Waiblingen

Christoph Sonntag hat ein neues Buch veröffentlicht: Eine Rezension

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Der Erzähler des neuen Buchs ist Christoph Sonntags Alter Ego, der frühneuzeitliche Mönch Christophorus. (Archivfoto) © Bernhardt

Christoph Sonntags neues Buch ist da: Ein Roman ist es diesmal nicht geworden, viel mehr eine Art Ratgeber für alle Lebenslagen. „Und sie dreht sich noch: Wie ihr die Welt retten könnt, wenn ihr wollt“ heißt das Buch, darin tritt Sonntags Alter Ego Bruder Christophorus als Erzähler auf.

Unterteilt in alphabetisch geordnete, kurze Kapitel lässt der Autor seinen Gedanken zu Themen wie Artensterben, Fake News, Flüchtlinge, Querdenker und Verschwörungstheorien freien Lauf. Das Buch ist gut geeignet für Leser, die sich zwar gerne über die großen Themen der aktuellen Zeit unterhalten, aber trotzdem eine leichte Lektüre schätzen. Ein großes literarisches Werk ist es nicht.

Die moderne Welt durch die Augen eines frühneuzeitlichen Mönchs

Christoph-Sonntag-Fans sind mit der Figur des heiligen Christophorus natürlich längst vertraut: Seit vielen Jahren schlüpft der Kabarettist gerne in die Rolle des frühneuzeitlichen Mönchs und entspannten Lutheraners, um mit einer scheinbaren Distanz zum Geschehen weltpolitische Themen anzupacken.

In „Und sie dreht sich noch“ (die Betonung ist hier auf dem „noch“ gedacht) geht Sonntag in dieser Hinsicht wie gewohnt vor. Die Rahmenhandlung ist, dass Bruder Christophorus vom Himmel aus unsere Welt beobachtet und – nachdem er ein Pläuschchen mit Gott gehalten hat – beschließt, seine Erkenntnisse an seinen Namensvetter und „treuen Knecht“ Christoph Sonntag durchzugeben, damit dieser sie niederschreibt.

Ein Appell an seine Fans

Das Buch ist Christoph Sonntags Appell an seine Fans und Leser, Missstände in der Welt ernstzunehmen und ihnen entgegenzusteuern, indem man aus gewohnten Verhaltensmustern ausbricht: Sei es, indem man weniger Fleisch isst, um gegen Massentierhaltung vorzugehen (da kommt dem Kabarettisten das Stichwort „Sonntagsbraten“ natürlich sehr gelegen), oder, dass Q-Tipps für immer und ewig aus den Badezimmern verschwinden sollten, weil sie schlimm für die Umwelt und sogar schlecht für die Ohren sind.

Neu sind die Ansätze, die Sonntag in seinem Ratgeber vertritt, bei weitem nicht – die Witze, die er hin und wieder miteinbaut, größtenteils auch nicht. Durch das ganze Buch zieht sich der für Sonntag typische flapsige und hin und wieder auch mal selbstkritische Tonfall.

Das Buch hat seine Schwächen

Manche Passagen sind dialogisch aufgebaut: Dann begeben sich Medium Christoph Sonntag und der heilige Christophorus in ein kurzes Zwiegespräch. Diese Elemente lockern die einzelnen Kapitel zwar auf, können den nicht-eingefleischten Christoph-Sonntag-Fans mit der Zeit aber auch ganz schön auf die Nerven gehen. Es empfiehlt sich daher, das Buch häppchenweise zu konsumieren – was der lexikonartige Aufbau ja auch nahelegt.

Das Buch hat außerdem noch eine weitere Schwäche. Wie der Autor schon im Vorwort mehrfach betont, soll es in „Und sie dreht sich noch“ ausdrücklich nicht darum gehen, den Moral-Apostel zu spielen, oder mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Der Duktus sei immer: „Ihr dürft, ihr müsst nicht.“ Dieser Ansatz verträgt sich allerdings nicht gut mit der gewählten Erzähl-Instanz: Ein Heiliger, der vom Himmel herab seine Meinungen diktiert und unsere Gesellschaft durchgehend als „Ihr“ anspricht, begegnet dem Leser kaum unverbindlich auf Augenhöhe. Die Distanz, die sonst gut dazu taugt, wichtigen Themen etwas von ihrem Ernst zu nehmen, funktioniert hier nicht so, wie vom Autor wahrscheinlich beabsichtig.

Zum Schluss muss der Autor noch etwas loswerden

Unter „Z“ (Zum guten Schluss) wird der Autor sehr persönlich. Tatsächlich ist es dieses Kapitel, das einen als Leser am meisten berührt und in dem auch der Dialog mit Bruder Christophorus echten Tiefgang entwickelt:

Christoph Sonntag nimmt im Schlusswort Bezug auf die schweren Vorwürfe gegen ihn, die seine Ex-Frau vor etwas mehr als einem Jahr öffentlich (und pressewirksam) gemacht hatte. Sie hatte ihm unter anderem Veruntreuung von Fördermitteln sowie Steuerhinterziehung nachgesagt, der Fall landete schließlich vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft entlastete den Kabarettisten.

Es seien schwere Monate gewesen, schreibt Sonntag. „Es gab einen Tag, da bin ich einfach unter dem Druck zusammengebrochen.“ So etwas wünsche er keinem. Trotzdem habe diese Krise auch ihr Gutes gehabt: „Ich habe zum ersten Mal begriffen, wie Presse und Politik wirklich funktionieren, was man von ihnen erwarten kann und was nicht und vor allem, ich habe meine Freunde kennengelernt.“

Christoph Sonntags neues Buch ist da: Ein Roman ist es diesmal nicht geworden, viel mehr eine Art Ratgeber für alle Lebenslagen. „Und sie dreht sich noch: Wie ihr die Welt retten könnt, wenn ihr wollt“ heißt das Buch, darin tritt Sonntags Alter Ego Bruder Christophorus als Erzähler auf.

Unterteilt in alphabetisch geordnete, kurze Kapitel lässt der Autor seinen Gedanken zu Themen wie Artensterben, Fake News, Flüchtlinge, Querdenker und Verschwörungstheorien freien Lauf. Das Buch ist

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