Waiblingen

Corona-Impfung für Schwangere? Das raten ein Chefarzt und eine Hebamme

Impfen schwangere
Schwangere werden nicht priorisiert geimpft, obwohl viele Mediziner das empfehlen. © adobestock Olga Yastremska

Sollten sich schwangere und stillende Frauen gegen das Coronavirus impfen lassen? Diese Frage beschäftigt Frauen, die sich aktuell in dieser Situation befinden, ebenso wie ihre Familien. „Es ist zurzeit die meistgestellte Frage, egal ob im Geburtsvorbereitungskurs, bei der Schwangerenbetreuung oder im Wochenbett“, sagt die Waiblinger Hebamme Birgit Bauder. Das Problem ist: „Noch fehlen entsprechende Studien. Es gibt also keine einheitliche Meinung, sondern viele verschiedene Stellungnahmen von unterschiedlichen Fachgesellschaften. Das macht die Frage so schwierig zu beantworten.“ Birgit Bauder versucht, Schwangeren bei ihrer Entscheidung zu helfen, indem sie sich immer über den aktuellsten Stand der Forschung informiert und dieses Wissen an die Frauen weitergibt.

Für Hans-Joachim Strittmatter, Chefarzt der Fachklinik Gynäkologie und Geburtshilfe am Rems-Murr-Klinikum, steht außer Frage: „Sowohl stillende Mütter als auch Schwangere sollten gegen das Coronavirus geimpft werden.“ Denn Schwangere hätten bei einer Covid-19-Infektion ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, da das Immunsystem sich anders verhalte. Im Rems-Murr-Klinikum waren die Ärzte bereits mit einem solchen Fall konfrontiert. Laut einer Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) brauchen Schwangere sechsmal häufiger eine intensivmedizinische Betreuung, und eine Beatmung sei sogar 23-mal häufiger nötig als bei gleichaltrigen nicht schwangeren Frauen.

Fachverbände fordern Impfempfehlung

Bereits Anfang Mai hatten sich elf medizinische Fachverbände, darunter der BVF und die DGGG, für eine priorisierte Covid-19-Schutzimpfung für schwangere und stillende Frauen mit einem mRNA-basierten Impfstoff ausgesprochen. In einigen anderen Ländern, wie zum Beispiel Israel und USA, werden Schwangere geimpft.

Auch Strittmatter ist überzeugt, dass eine Covid-19-Infektion werdende Mütter vor deutlich größere Probleme stellen kann, als sie durch eine Impfung entstehen könnten. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt er die Impfung im zweiten oder dritten Trimenon. Diese Empfehlung habe aber mehr psychologische Gründe denn medizinische: „Im ersten Drittel einer Schwangerschaft kommt es häufig zu Aborten.“ Er selbst sei allerdings überzeugt, dass die Schutzimpfung darauf keinen Einfluss nehme.

Impfung kann Mutter und Kind schützen

Für eine Impfung spreche außerdem, dass sie nicht nur die Mutter, sondern auch den Fötus und den Säugling schütze: Durch eine Impfung gebildete Antikörper werden von der Mutter schon im Mutterleib und später über die Muttermilch an das Kind weitergegeben. „Der beste Schutz fürs Kind ist die Gesundheit der Mutter“, fasst der Chefarzt der Gynäkologie zusammen.

Denn immer wieder infizieren sich schwangere Frauen mit dem Coronavirus: Hebamme Birgit Bauder hat in den vergangenen Monaten drei erkrankte Schwangere betreut. In allen Fällen sei die Erkrankung zum Glück erst im zweiten oder dritten Trimenon aufgetreten, und alle Frauen hätten sich gut erholt. Der Umgang mit dem Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, sei von werdender oder frischgebackener Mutter zu Mutter verschieden. Während das für manche Frauen kein Thema sei, sei es für andere eine große Sorge. Diese Frauen machten sich viele Gedanken darüber, ob sie sich impfen lassen sollen oder nicht.

Keine generelle Impfempfehlung der Stiko

Es wird nicht einfacher dadurch, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) sehr zurückhaltend agiert. Mitte Mai sprach sie zwar eine Impfempfehlung aus, die lautet: „Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung oder mit einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände kann nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ab dem zweiten Trimenon angeboten werden.“

Eine generelle Impfempfehlung für Schwangere gibt es jedoch nicht, sie werden in keiner der drei Priorisierungsgruppen genannt. Das liegt laut Hans-Joachim Strittmatter an den noch fehlenden Studien und Daten. Wo es nur eine geringe Menge an Daten gebe, könne eine Institution wie die Stiko keine Empfehlung aussprechen. „Wir Mediziner in den Kliniken jedoch sind vor Ort und sehen schwere Verläufe der Erkrankung.“ Deshalb hielte er es für richtig, Schwangere und stillende Frauen mindestens in die Priorisierungsgruppe 3 aufzunehmen.

Nicht nur Schwangere, auch stillende Frauen machen sich Gedanken darüber, ob sie sich impfen lassen sollen oder nicht, erlebt Birgit Bauder in Waiblingen. „Viele fragen sich zum Beispiel, ob sie dann eine Stillpause einlegen sollten oder gar abstillen müssten“, schildert die Hebamme. Insgesamt gingen die Empfehlungen von Fachgesellschaften und Medizinern aber dahin, dass das nicht nötig sei, erklärt Bauder.

Sollten sich schwangere und stillende Frauen gegen das Coronavirus impfen lassen? Diese Frage beschäftigt Frauen, die sich aktuell in dieser Situation befinden, ebenso wie ihre Familien. „Es ist zurzeit die meistgestellte Frage, egal ob im Geburtsvorbereitungskurs, bei der Schwangerenbetreuung oder im Wochenbett“, sagt die Waiblinger Hebamme Birgit Bauder. Das Problem ist: „Noch fehlen entsprechende Studien. Es gibt also keine einheitliche Meinung, sondern viele verschiedene Stellungnahmen

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