Waiblingen

Darum kontrolliert Polizei überall Radfahrer und Autofahrer

Sicherheit - Fahrradfahrer
Funktionieren die Klingel und das Fahrradlicht? © Benjamin Büttner

Zwei Polizisten lotsen eine Autofahrerin vor dem Bahnhof Waiblingen an den Straßenrand. Die Autofahrerin hat nichts falsch gemacht: Sie ist angeschnallt. Die Polizisten drücken ihr ein gelbes Halstuch in die Hand und einen Flyer. Damit machen sie auf die bundesweite Aktion aufmerksam „sicher.mobil.leben – Radfahrende im Blick“ sowie die landesweite Kampagne „Abgefahren - Ra(d)geber Verkehr“.

Autofahrer müssen beim Überholen von Fahrradfahrern innerorts einen Abstand von 1,5 Metern einhalten, außerorts sind es zwei Meter. „Viele wissen das nicht“, sagt Corinne Peterolff von der Verkehrspolizei. Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, müsse der Autofahrer abwarten und hinter dem Radfahrer fahren, bis sich die Gegebenheiten ändern, so Peterolff.

Verstoß gegen Abstandsregel bald im Bußgeldkatalog

Der Abstand muss auch eingehalten werden, wenn der Radfahrer auf einem Radschutzstreifen fährt, wie man ihn etwa vor dem Bahnhof Waiblingen antrifft. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Abstandsregel, die seit rund einem Jahr vorgeschrieben ist, in den Bußgeldkatalog aufgenommen wird. Dies werde im Moment noch geprüft, weiß Jonas Ilg von der Polizeipressestelle.

Bei den Verkehrskontrollen haben die Polizisten auch Fahrräder auf ihre Verkehrstauglichkeit untersucht. Sie haben geschaut, ob die Klingel funktioniert, das Licht und ausreichend Reflektoren am Rad vorhanden sind. Fehlt ein Detail, erhält der Radler in der Regel zunächst einen Mängelbericht mit einer Frist zur Nachbesserung. Hat er den Fehler behoben, kann er das Rad bei der Polizeidienststelle am Wohnort vorzeigen. 20 Euro Bußgeld kostet es, wenn die Beleuchtung am Fahrrad fehlt, so Ilg.

Rund 60 Polizisten des Polizeipräsidiums Aalen im Einsatz

Rund 60 Polizisten des Polizeipräsidiums Aalen waren am Mittwoch, 5. Mai, bei unzähligen Kontrollen darunter auch in Waiblingen und Backnang im Einsatz, um auf die Kampagne aufmerksam zu machen. Rund 8000 sind es bundesweit gewesen. „Ziel solcher Aktionen ist, dass es möglichst keine getöteten oder verletzten Personen mehr im Straßenverkehr gibt“, sagt Polizeipräsident Reiner Möller.

Zwei Drittel der verletzten Radfahrer trugen keinen Helm

Die Zahl der Radfahrer hat mit der Corona-Pandemie zugenommen – vor allem die Zahl der Pedelec-Fahrer. Damit auch die Zahl der Fahrradunfälle. Im Jahr 2020 verzeichnete das Polizeipräsidium Aalen 656 Unfälle mit Radfahrern, 321 davon gab es im Rems-Murr-Kreis, im Vorjahr waren es noch 288. Ebenso die Zahl der Unfälle mit Elektrofahrrädern. 104 wurden im Jahr 2020 im Rems-Murr-Kreis gezählt, 2019 waren es noch 88. Zwei Drittel der Verletzten haben beim Unfall keinen Helm aufgehabt, so Möller. „Ich werbe deshalb immer für das Tragen eines Fahrradhelms!“, betont er. Gleichzeitig gehe es aber auch um ein respektvolles Miteinander. „Verkehrssicherheit ist keine Arbeit, die nur die Polizei angeht“, betont Möller.

Landrat Richard Sigel betont, dass die Sensibilisierung hierfür schon in jungen Jahren beginnt, und verweist auf die Fahrradprüfung im Grundschulalter, wobei Kinder Verkehrsregeln und einen achtsamen Umgang im Straßenverkehr lernen. „Toll, dass dies auch in der Corona-Pandemie möglich gemacht wird“, lobt er.

In enger Partnerschaft mit Städten und Gemeinden sind Radschnellwege beispielsweise von Waiblingen in Richtung Ludwigsburg entstanden. Der Landkreis strebe beim Thema Fahrradverkehr das „gelbe Trikot an“, so Sigel. Eine andere Sache stehe noch „im Hausaufgabenheft“. Einen Verkehrsübungsplatz brauche der Landkreis noch. Thema Radverkehr in Waiblingen ist in allen Ortschaftsräten dieser Tage in Zusammenhang mit dem Verkehrsentwicklungsplan ein Thema, weiß Oberbürgermeister Andreas Hesky. Er selber sei ebenso gerne mit dem Fahrrad unterwegs und ärgere sich genauso über parkende Autos auf Radstreifen wie andere auch. „Alle sind gefordert“, betont Hesky und spielt damit auf die Vorgabe an, dass nicht einmal das Halten auf einem solchen Radschutzstreifen erlaubt ist.

Um die Aktion zu unterstreichen, sind in sämtlichen Städten und Gemeinden Busse mit entsprechender Beschriftung im Einsatz. Im Rems-Murr-Kreis wirbt ein Bus der Firma Schlienz für die Aktion, der zwischen Waiblingen und Fellbach sowie in Richtung Remseck auf unterschiedlichen Linien im Einsatz sein wird.

Info

Weitere Informationen zum Thema und zu der Aktion unter www.gib-acht-im-verkehr.de

Zwei Polizisten lotsen eine Autofahrerin vor dem Bahnhof Waiblingen an den Straßenrand. Die Autofahrerin hat nichts falsch gemacht: Sie ist angeschnallt. Die Polizisten drücken ihr ein gelbes Halstuch in die Hand und einen Flyer. Damit machen sie auf die bundesweite Aktion aufmerksam „sicher.mobil.leben – Radfahrende im Blick“ sowie die landesweite Kampagne „Abgefahren - Ra(d)geber Verkehr“.

Autofahrer müssen beim Überholen von Fahrradfahrern innerorts einen Abstand von 1,5 Metern

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