Waiblingen

Corona-Weihnachtsmarkt 2021 in Waiblingen: Schausteller bangen um ihre Existenz

Krecksch  Weihnachtsmarkt
Auch in diesem Jahr bietet Schausteller Denis Krecksch auf dem Markt gebrannte Mandeln an. © Gabriel Habermann

„Unsere Existenz ist bedroht, wenn die Weihnachtsmärkte abgesagt werden“, sagt Denis Krecksch. Der Schausteller aus Rommelshausen ist Jahr für Jahr auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt und anderen Märkten in Fellbach, Welzheim und Rommelshausen zu finden. Dort bietet der 44-Jährige an seinen Süßwarenständen Mandeln, Lebkuchen und Magenbrot feil.

Jedoch macht die Pandemie den Marktbeschickern schwer zu schaffen. Vielerorts werden Weihnachtsmärkte abgesagt, woraufhin Verdienstquellen für die Schausteller wegfallen. Auch wenn es in Waiblingen den klassischen Weihnachtsmarkt in diesem Jahr nicht geben wird, zeigt sich Denis Krecksch erleichtert, dass er mit seinem Mandelwagen am „Weihnachtlichen Lichterglanz & Budenzauber in Waiblingen“ teilnehmen kann.

Dezentrales Angebot in der Vorweihnachtszeit, um Ansammlungen zu vermeiden

„Das ist besser als gar kein Weihnachtsmarkt“, so Krecksch. Er führt den Familienbetrieb gemeinsam mit Vater Rainer Krecksch bereits in vierter Generation. „Mein Uropa hat schon vor 50 Jahren einen kleinen Weihnachtsmarkt in Waiblingen veranstaltet, da gab es den jetzigen noch gar nicht“, so der Sohn.

In diesem Jahr setzt die städtische Wirtschaft-, Tourismus- und Marketing GmbH als Veranstalterin der vergangenen Weihnachtsmärkte auf ein dezentrales Konzept: Die Innenstadt werde festlich beleuchtet, einzelne und wenige Stände in der Innenstadt verteilt, erläutert Geschäftsführer Marc Funk. Der Süßwarenstand der Familie Krecksch wird einer von circa elf Ständen sein, mit welchen die WTM vorweihnachtliche Stimmung in die Innenstadt bringen will. Zudem sollen sich die örtlich ansässigen Partner an der Aktion beteiligen. Ziel sei es, große Ansammlungen zu vermeiden. In Corona-Zeiten gehe es um „qualitativ gute Angebote, die besucht werden können, ohne dass es ein Gedränge gibt“.

Krecksch: „Die Weihnachtsmärkte machen 85 Prozent vom Jahresumsatz aus“

„Das Pferdekarussell und die Eisenbahn dürfen wir nicht aufbauen“, sagt Denis Krecksch. Die Stadt habe sich in diesem Jahr gegen solche Attraktionen entschieden. Von der WTM heißt es: Um Menschenansammlungen zu vermeiden, „wurde auch auf das Bühnenprogramm, das Kasperletheater und das Bähnle verzichtet“, so Marc Funk.

Obwohl die Schausteller einige Abstriche machen müssen, überwiegt die Erleichterung, überhaupt Waren anbieten zu dürfen. „Die Weihnachtsmärkte machen 85 Prozent vom Jahresumsatz aus“, sagt Denis Krecksch. „Wenn ich 20 bis 30 Prozent von dem Umsatz aus Normalzeiten bekomme, bin ich zufrieden“, sagt der 44-Jährige.

Allerdings fehlen nun die Einnahmen aus dem vergangenen Jahr, da die Märkte während des Lockdowns im Winter abgesagt wurden. Um am Budenzauber in Waiblingen teilnehmen zu können, muss der Schausteller in Vorkasse bei seinen Lieferanten gehen. Doch stellt sich heraus: Die gewünschte Ware ist nicht immer lieferbar. „Die Warenlieferanten haben ihre Produktion eingestellt“, sagt Krecksch. Nur über gute Kontakte, die bereits der Urgroßvater mit einem Lieferanten pflegte, kann er noch Lebkuchen, Mandeln und allerlei Süßes ergattern.

„Die Fixkosten laufen weiter, egal ob Geld reinkommt oder nicht“, so Krecksch. So kündigte er kurzerhand Versicherungen und Lebensversicherungen, „die Altersvorsorge ist dahin“. Die staatlichen Hilfen: „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Krecksch. Meist kamen die Hilfen viel zu spät, bis dahin sei man pleite. Von der Politik wünscht sich Krecksch: „Es hätten vorausschauendere Entscheidungen getroffen werden müssen.“ Jetzt seien erneut die Weihnachtsmärkte betroffen.

2G beim Budenzauber: Geimpfte und Genesene bekommen ein Festivalbändchen

Beim Budenzauber und an den jeweiligen Partnerstellen sei der Alkoholausschank erlaubt, teilt die WTM mit. Besucherinnen und Besucher müssen im Freien keine Maske tragen, es sei denn, „der Mindestabstand von 1,5 Meter kann nicht mehr eingehalten werden“, so WTM-Geschäftsführer Marc Funk. Die Einhaltung der 2G-Regelung an den Pop-up-Ständen solle zudem überwacht werden. „Die Kontrollen erfolgen direkt in der Gaststätte, an einem Stand oder im Einzelhandel“, so die WTM.

Jeder Besucher bekommt zudem ein Festivalbändchen, das die 2G-Kontrolle erleichtern soll. Des Weiteren sei mit Kontrollen im Rahmen der gewerblichen Überwachung zu rechnen, „auch während der Weihnachtszeit in der Altstadt“. Welche Corona-Maßnahmen die einzelnen Standbesitzer umsetzen und beachten müssen, lasse sich aktuell noch nicht sagen, so Hans-Günter Aeckerle vom Arbeitskreis „Waiblingen engagiert“.

"Es wird abends ein bisschen ruhiger zugehen"

Der Arbeitskreis wird auch mit einem Stand in der Innenstadt vertreten sein. Täglich werden von 12 bis 20.30 Uhr Ehrenamtliche interessierten Passanten von ihrer Arbeit berichten. Hans-Günter Aeckerle vermutet: „Es wird abends ein bisschen ruhiger zugehen als üblich.“ Was das für die Schausteller bedeutet, sei bislang nicht abzusehen. Trotz der Einschränkungen sei man optimistisch, so Linda Brandl, Vizepräsidentin des Landesverbands Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg. „Leider gehen oft vorgenommene räumliche Beschränkungen beziehungsweise Sortimentsbeschränkungen fast immer zulasten von Schaustellern und Marktkaufleuten.“

Hilfsprogramme laufen zum Jahresende aus

Personalprobleme und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Waren stellen die Beschicker vor weitere Herausforderungen. „Das Reisegewerbe steht mitten im Existenzkampf und wird jetzt zusätzlich durch die gegenwärtige vierte Welle der Pandemie zusätzlich belastet.“ Es gebe zwar Bundeshilfen, die jedoch nur langsam bei den Betroffenen ankommen und für einen hohen Aufwand bei der Beantragung sorgen. „Diese ersetzen aber nur die monatlich anfallenden Fixkosten“, so Brandl. Auch vom Land gebe es Zuschüsse.

Die Programme laufen allerdings zum Jahresende aus. Doch die aktuelle Corona-Lage macht deutlich: „Für den Erhalt der Betriebe sind weitere Finanzhilfen seitens des Bundes und des Landes sicher nötig“, so die Vizepräsidentin.

„Unsere Existenz ist bedroht, wenn die Weihnachtsmärkte abgesagt werden“, sagt Denis Krecksch. Der Schausteller aus Rommelshausen ist Jahr für Jahr auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt und anderen Märkten in Fellbach, Welzheim und Rommelshausen zu finden. Dort bietet der 44-Jährige an seinen Süßwarenständen Mandeln, Lebkuchen und Magenbrot feil.

Jedoch macht die Pandemie den Marktbeschickern schwer zu schaffen. Vielerorts werden Weihnachtsmärkte abgesagt, woraufhin Verdienstquellen für

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper