Waiblingen

Corona-Abitur in Waiblingen: Mehr Schreibzeit wegen Masken wird als unfair empfunden - für die anderen

Abi Stimmen
Die 18-jährige Elena ist zufrieden mit der Klausur. © ZVW/Palmizi

Zufriedene Gesichter und ausgelassene Stimmung – Paula und Ann-Sophie sind die Ersten, die am Dienstagnachmittag nach der Klausur aus dem Waiblinger Salier-Gymnasium kommen. Auf die Frage „Wie ist es gelaufen?“ sagen beide einvernehmlich: „Ich glaube, ganz gut.“

Die beiden 18-Jährigen sind zwei von 42 Schülerinnen und Schülern, die in diesem Jahr am Salier-Gymnasium zum Abitur antreten. Am Dienstag, 4. Mai, ist der Startschuss mit der Prüfung in Deutsch gefallen. An dieser haben 26 Schüler teilgenommen. Der diesjährige Abitur-Jahrgang ist schon der zweite, der die wichtigste Prüfung seiner Schullaufbahn unter Pandemie-Bedingungen ablegen muss. Schon im vergangenen Jahr gab es Abstandsregeln und Desinfektionsmittel. Neu in diesem Jahr: Die Schüler müssen während der gesamten Prüfung eine Maske tragen. Dafür hat das Kultusministerium ihnen eine halbe Stunde mehr Schreibzeit zugesprochen. Wie empfinden die Schüler diese Bedingungen?

Die neue Regelung wird als unfair empfunden – unfair für die anderen

Die neue Regelung des Kultusministeriums – Maskenpflicht während der gesamten Prüfung – stört die Schüler nicht. „Ich fand es jetzt gar nicht schlimm“, sagt Paula. „Man hat sich auch mittlerweile daran gewöhnt“, ergänzt Ann-Sophie. Schließlich mussten die Schüler die Masken auch schon im Präsenzunterricht tragen.

Die medizinischen Masken dürfen nur zum Essen oder Trinken kurzzeitig abgesetzt werden. Um diesen Nachteil gegenüber Abi-Jahrgängen vor Corona auszugleichen, dürfen die Schüler eine halbe Stunde länger an ihrer Aufgabe schreiben. Ist das fair? „Ich finde es ehrlich gesagt unfair“, sagt die 18-jährige Elena. Das Erstaunliche an dieser Antwort ist, dass Elena es unfair für die Jahrgänge vor Corona findet und nicht für sich selbst. „Es ist auch eigentlich unnötig für uns“, sagt sie. Die halbe Stunde mehr habe ihr nicht wirklich viel gebracht. Die Zeit hätte sie lieber eingebüßt und dafür ohne Maske geschrieben. Das sieht auch Paula so: „Viele meiner Freunde haben so reagiert wie ich, wir haben uns gefragt, was uns eine halbe Extrastunde bringt. Ich hätte sie jetzt nicht gebraucht.“ Zum Stichwort „Fairness“ ergänzt Ann-Sophie: „Ich denke, das kommt auch auf das Fach an. Unsere Mathelehrerin meinte, das könnte durchaus von Vorteil sein“, sagt die 18-Jährige.

Corona-Tests im Vorfeld freiwillig: Schüler haben sich abgesprochen

Den Schülern am Salier-Gymnasium stand es vor den Klausuren frei, einen Corona-Test zu machen. Von den 42 Abitur-Anwärtern haben sich 31 dazu entschieden, einen Schnelltest zu machen. Die Getesteten und Nicht-Getesteten werden für die Prüfung auf unterschiedliche Räume aufgeteilt. In den Raum der Getesteten kommt nur, wer einen Test aus einem Testzentrum oder einer Apotheke nachweisen kann. „Ich habe am Sonntagabend einen Schnelltest im Bürgerzentrum gemacht“, erzählt ein 18-jähriger Schüler nach der Prüfung.

Im Raum der Nicht-Getesteten gab es jedoch eine Absprache zwischen den Schülern, verraten Paula und Ann-Sophie: „Wir haben uns alle dazu entschieden, zu Hause dann vorab einen Test zu machen.“ Den Grund dafür erklärt Ann-Sophie: „Ich persönlich wollte nicht in die Schule gehen, vorbereitet sein und dann einen positiven Test haben. Dann mach ich das lieber zu Hause.“

Themen an den Gymnasien unterschiedlich

Das Corona-Schuljahr vor dem Abi haben die jungen Frauen nicht so positiv empfunden. Dass sie mal in die Schule konnten und dann doch wieder nicht und auch, dass das digitale Lernen nicht auf Anhieb funktioniert hat, fanden Paula, Ann-Sophie und Elena nicht so gut. Es war eben alles anders als sonst.

Manches bleibt beim Deutsch-Abitur aber auch trotz Corona gleich: Wie immer können die Schüler zwischen verschiedenen Aufgabenstellungen wählen. Von den sechs möglichen Themen hat die Lehrkraft am Morgen eine Vorauswahl getroffen und drei Aufgaben ausgesucht. Davon müssen die Schüler eine bearbeiten. Am Salier-Gymnasium kann gewählt werden zwischen einem Kommentar, einem Werkvergleich zwischen Hoffmanns „Der goldene Topf“ und Hesses „Steppenwolf“ und der Interpretation eines Kurzprosatextes von Thomas Bernhard aus dem Jahr 1952.

Der Kommentar, der in diesem Jahr erstmals angeboten wird, erfreut sich größter Beliebtheit: 14 der 26 Teilnehmer entscheiden sich für „Thema 3“ des Deutsch-Abiturs. Auch Paula und Ann-Sophie haben sich für den Kommentar entschieden. Dabei geht es um das gegenwärtig brisante Thema der „Geschlechtergerechten Sprache“. „Ich finde, das ist aktuell, und darüber kann man viel schreiben“, sagt Elena, die sich ebenfalls für das neue Thema entschieden hat.

Am Staufer-Gymnasium ergibt die Vorauswahl der Lehrkraft folgende drei Themen, zwischen denen die Schüler wählen können: Erörterung eines literarischen Textes (Goethes „Faust“ und Michael Jaegers „Margaretes Grauen“), vergleichende Interpretation zweier Gedichte (Friedrich Schlegels „Der Wanderer“ und Stefan Zweigs „Fahrten“) und die Analyse und Erörterung eines pragmatischen Textes (Peter Strassers „Der Selbstbetrug in der digitalen Selbstverwirklichung – über das Elend des Nicht-vergessen-Könnens“).

An den drei beruflichen Gymnasien in Waiblingen kann zwischen fünf Themen gewählt werden. Am beliebtesten ist hier ein Essay zum Thema „Alles fürs Klima?!“, für das sich 33 der insgesamt 94 Teilnehmer entschieden haben.

Zufriedene Gesichter und ausgelassene Stimmung – Paula und Ann-Sophie sind die Ersten, die am Dienstagnachmittag nach der Klausur aus dem Waiblinger Salier-Gymnasium kommen. Auf die Frage „Wie ist es gelaufen?“ sagen beide einvernehmlich: „Ich glaube, ganz gut.“

Die beiden 18-Jährigen sind zwei von 42 Schülerinnen und Schülern, die in diesem Jahr am Salier-Gymnasium zum Abitur antreten. Am Dienstag, 4. Mai, ist der Startschuss mit der Prüfung in Deutsch gefallen. An dieser haben 26

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