Waiblingen

Corona im Seniorenzentrum: Ein Toter und drei schwer Erkrankte im Alexander-Stift Hegnach

Alexanderstift
Das Alexander-Stift-Seniorenzentrum in Waiblingen-Hegnach: Wie lange die Quarantäne noch andauert, ist unklar. © Benjamin Büttner

Ende vergangener Woche hatte die Diakonie Stetten bekanntgegeben, dass in einem ihrer Seniorenzentren, dem Alexander-Stift in Waiblingen-Hegnach, 20 der insgesamt 37 Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet worden sind. Zum damaligen Zeitpunkt zeigte noch keiner der Betroffenen Symptome, auch die Testergebnisse der Mitarbeiter standen noch aus. Eine erneute Nachfrage bei der Diakonie hat ergeben: Die Lage im Heim hat sich übers Wochenende deutlich zugespitzt.

Wie Steffen Wilhelm, Pressesprecher der Diakonie Stetten, mitgeteilt hat, sind inzwischen 21 Bewohner des unter Quarantäne stehenden Heims corona-positiv getestet worden. Außerdem hat inzwischen auch der Großteil der Mitarbeiter die Testergebnisse bekommen: Auch hier gibt es mindestens sieben Infizierte.

Mehrere Bewohner erkrankt, ein 91-Jähriger verstorben

Auch die Corona-Symptome haben nicht mehr lange auf sich warten lassen: „Inzwischen zeigen mehrere Bewohner Symptome“, informiert der Pressesprecher. Am Wochenende sei ein 91-jähriger Bewohner, der schon vor dem positiven Coronatest lebensbedrohlich erkrankt war und palliativ betreut wurde, leider verstorben. „Bei drei Bewohnern, die ebenfalls Vorerkrankungen haben, gibt es schwere Verläufe mit akuten Krankheitssymptomen.“

Ursprünglich sind die Corona-Fälle im Alexander-Stift Hegnach nur durch Zufall entdeckt worden: Eine Bewohnerin hatte sich für eine Routine-Untersuchung, die nichts mit Corona zu tun hatte, in ein Krankenhaus begeben und war dort standardmäßig auf das Virus getestet worden. Als dieser Test überraschenderweise positiv zurückkam – die betroffene Seniorin hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Symptome, die auf eine Erkrankung mit Corona hingedeutet hätten –, wurden bei ihren Mitbewohnern im Heim ebenfalls Tests durchgeführt. Mehr als die Hälfte dieser Tests fiel positiv aus.

Das Infektionsgeschehen ist schwer nachvollziehbar

Seit dem ersten positiven Testergebnis steht das Altenheim unter Quarantäne, die Bewohner werden auf ihren Zimmern betreut. Wer wen zuerst angesteckt hat und wann diese erste Infektion stattgefunden hat, ist nach wie vor nicht bekannt: „Die Infektionskette lässt sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen, da zu Beginn des Infektionsgeschehens alle Betroffenen symptomfrei waren“, so Steffen Wilhelm. Das Infektionsgeschehen sei im Alexander-Stift in Hegnach eben ähnlich diffus wie in der Allgemeinbevölkerung und in anderen Einrichtungen.

Immerhin war das Haus bis vor kurzem noch normal geöffnet: Bewohner konnten Besuch von Angehörigen bekommen (wenn auch eingeschränkt und mit strengen Hygiene-Auflagen) und waren eben auch ab und an außerhalb des Heims unterwegs – sei es zum Spazierengehen oder zum Einkaufen, erklärt der Pressesprecher.

Innerhalb von Seniorenzentren und ähnlichen Einrichtungen gelten nach der aktuellen Corona-Verordnung auch keine großen Beschränkungen: Die Bewohner können sich weiterhin unbegrenzt im Haus bewegen und den Kontakt zu Mitbewohnern pflegen. Die Mitarbeiter tragen auch nicht standardmäßig Schutzkleidung wie zum Beispiel FFP2-Masken, ohne dass Verdacht auf Corona besteht.

Fiebermessen und Schutzausrüstung

Wie geht es nun im Alexander-Stift Hegnach weiter, wie lange wird die Quarantäne noch andauern? Alle Bewohner in Hegnach würden in enger Abstimmung mit dem zuständigen Pandemie-Arzt und dem Gesundheitsamt intensiv begleitet und beobachtet, berichtet der Pressesprecher der Diakonie Stetten: „Zweimal täglich wird bei allen Bewohnern Fieber gemessen.“ Die Mitarbeiter arbeiten demnach seit Bekanntwerden des ersten Falls und auch weiterhin während der ganzen Schicht in der vorgeschriebenen Schutzausrüstung.

„Die Situation ist für die Bewohner, die Angehörigen und die Mitarbeitenden sehr belastend im Moment“, sagt Gaby Schröder, die Geschäftsführerin des Alexander-Stifts. „Wir tun alles dafür, um die Gesundheit der Betroffenen zu schützen und die Situation bald wieder zu normalisieren. Bei allen erkrankten Bewohnern hoffen wir auf eine baldige Besserung und Genesung.“ Großer Dank gelte den Mitarbeitern vor Ort, die von Beginn an alle notwendigen Maßnahmen umgesetzt hätten. „Und die sich derzeit unter erschwerten Bedingungen sehr engagiert um die Bewohner kümmern“, lobt die Geschäftsführerin.

Die Quarantäne dauert erst mal an

Wie lange das Haus noch unter Quarantäne stehen muss, bleibt abzuwarten: „Über die individuelle Quarantäne-Dauer für die Bewohner entscheidet das Gesundheitsamt“, so Steffen Wilhelm. Oft endet diese 14 Tage nach dem positiven Testergebnis. Bei schwereren Verläufen kann das aber anders aussehen. Die Quarantäne für das Haus gilt genau so lange, bis bei allen Bewohnern wieder negative Tests vorliegen.

Die Diakonie versichert, dass im Alexander-Stift insgesamt die Vorgaben der Gesundheitsämter, die Corona-Verordnung des Landes und die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für Pflegeeinrichtungen seit Beginn der Pandemie konsequent beachtet und umgesetzt würden. Dass sich ausgerechnet hier so viele Bewohner auf einmal angesteckt haben, sei wohl einfach Pech. Davon geht auch das Gesundheitsamt aus: „Wir sehen keinen Anlass dafür, zu glauben, dass im Alexander-Stift Hygiene-Regeln nicht befolgt worden sind“, sagt Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamts Rems-Murr-Kreis.

Zum Vorbeugen soll in Zukunft regelmäßig getestet werden

Für die Zukunft setzt die Diakonie weiterhin auf Schnelltest-Verfahren. Diese sollen das Ansteckungsrisiko reduzieren. „Die Schnelltests wurden vom Alexander-Stift schon vor einigen Wochen bestellt, als klar war, dass das Infektionsgeschehen allgemein wieder stark zunimmt“, erklärt Steffen Wilhelm. Aufgrund von Lieferengpässen seien sie aber bislang noch nicht angekommen. Die Tests sollen so bald wie möglich in den Häusern zum Einsatz kommen. Geplant sei, jeden Bewohner und jeden Mitarbeiter einmal wöchentlich zu testen, die Besucher, die ins Haus kommen, sollen sich ebenfalls sofort testen lassen können – sofern die Kapazitäten das zulassen und die Bewohner und Besucher den Tests zustimmen. Denn die Tests sind freiwillig.

Ende vergangener Woche hatte die Diakonie Stetten bekanntgegeben, dass in einem ihrer Seniorenzentren, dem Alexander-Stift in Waiblingen-Hegnach, 20 der insgesamt 37 Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet worden sind. Zum damaligen Zeitpunkt zeigte noch keiner der Betroffenen Symptome, auch die Testergebnisse der Mitarbeiter standen noch aus. Eine erneute Nachfrage bei der Diakonie hat ergeben: Die Lage im Heim hat sich übers Wochenende deutlich zugespitzt.

Wie Steffen

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