufzubauen“

Natürlich hat Lucia Blum auch schon außerhalb des Remstals nach einer größeren Wohnung gesucht, aber letztlich wäre es für ihr Familienleben einfach besser, wenn sie in einem Umkreis von zehn bis 15 Kilometern in der Nähe der Schule bleiben könnte, die ihre beiden Kinder mit der Autismus-Spektrum-Störung besuchen. Schließlich ist es bei dieser Erkrankung wichtig, dass das Umfeld stabil bleibt. „Es hat Jahre gedauert, dieses Netz aufzubauen.“ Zu diesem Netz gehört auch der Fachdienst Autismus beim Staatlichen Schulamt Backnang, mit dem Lucia Blum seit dem Jahr 2018 in Kontakt steht.

Vom finanziellen Rahmen her dürfte die Kaltmiete für die neue Wohnung maximal circa 1200 Euro betragen. Dazu können dann noch Nebenkosten von höchstens 150 bis 200 Euro kommen. Ein Tier müsste erlaubt sein, denn Familie Blum hat eben auch eine Katze. Eine Wohnung im Erdgeschoss würde Lucia Blum bevorzugen, aber natürlich wäre auch eine Wohnung im ersten Stock in Ordnung. Fünf Zimmer wären klar besser als vier, von der Wohnungsgröße her könnten es bis zu 120 Quadratmeter sein. Ganz wichtig ist wie gesagt auch die verkehrsruhige Lage.

„Oh Gott, vier Kinder, auch noch allein, auch noch mit einer Katze“: Lucia Blum (42) aus Waiblingen-Beinstein hat schon zu oft erleben müssen, dass sie bei der Suche nach einer größeren Wohnung chancenlos ist. Die Alleinerziehende mit vier Kindern lebt nun bereits seit 15 Jahren in Beinstein – und mittlerweile ist ihr die Dreizimmerwohnung zu klein geworden.

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Zwei Kinder von Lucia Blum haben eine Autismus-Spektrum-Störung

Lucia Blum sucht seit längerer Zeit eine neue

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