Waiblingen

Corona-Schließung: Was macht die Villa Roller ohne Jugendliche?

Villa Roller Team 2019
(Von links) Martina Schreier, Leiterin der Villa Roller, die Sozialpädagogen Michael Denzel und Lukas Ilikca stehen bei Problemen täglich von 14 bis 17 Uhr telefonisch zur Verfügung. © Gabriel Habermann

Beziehungsarbeit spielt in vielen Jugendhäusern wohl eine der wichtigsten Rollen. „Das Persönliche in der Sozialen Arbeit ist unausweichlich“, sagt Karl-Henning Reuter, Abteilungsleiter der Kinder- und Jugendförderung (KFJ) in Waiblingen. In der Kernstadt und den Ortschaften gibt es insgesamt acht Jugendhäuser, die aber seit Mitte März wegen dem Coronavirus geschlossen sind – und es voraussichtlich auch nach dem 5. Mai noch sein werden. Ein Öffnungsdatum gibt es noch nicht. „Wir halten euch auf dem Laufenden“, schreibt die Villa Roller in einem Beitrag auf der Fotoplattform Instagram und auf Facebook.

Jugendarbeit übers Internet

Wie sieht die Jugendarbeit in Zeiten von Corona aus? Die Antwort darauf ist nicht überraschend: Wie in vielen anderen Bereichen läuft sie zurzeit hauptsächlich übers Internet. Allerdings nicht nur. „Die Mobile Jugendarbeit ist vor Ort in der Stadt unterwegs, die unterstützen wir auch“, sagt Sozialpädagoge Michael Denzel. Er arbeitet im Jugendzentrum Villa Roller. Dort ist er verantwortlich für den Veranstaltungs- und Musikbereich mit Tonstudio und Proberaum, außerdem leitet er die Band-Werkstatt und die Teeniearbeit. Das Jugendzentrum Villa Roller spielt eine zentrale Rolle, weil es im Normalfall der Jugendtreff ist, der unter der Woche die meisten Besucher anzieht. Zwar schwanke die Zahl, doch Karl-Hennig Reuter schätzt, dass pro Tag etwa 50 bis 70 Jugendliche reinschauen. Und am Wochenende kämen zu unterschiedlichen Zeiten sogar bis zu Hundert junge Leute in der Villa vorbei. „Wir haben ganz gute Besucherzahlen“, bestätigt Sozialpädagoge Denzel.

Informationen in der Jugend-App "Your WN"

Doch im Moment kommt wegen Corona niemand. Um den Kontakt mit den Jugendlichen aufrechtzuerhalten, kommunizieren die Mitarbeiter manchmal per Videotelefonie, hauptsächlich informieren sie ihre Stamm-Besucher aber über Facebook, Instagram oder Whatsapp. Sie veröffentlichten jeden Tag unterschiedliche Beiträge, etwa mit wissenswerten Informationen zu Corona, sagt Denzel. Meldungen zu den aktuellsten Verordnungen sind auch in der Jugend-App „Your WN“ zu finden. „Es gab 700 Downloads“, sagt Karl-Henning Reuter. Die App wurde vergangenes Jahr vom Waiblinger Jugendgemeinderat eingeführt und informiert in normalen Zeiten unter anderem über Konzerte, Sportturniere, oder Busausfälle.

Unterhaltung auf Instagram

Neben den Informationen wollen die Sozialarbeiter den Jugendlichen aber auch ein wenig Unterhaltung bieten: Besonders auf Instagram posten sie etwa Quiz-Fragen. Um sich nach dem Befinden der Jugendlichen zu erkundigen, starten sie auch Umfragen, beispielsweise dazu, wie die jungen Menschen mit der aktuellen Lage umgehen. Da diese Kanäle auch vorher gut bedient worden seien, konnten die Jugendhäuser in der Corona-Krise darauf aufbauen, sagt der Abteilungsleiter.

Jugendzentrum telefonisch zwischen 14 und 17 Uhr erreichbar

Wer ein Anliegen hat, kann das Team des Jugendzentrums täglich zwischen 14 und 17 Uhr telefonisch erreichen oder einen Termin vereinbaren. „Sie können Kontakt mit uns aufnehmen, wenn es brennt“, sagt Denzel. In der Villa Roller ist trotz der Schließung tagsüber auch einer der drei Hauptamtlichen vor Ort – entweder die Leiterin Martina Schreier oder ihre Kollegen Michael Denzel und Lukas Ilikca. So konnten die Sozialpädagogen auch während der Pandemie einigen Jugendlichen etwa bei Bewerbungen helfen oder ihnen einen Laptop dafür leihen. Natürlich unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen, sagt Denzel.

Jugendhäuser bleiben voraussichtlich nach dem 5. Mai weiterhin geschlossen

Das Jugendhaus Villa Roller ist auch für seine vielen Konzerte und Veranstaltungen bekannt. Alle geplanten Termine im März und April sind coronabedingt ausgefallen. Wie es weiter geht, steht noch nicht fest. Das Team gehe davon aus, dass die Villa Roller nach dem 5. Mai weiterhin geschlossen bleibt. „Wir richten uns nach den politischen Vorgaben“, sagt Denzel. „Natürlich machen wir uns Gedanken, aber es ist zu früh, sich dazu zu äußern.“

Den Kontakt auf Dauer nur übers Internet aufrechtzuerhalten sei schwierig. „Die Situation belastet uns alle sehr“, sagt er. Die Jugendlichen, die sich bei Denzel melden, schilderten vor allem eines: Langeweile. Größere Probleme zu Hause, bei denen die Sozialarbeiter hätten einschreiten müssen, seien nicht an ihn herangetragen worden. Abteilungsleiter Reuter hofft, dass der persönliche Kontakt bald wieder möglich ist: „Bei unserer Arbeit ist es wichtig, jemanden gegenüber zu haben.“

Beziehungsarbeit spielt in vielen Jugendhäusern wohl eine der wichtigsten Rollen. „Das Persönliche in der Sozialen Arbeit ist unausweichlich“, sagt Karl-Henning Reuter, Abteilungsleiter der Kinder- und Jugendförderung (KFJ) in Waiblingen. In der Kernstadt und den Ortschaften gibt es insgesamt acht Jugendhäuser, die aber seit Mitte März wegen dem Coronavirus geschlossen sind – und es voraussichtlich auch nach dem 5. Mai noch sein werden. Ein Öffnungsdatum gibt es noch nicht. „Wir halten euch

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