Waiblingen

Das Einmaleins der Hunde-Erziehung

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Lisa Mouratidou beim Ballspiel mit einem ihrer Dobermänner. © Palmizi/ZVW
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Der Hund weiß genau, was er zu tun hat. © Palmizi/ZVW

Waiblingen. Ob mit Joggern, Radfahrern oder Spaziergängern – immer wieder geraten Hundehalter in Konflikte mit Menschen ohne Hunde. Das muss nicht sein. Wohlerzogene Vierbeiner bringen weder Mensch noch Artgenossen in Bedrängnis. Beim Schäferhundeverein Waiblingen können Herrchen und Frauchen mit ihren Lieblingen üben.

Video: Zu Besuch beim Schäferhunde Verein Waiblingen.

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Dem Vereinsnamen zum Trotz: Beim Waiblinger Schäferhunde-Verein dürfen grundsätzlich alle Hunde trainieren, die Bezeichnung ist rein traditionell bedingt. „Wir sind keine Rassisten“, erklärt die Vorsitzende Lisa Mouratidou, Züchterin und Besitzerin von Dobermännern. Anfangen können Neulinge schon wenige Wochen nach der Geburt. Entsprechend herrscht beim Welpentraining am Donnerstag Halligalli auf dem Trainingsplatz am Schüttelgraben, denn das Angebot unter Leitung von Monika Hubert wird rege genutzt. Mit den Worten „Nein“ und „Platz“ fängt alles an. Bei den Kommandos kommt es auf Klarheit, Körpersprache und Konsequenz an. Das ist das A und O der Hundeerziehung. „Wie ein kleines Kind erkennt der Hund eine ärgerliche Stimme“, sagt die Hundetrainerin. Sitzen bleiben, wenn er sitzen bleiben soll, und spielen, nur wenn er darf – diese Art von Grundgehorsam sollte jeder Hund lernen. Alle weiteren Bemühungen sind sonst (zunächst) nutzlos. Ein verzogenes Tier auf die richtige Spur zu bringen, kostet viel mehr Mühe, als ein früher Trainingsstart. Hat der Hund einmal etwas gelernt, dann muss es durchgesetzt werden - immer. „Sonst funktioniert der Hund nicht“, sagt Lisa Mouratidou. „Und er muss funktionieren. Ich könnte mir nie verzeihen, wenn mein Hund Schaden anrichtet.“

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Klarheit herrscht beim Schäferhundeverein auch hinsichtlich der Methoden. Gerätschaften, die den Tieren Gewalt antun, oft beschönigend „Ausbildungshilfen“ genannt, sind tabu. Erst recht die ohnehin gesetzlich verbotenen Teletakter, bei denen die Tiere per Fernbedienung Stromschläge bekommen. Der Waiblinger Schäferhundeverein folgt einer ganz anderen Philosophie: Das klassische Straf-Schema hat ausgedient, die Ausbildung fußt auf Spiel und Belohnung. Was nicht bedeutet, in einem fort Leckerli zu verteilen. Als Belohnung dienen zwar oft Futterhappen, aber oft tun es auch ein liebevolles Streicheln oder ein Spielzeug, etwa ein Ball. Gut ausgebildete Hunde suchen ständig den Augenkontakt mit Herrchen und Frauchen, um zu kommunizieren. Nichts tun die Hunde lieber, als zu spielen oder Sport zu treiben. Irgendwann, nach konsequentem Training, braucht es die Leckerli kaum noch. Denn die Halterin kann ihn mittels Tonfall und Körperhaltung führen. Spielen und Kuscheln ist das höchste Glück, ein scharfes „Nein“ lässt ihn den Kopf senken.

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Ein Fehler, den laut Lisa Mouratidou viele Besitzer machen: Sie können den Hund nicht lesen, sie verstehen seine Sprache nicht, die sich in Lauten, Körperhaltung und kleinen Gesten äußert. Ein Hund sendet Signale, die von vielen aus Unkenntnis missdeutet werden. Schwanzwedeln bedeutet oft Freude - aber nicht immer. Sieht es etwas anders aus, kann auch ein Konflikt bevorstehen. Oder: Der Hund versteift sich, der Kopf geht nach unten - und der Besitzer merkt es nicht. Gähnen bedeutet nicht Müdigkeit, sondern Schmerzen, Unsicherheit oder das Bemühen, etwas zu vermeiden. Halter sollten sich die Mühe machen, diese Sprache zu lernen. „Hunde können nichts verschweigen, sie drücken immer aus, was sie fühlen“, ergänzt Thomas Herrmann. Wer den Hund vermenschlicht und sich sagt „Der Hund denkt jetzt, dass ...“ liegt falsch. Das Tier ist stets authentisch, überlegt nicht und trickst den Menschen auch nicht aus - dazu ist es kognitiv nicht in der Lage.

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Thomas Hermann versteht sich auf große Hunde – er führt selbst einen Cane Corso, eine massige, bis zu 50 Kilo schwere italienische Dogge. Nichts für Anfänger. Doch auch wer es generell nicht so mit Hunden hat, muss in diesem Fall keine Angst haben - der Cane Corso wird ihn nicht einmal beachten. Er begrüßt einen Menschen erst, wenn er hierfür per Augenkontakt die Freigabe erhalten hat – ein Ergebnis konsequenter Erziehung. Besonders von Haltern großer Hunde wird erwartet, dass sie ihr Tier im Griff zu haben. Von einem Cane Corso will keiner „begrüßt“ werden. Grundsätzlich gilt das Kontroll-Gebot freilich auch für kleine Hunde. Den Spruch „Der will nur spielen“ wird man von den Vereinsmitgliedern nicht hören – das wäre ein Zeichen für mangelnde Erziehung. Denn in der Öffentlichkeit hat der Hund nicht zu spielen – erst nach Erlaubnis. Fremde Hunde wollen sich auch nicht gegenseitig begrüßen. Wenn doch, dann ist es ungefähr so normal, wie wenn ein Mensch beliebigen Passanten auf dem Postplatz um den Hals fiele. Der Hund soll Respekt lernen, vor Menschen und vor anderen Tieren. Zuhause kann trotzdem vieles erlaubt sein, wenn Mensch es will - etwa auf dem Sofa oder sogar im Bett zu schlafen.

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Hunde lieben Sport und Betätigung. Das fängt beim Welpentraining mit den ersten kleinen Übungen („Hier!“, „Sitz!“, „Platz!“) an und reicht über Turniersport, Agility und Fun-Sportarten theoretisch bis zu Fährtentraining und Schutzdienst. Thomas Hermann durchläuft derzeit eine Ausbildung zum Figuranten. Das ist der mutige Trainer-Assistent, der sich zur Schutzdienst-Übung in den (geschützten) Arm beißen lässt. Natürlich ist nicht jeder Hund für alle Disziplinen und Aufgaben gleichermaßen geeignet. Eins aber sollte aus Sicht des Vereins für alle Hundehalter Ziel sein: die Begleithundeprüfung. Der Verein bietet vorbereitende Kurse an, die Prüfung, wird durch einen vom Verein anerkannten Richter abgenommen. Die Ausbildung gilt dem Team aus Hund und Hundeführer und beinhaltet unter anderem Leinenführigkeit, Freifolge, Sitz aus der Bewegung, Verhalten im Straßenverkehr, Verhalten des angeleint allein gelassenen Hundes und Verhalten gegenüber Fremden. Übrigens wird man weder Lisa Mouratidou noch Thomas Herrmann beim Spaziergang durch die Talaue treffen. Da ist zu viel los – beide bevorzugen Wald und Felder. „Ich gehe nicht mit dem Hund raus, um Leute zu treffen“, sagt Thomas Hermann, „sondern um mich mit dem Hund zu beschäftigen.“


Für alle Hunderassen

Noch einmal: Der Schäferhundeverein Waiblingen heißt nur so – steht aber allen Hunden offen. Wichtig ist nur, dass Neueinsteiger die Philosophie des Vereins teilen.

Das Vereinsgelände befindet sich an der Neuen Rommelshauser Straße 50 in Waiblingen (Anfahrt über Gewerbegebiet Eisental und Schüttelgrabenring). Näheres unter www.schaeferhundeverein-waiblingen.de.