Waiblingen

Corona-Isolation: Wunsch nach Haustier steigt

Aquarium Meißner
Während der Corona-Krise hat Ulrich Meißner mehr Fische verkauft als zuvor. © Gabriel Habermann

In den vergangenen Monaten haben die Menschen so viel Zeit zu Hause verbracht wie nie. Da kommt Langeweile auf und bei Alleinlebenden der Wunsch nach Gesellschaft. Auch Haustiere können Gefährten sein. Steigt während der Corona-Isolation der Wunsch nach einem tierischen Mitbewohner?

Ulrich Meißner, Inhaber der Zoohandlung Schreiter in Fellbach, kann das bestätigen: „Ich habe in den vergangenen Wochen etwas mehr Kleintiere verkauft als sonst.“ Vor allem kleine Aquarien und Hamster wurden nachgefragt. Dass die meisten Menschen plötzlich mehr Zeit hatten, wirkte sich aber nicht nur bei Neuanschaffungen positiv aufs Geschäft aus: „Viele Aquarienbesitzer haben die Zeit genutzt, um ihren Fischbestand zu vergrößern oder das Becken umzugestalten.“ Denn ein Aquarium einzurichten braucht Zeit - und genau die haben viele Menschen jetzt gehabt. Bei Fischen und Kleintieren, wie er sie in seiner Zoohandlung verkauft, sieht Ulrich Meißner eine coronabedingte Neuanschaffung von Tieren relativ unkritisch: „Die Pflege ist nicht so aufwendig, das schaffen die Menschen auch, wenn der normale Alltag wieder einkehrt und sie weniger Zeit zu Hause verbringen.“

Habe ich genug Zeit und Geld für ein Haustier?

Ganz anders ist das natürlich bei größeren Tieren wie zum Beispiel Hunden. „Sich einen Hund zuzulegen ist eine wichtige Entscheidung, die gut überlegt sein muss“, sagt die Waiblinger Hundezüchterin Claudia Fehm. Für einen Hund benötigt man nicht nur über viele Jahre hinweg ausreichend Zeit für Pflege und Spaziergänge. Auch die Kosten für Tierarzt, Futter und Hundesteuer muss man sich langfristig leisten können und wollen. Auch Claudia Fehm hat von Kunden und Züchterkollegen gehört, dass es während der Corona-Krise einen regelrechten Ansturm auf Welpen gegeben habe. Dieser wird noch verschärft durch die Tatsache, dass Treffen zum Decken mit anderen Züchtern eine Zeit lang ebenfalls nicht stattfinden konnten. Fehm selbst würde keinen ihrer Welpen spontan hergeben, viel zu groß wäre ihr das Risiko, dass das Tier in einem Tierheim abgegeben werde, wenn die Menschen wieder weniger Zeit zu Hause verbrächten. Doch sie könnte auch gar keinen Welpen kurzfristig an einen Interessenten abgeben, da alle Verkäufe langfristig vorbereitet werden: „Die Warteliste reicht bis zu einem Jahr.“ Das liege sicher auch an der Rasse, die sie züchte: Gos d’Atura Català, spanische Hütehunde, sind weniger bekannt. Wer sich für eines ihrer Tiere interessiere, habe sich in der Regel schon lange mit dem Thema beschäftigt, ob er sich einen Hund zulegen kann und will und welche Rasse es sein soll.

Vermittlung von Tieren ist zeitintensiver

Auch wer zurzeit beim Tierschutzverein Waiblingen nach einem Haustier fragt, hat sich in der Regel schon lange mit dem Thema beschäftigt, sagt die Vereinsvorsitzende Annemarie Werner. Sie beobachtet, dass während der vergangenen Wochen weniger Tiere abgegeben wurden, die zusätzliche Zeit zu Hause scheint sich positiv auszuwirken. Die Zahl der Interessenten für ein Haustier sei unterdessen etwa konstant geblieben, sagt Werner. Die Vermittlung der Tiere allerdings ist für den Verein durch die Corona-Krise deutlich zeitintensiver geworden: „Um die Kontakte zu beschränken, versuchen wir, noch mehr als früher im Vorfeld telefonisch zu besprechen, bevor es zu einem Treffen kommt.“ Da der Tierschutzverein Waiblingen nur Tiere aus privaten Pflegestellen vermittelt, ist es besonders wichtig, im Vorfeld mit allen Beteiligten genau zu klären, wie das Treffen und eine mögliche Übergabe eines Tieres ablaufen kann. Wer sicher ist, dass er ein Haustier halten will und kann, könnte tatsächlich jetzt die Zeit nutzen: Wer mehr Zeit zu Hause verbringt, hat auch mehr Zeit, den neuen Mitbewohner kennenzulernen.